Kunst in Hablik-Villa - eine Frage der Perspektive

Alles rund um den Murwel: Manuel Zint mit seinem Werk im Treppenhaus der Hablik-Villa. Foto: Götz
Alles rund um den Murwel: Manuel Zint mit seinem Werk im Treppenhaus der Hablik-Villa. Foto: Götz

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02. Oktober 2009, 10:03 Uhr

Itzehoe | Er war zu Besuch in Itzehoe - und wollte der Stadt einen Kulturpalast schenken. Doch die Stadt lehnte das Geschenk von Kaiser Wilhelm I. ab. Sie wollte lieber einen Ochsenmarkt. Wer möchte - gerade mit Blick auf den gescheiterten Erwerb der Hablik-Villa - zweifeln, dass es so passiert sein könnte? Aber ist die Geschichte tatsächlich wahr? Oder erfunden? Sie ist echt - echte Kunst. Und damit Teil der Ausstellung "Reise ins Herz der Finsternis", die Manuel Zint ab Sonntag in der Hablik-Villa, Talstraße 14, zeigt.

"Das abgelehnte Geschenk" ist nur eines von vielen Werken, bei denen der 35-Jährige die Grenzen zwischen Realität und Fik tion fließen lässt. Auch den geheimen "Duellierclub der Frauen" könnte es Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben haben. Schließlich sind viele Fakten im Begleittext historisch belegt. Gleich daneben hängt das blutdurchtränkte Hemd des letzten Mitglieds. Zint zupft gewissenhaft das Einschussloch noch ein bisschen zurecht, bevor er im Treppenhaus weiter nach oben geht, wo Felle, Knochen und Zähne der "Murwels" gezeigt werden.

Die riesengroßen fleischfressenden Maulwürfe mit den Stoßzähnen aus Elfenbein wurden einst gejagt. Das allerdings geriet in Vergessenheit, bis Professor Brodtwolf eine Sammlung zum Berufsstand ihrer Jäger anlegte - von der Harpune bis zur Pfeife. Wer sogleich an eine Veräppelung glaubt, stutzt beim Blick in die Vitrine - Bilder der "Murwels" tauchen schließlich selbst in historischen Werken auf.

"Ich arbeite oft mit fiktiven Historien, behaupte Dinge und bereite sie so weit auf, dass nicht mehr klar ist, ob es wahr ist", erklärt Manuel Zint. Viele Aspekte seien recherchiert. Das historische Material mischt Zint mit seinen Ideen - und ist gespannt auf die Reaktion der Betrachter. "Ein kleiner Teil fängt an, mit mir zu spielen, und liefert zum Beispiel weitere wissenschaftliche Details."

Die Ausstellung ist so angelegt, dass sie tatsächlich eine "Reise in das Herz der Finsternis" ist. "Es ist so konzipiert, dass es sich vom Flur bis zum letzten Raum verdichtet", erklärt der Künstler. "Je weiter es ins Atelier geht, desto abgedrehter wird es." Habliks Atelier sei als "Nürnberger Wunderkammer" angelegt - mit Exponaten von Habliks Mineralien bis zum Schildkrötenpanzer. Dort, am künstlerischen Ursprung, treffe Zint mit Hablik zusammen - denn es gebe bei allen Unterschieden durchaus Analogien.

Dass Vieles dabei eine Frage der Perspektive ist, zeigt sich schon bei der ersten Installation im Flur: fünf Aquarien. Je nach Blickwinkel sind sie entweder leer - oder offenbaren wahrhaft tiefe Einblicke.

. Eröffnung: Sonntag, 4. Oktober, 11.30 Uhr. Geöffnet: Freitag bis Sonntag, 9. bis 11. und 16. bis 18. Oktober, 14 - 18 Uhr.

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