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Schule : Kurze Beine, lange Wege ? Der Kreistag reagiert alarmiert

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei der Verabschiedung des Schulentwicklungsplanes des Kreises Steinburg werden auch Forderungen in Sachen Schülerverkehr laut

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 17:00 Uhr

„Ich kenne einen 72 Jahre alten Vater, man ist nie zu alt.“ Der Vorsitzende des Schulausschusses, Tobias Rückerl (FDP), ermunterte die Mitglieder des Kreistages in der Debatte um den aktuellen Schulentwicklungsplan, in den Bemühungen um mehr Kinder nicht nachzulassen. Generell musste er auf Grund der vorgelegten Zahlen aber erst einmal feststellen: „Es wird weniger Kinder geben.“ An den ernüchternden Zahlen selbst (wir berichteten-d.Red) kann auf Jahre hinaus wohl nicht viel gerüttelt werden. Wohl aber an den Auswirkungen. Rückerl mahnte die Schulträger, aber auch die Verantwortlichen für den Öffentlichen Personennahverkehr, sich dem Thema zu stellen. Seine Befürchtung: „Kurze Beine, kurze Wege – das wird wohl nicht mehr haltbar sein.“

In der Kreistagsdiskussion wurde aber deutlich, dass die Politik den Handlungsbedarf offenbar erkannt hat. Erst kürzlich machten in der Krempermarsch Eltern und Bürgermeister mobil, weil die Schulwege immer länger werden. „Hier muss man gute Lösungen erarbeiten“, forderte Rückerl auch eine Anpassung der Schülerbeförderungssatzung des Kreises. Die schreibt derzeit unter anderem noch fest, dass Grundschüler auch bei Wind und Wetter bis zu zwei Kilometer zu nächsten Haltestelle laufen müssen. Von Schülern ab der 5. Klassenstufe erwartet man im Sommer sogar bis zu sechs Kilometer Fußmarsch.

Inken Carstensen-Herold von der Grünen betonte denn auch, dass „die Menschen, die in den Ecken unseres Kreises wohnen, nicht stigmatisiert werden dürfen“. Wie man allerdings „den ÖPNV von morgen zu den Kosten von gestern“ organisieren soll, konnte auch CDU-Fraktionschef Dr. Reinhold Wenzlaff nicht sagen. Er ließ die massiven finanziellen Auswirkungen einer erweiterten Schülerbeförderung insbesondere im ländlichen Raum erkennen und meinte: „Wir müssen auch den Realitäten ins Auge sehen.“ Für Carstensen-Herold ist das „zu passiv und zu negativ gedacht“. Es gebe in anderen Regionen Deutschlands interessante Modellversuche für die Schülerbeförderung. „Da darf man den Kopf nicht gleich in den Sand stecken.“ Tobias Rückerl stellte das derzeitige ÖPNV-System insgesamt in Frage: „Wenn an einem Sonnabend ein 60-Sitzer Bus leer durch den Kreis fährt, da soll mir keiner etwas von Wirtschaftlichkeit erzählen.“ Und Martin Dethlefsen (Bürgerliste) mahnte: „Man darf den ÖPNV nicht nur als Belastung, sondern muss ihn auch als Herausforderung sehen.“

Den Schulentwicklungsplan selbst nahm der Kreistag dann zustimmend zur Kenntnis. Einzig der Abgeordnete Helmut Unger (Freie Wähler) lehnte das 65-Seiten-Papier ab: „Ich stimme dagegen, weil mit den Schulen seit jeher nur herumexperimentiert wird.“ Er forderte allerdings, dass der ländliche Raum nicht weiter ausgedünnt werden dürfe.

Probleme hat die Kreistags-Mehrheit allerdings mit der Erhebung der Zahlen. So würden die Kinder aus Gemeinden mit weniger als 200 Einwohnern gar nicht mit einfließen, weil der Kreis die erforderlichen Angaben aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bekomme. Entsprechend basieren die Entwicklungs-Diagramme für die einzelnen Schulstandorte auf Hochrechnungen und Prognosen. Nach Einschätzung von Rainer Naudiet (SPD) geht es dabei immerhin um „35 Prozent der Steinburger Bevölkerung“.

Ein anderer Unsicherheitsfaktor für die Schulplaner und -träger liegt in der seit einigen Jahren geltenden freien Schulwahl. Wenzlaff: „Der Gesetzgeber hat den Wettbewerb unter den Schulen so gewollt.“ Stefan Goronczy (FDP) meinte zwar: „Die freie Schulwahl ist ein Wert an sich.“ Gleichzeitig befürchtet er aber auch „drohende Investitionsruinen“. Sein Vorschlag zur Sicherung der Schulstandorte im ländlichen Raum: Man sollte bei gleichbleibender Lehrerversorgung die Standards bei den Mindestschülerzahlen herabsetzen.

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