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Palais für aktuelle Kunst : Kunsthaus zeigt junge lettische Kunst

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kuratorin Christiane Opitz holte vier hierzulande unbekannte Künstler nach Glückstadt. Doch sie alle haben eine vielversprechende künstlerische Zukunft vor sich. Jetzt stellen sie im Palais für aktuelle Kunst aus.

Was wird die Besucher am meisten beeindrucken? Kuratorin Christiane Opitz tippte auf die fast magisch wirkenden menschenleeren Schneelandschaften von Reinis Hofmanis (Jg. 85). Bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Latvian Latitude“, die junge Kunst aus Riga bis 22. September im Palais für aktuelle Kunst (PAK) präsentiert, häuften sich die Fragen aber zuerst zu Evelina Deicmanes (Jg. 78) inszenierten Foto-Installationen.

Wie brachte sie die dicke Frau zum Schweben? Was bedeutet die Axt in der Hand der schönen Unbekannten, die einen Baumstamm als Unterkörper hat? Deicmanes spiele mit unseren Vorstellungen, erläuterte Christiane Opitz die surrealistischen Anordnungen auf den Fotos: „Die Regeln des typischen menschlichen Verhaltens gelten nicht mehr in den privaten vier Wänden.“ Wie kommt die altmeisterliche Anmutung der Fotobilder zustande? Im Mittelpunkt ihrer Arbeit und ihres Interesses stehe die genaue Vorplanung und der aufwendige Aufbau der Wohnzimmerszenen, weniger die Fototechnik, beschrieb die Künstlerin selbst ihr Vorgehen.

Sie nahm mit Daiga Krüze (Jg. 80) am Sommerfest des Kunstvereins teil, das sich an die Eröffnung anschloss. Krüze zeigt in Glückstadt abstrahierte Landschaften, die Christiane Opitz als „Zusammenspiel verschiedener Farbklänge“ beschrieb. Sie verwies auf die Alltagserlebnisse Krüzes beim Spazierengehen, die sie in ihrer Malerei umsetze.

Das Sujet der Landschaft eint die vier lettischen Positionen, die die Kuratorin aus einer Vielzahl auswählte, um die junge Kunst des baltischen Landes im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals und des Kultursommers vorzustellen. Kriss Salmanis (Jg. 1977) arbeitet mit Animationen, die er den Besuchern als Videos präsentiert. So bildete er ein halbes Jahr lang eine Landschaftsfotografie, die während einer Mitsommernacht entstand, im sich täglich verändernden Licht ab, um mit dem daraus entstandenen Film die besondere Stimmung der Sonnwende zu konservieren.

Christiane Opitz holte vier hierzulande unbekannte Künstler nach Glückstadt, die eine vielversprechende Zukunft vor sich haben. Deicmane hat Lettland 2009 auf der Biennale in Venedig vertreten und ist – ebenso wie Krüze – dieses Jahr für den Kunstpreis ihrer Heimat nominiert. Salmanis und Hofmanis haben teilweise in Deutschland studiert und werden mittlerweile international beachtet.

Der Kunstverein möchte mit seiner Ausstellung auch auf die gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahre aufmerksam machen, die auf die Unabhängigkeit und den EU-Beitritt folgten, und auf das neue Selbstbewusstsein der Letten, deren aufstrebende Wirtschaft mit der gegenwärtigen Krise konfrontiert ist. So dominieren Hofmanis‘ großformatige Landschaftsfotos die „For sale“-Schilder, teils werden die Grundstücke oder neuen Häuser auch auf lettisch mit „Pardod Zemi“ angeboten – ökonomische Zeichen, die der Künstler aufgreift und mit der nahezu mystischen Naturverbundenheit der Letten kombiniert.

Sowohl Jan Walraff, Vorsitzender vom Kunstverein Palais für aktuelle Kunst, als auch der lettische Honorarkonsul Fritz Schulze aus Lübeck betonten bei der Eröffnung die bewegte Geschichte des Landes, seine Schönheit und auch Stabilität, die durch eine lebendige ambitionierte Kunstszene begleitet werde. Die lettischen Eigenarten spiegeln sich auch im Titel der Ausstellung, denn das englische Latitude heißt nicht nur Breitengrad, sondern auch Abgrenzung, Spielraum und Freiheit. Die wirkungsvolle auf wesentliche Schwerpunkte reduzierte Hängung der Bilder und Präsentationen unterstreicht diese Aussage. Das rege Interesse der Besucher auch.

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