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Tourismus : Kurz und hitzig: Erste Sommerbilanz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Trotz der sonnigen Juli-Tage gibt sich die Tourismusbranche überwiegend unzufrieden. Gäste blieben im Schnitt für zwei Tage im Kreis Steinburg

„Das Frühjahr war so schlecht, dass der Sommer nicht gereicht hat, das wieder aufzuholen.“ Mit diesen Worten fasst Michael Alfer vom Kanuverleih Alfer in Kellinghusen zusammen, was so manch einer in der Touristikbranche gerade denkt. Er geht von einem Umsatzminus von etwa 10 Prozent im Vergleich zum Sommer 2013 aus. „Wir verkaufen keine Touren, sondern Spaß – wenn es regnet, dann hat man keinen Spaß und dann ist es schwer jemanden zum Paddeln zu animieren“, erklärt er seine Einschätzung – die sonnigen Tage im Juli seien aus seiner Sicht auf die gesamte Saison bezogen zu kurz gewesen.

Ähnliche Einschätzungen äußern Anbieter, die im Kreisgebiet Drahtesel für Fahrradtouren verleihen. „Es gingen nicht so viele“, berichtet der Fahrradverleih Bienes Welt in Kellinghusen. Ute Kontor, deren Ehemann im Nebenerwerb Fahrräder in Kiebitzreihe vermietet, bestätigt ihren Eindruck: „Obwohl der Sommer super war, ist es nicht so gut gelaufen. Wenn wir Elektrofahrräder hätten, wäre das vielleicht anders“, meint sie, allerdings sei ihr Verleih auch etwas abseits vom Tourismus gelegen. In Wilster hingegen brummte das Fahrradgeschäft: „Trotz Regen sind wir gerade gut ausgebucht“, erzählt Petra Lamberty gegenüber unserer Zeitung. Insbesondere die Nachfrage nach E-Bikes liege im Trend. Das Image, nach dem Fahrräder mit zusätzlichem Elektromotor nur etwas für alte, kränkliche Menschen wären, habe sich mit der Entwicklung schicker und sportlicher E-Bike-Modelle vollkommen gewandelt.

Auch in der Schifffahrt überwiegt die Unzufriedenheit: „Könnte besser sein“, fasst Sven Fischer, der eine Reederei mit Personenschifffahrt zwischen Hamburg und Nordsee mit Sitz in Brunsbüttel betreibt, kurz zusammen. „Der Sommer war schön, aber kurz – wir hatten zu wenige Fahrgäste“, zieht er Bilanz.

Das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein hingegen meldet für den Monat Juni einen Anstieg der Übernachtungen im Kreis Steinburg ohne Berücksichtigung der Campingplätze um 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 11550 Übernachtungen wurden laut Statistik im Juni in den Unterkünften mit mehr als zehn Betten gebucht, davon 3773 in Glückstadt, 3633 in Itzehoe und 574 in Wilster. Für Juli und August liegen noch keine entsprechenden Zahlen vor.

Allerdings hielten sich die Gäste, das zeigen die Zahlen, im Juni im Schnitt nur über rund zwei Urlaubstage im Kreis Steinburg auf. Dr. Anita Chmielewski, Leiterin des Kreismuseums in Itzehoe, wundert sich entsprechend wenig über ihre Besucherzahlen. Diese ergäben sich daraus, ob eine Ausstellung das Interesse wecke, gerade wenn im Urlaub nur ein oder zwei Tage für die Besichtigung der Kreisstadt eingeplant seien, stünde das Museum in direkter Konkurrenz zu den verschiedenen Veranstaltungsangeboten, die dem Besucher täglich in der Kreiststadt und der näheren Umgebung zur Auswahl stehen. „Da gibt es drei bis vier Angebote pro Tag, wenn dann ein Großereignis dabei ist, dann geht man nicht ins Museum“, sagt sie.

Mit ihrer Sonderausstellung zum Thema Glück habe sie im Vergleich zu vorangegangenen Ausstellungen im guten Mittelfeld gelegen, nun ist sie in Gedanken schon bei der nächsten Ausstellung „Feste Feiern“ heißt es dann – vom Tanz op de Deel bis zur Kellerparty. Und damit diese Ausstellung zum Besuchermagneten wird, sucht die Museumsleiterin Fotos und andere Gegenstände, die zeigen, wie Steinburger feste feiern können.

Besucher konnten dies schon in diesem Sommer erleben. Gut angenommen wurden das Weinfest und der Kindertag in Itzehoe, berichtet Gönna Hamann, Holstein Tourismus.

Ein eindeutiges Sommer-Fazit lässt sich nicht ziehen, die Stimmen reichen von pessimistisch bis „Traumsaison“, wie Bodo Harmuth, Inhaber eines Kanuverleihs in Huje, den Sommer für sich zusammenfasst. Zudem sei die Saison nicht vorbei: „Jetzt hoffen wir auf besseres Wetter. Die Saison geht noch bis Mitte September und manchmal bis in den Oktober hinein“, sagt auch Michael Alfer und verdeutlicht: Für den Moment lassen sich nur Tendenzen erkennen.

 

 

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erstellt am 26.Aug.2014 | 17:00 Uhr

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