Kurze Beine, lange Wege

shz.de von
19. September 2014, 09:16 Uhr

Gewarnt wird vor den Folgen der demografischen Entwicklung seit Jahren. Jetzt bekommt man die Auswirkungen so richtig am praktischen Beispiel zu spüren. Weil die weiterführende Schule in Krempe mangels Nachwuchs ein Auslaufmodell ist, müssen sich Eltern und Schüler anderweitig orientieren – vorzugsweise in Richtung Kreisstadt. Prompt brechen die Strukturen bewährter Schülerbeförderung weg. Und die Verantwortlichen haben nichts besseres zu tun, als eine angestaubte Satzung aus der Schublade zu ziehen. Abc-Schützen müssten bis zu zwei Kilometer, Fünftklässler bis zu vier und im Sommer sogar bis zu sechs Kilometer Fußweg zur nächsten Bushaltestelle in Kauf nehmen. Hinzu kommen mehr oder weniger lange Wartezeiten und natürlich noch der Fußweg vom Busbahnhof zur Schule. Wenn man dies ändern wolle, müsse man nur mehr Geld in die Hand nehmen, begegnet man Kritikern schnell mit einem Totschlagargument.

Nein. Der Schulweg darf keine Frage des Geldes sein. Er ist Teil einer verantwortungsbewussten Bildungspolitik. Wenn jetzt auch noch die Zuständigkeiten hin und her geschoben werden, macht das noch mehr Angst. Kurze Beine, lange Wege ? Eltern und betroffene Gemeinden gehen völlig zurecht auf die Barrikaden. Bei den Folgen der demografischen Entwicklung kommt es jetzt zum ersten großen Schwur: im Bildungsbereich, im Öffentlichen Personennahverkehr und im Bekenntnis zum ländlichen Raum. Auf der Veranstaltung in Wilster erfuhr man in dieser Woche, dass neue Einwohner nur dann ins Kreisgebiet gelockt werden können, wenn man ihnen Lebensqualität bietet. Hoffentlich ist das Schulbusproblem gelöst, bevor sich das auf dem Immobilienmarkt herumspricht.

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