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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 22:57 Uhr

Abgeguckt : Kunsthandwerker in der Backstube

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Andrew Auld aus England hat sich in Itzehoer Traditions-Bäckereien nach neuen Rezepten umgeschaut.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 17:00 Uhr

„Ich habe eine Menge von Jörg und Jürgen Frähmcke gelernt“, hat Andrew Auld gleich nach seiner Erkundung der Itzehoer Bäckerei seinen Fans getwittert und mit Fotos auf seine Homepage www.theloaf.co.uk gestellt. Die Seite berichtet von seinem „Kunsthandwerk“, seinen Produkten und Delikatessen, aber auch von vielen Kursen und begeisterten Fans.

Es wird deutlich, dass der 41-jährige Brite nicht nur viel vom Backen, sondern auch vom Vermarkten versteht. Bevor er zu seinen Wurzeln an den Backofen zurückkehrte, war Auld zwölf Jahre lang im Industrie-Marketing erfolgreich. Während seines Studiums unterrichtete er Anfang der Neunziger ein Jahr lang als Assistant Teacher an der Itzehoer Kaiser-Karl-Schule (KKS) Englisch. Ältere KKS-Lehrer erinnern sich noch lebhaft an „den fröhlichen Andrew mit dem Dudelsack“, mit dem Auld auch im Schulleben seine schottische Herkunft unterstrich.

Während dieser Zeit lebte er in der Familie von Amke Henninga, die bis zu ihrer Pensionierung an der KKS Englisch, Geografie und WiPo unterrichtete. Längst gehört Andrew zur Familie und besucht sie regelmäßig in Itzehoe: „Ich bin adoptiert. Dieses Mal kam ich zu Omas 95. Geburtstag und zur Hochzeit von Amkes Sohn.“ Tagsüber wurde gefeiert und nachts gebacken.

Um Mitternacht startete die Schicht in der Bäckerei von Howe Carstens, der während Andrew Aulds Itzehoer Zeit Abitur an der KKS machte und seitdem mit ihm befreundet ist. Bei Jörg Frähmcke ging es etwas später los, da er den Teig länger führt und vieles am Vortag vorbereiten kann. Den Abschluss des Itzehoe-Praktikums verbrachte der lerneifrige Brite im Café Königsberg. Diese drei Itzehoer Bäckereien sind noch traditionell handwerklich arbeitende Betriebe. Und darauf kam es Andrew Auld an. Denn mit seinem eigenen „home made café food“ hat er seit einigen Jahren den Brotfabriken erfolgreich den Kampf angesagt. In England sei – einige Jahre früher als in Deutschland – das große Bäckersterben schon vorüber, die industrielle Massenfabrikation wieder im Rückzug, berichtet Auld. Die Kunden nehmen wieder längere Wege und angemessene Preise in Kauf, um frisches, aromatisches Brot zu erhalten.

Andrew Auld eröffnete seine eigene Bäckerei 2008. Zwei Jahre zuvor war er mit seinem Partner in das kleine Dorf Crich/Derbyshire südlich von Manchester gezogen, dessen Bäckerei nach 89 Jahren schließen musste. Er erinnerte sich an seine Kindheit auf dem Land und an seine Freude am Backen. An die Industriekarriere schließt sich nun die Mission als „artisan“, als Kunsthandwerker, an. Auld hat mittlerweile rund 20 Angestellte, betreibt mit seinem Partner die Bäckerei, zwei Cafés und gibt Backkurse: „Meine Schüler wollen immer Neues lernen, deshalb habe ich mich in Itzehoe nach neuen Brötchenrezepten und Roggenbrot umgeschaut.“

Bei Familie Frähmcke, die durch die süddeutschen Wurzeln auch Laugengebäck im Sortiment hat, lernte er das Brezeldrehen und den Umgang mit der Lauge. „Damit kann ich die Engländer vermutlich noch nicht begeistern“, kommentierte er lachend. Aber für Mohngebäck sieht er gute Chancen, auch Zwiebelkuchen möchte er mal probieren. Aber vor allem der deutsche Sauerteig hat es ihm angetan. Mit Jörg Frähmcke tauschte er sich leidenschaftlich über die alte handwerkliche Qualität beim Backen aus, der beide nachspüren. Frähmcke möchte sich die „slow backery“-Bewegung und die „real bread campaign“, mit der England im Kampf gegen das Einheits-Industrie-Brot schon etwas weiter ist, bald auch einmal persönlich anschauen und Aulds Backofen begutachten. Er versprach, ihm etwas Lauge für die ersten Brezeltests mitzubringen.


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