Einzelhandel : Kunden-Protest gegen Famila-Aus

Schließung im Spätsommer? Im Moment deutet wenig daraufhin, dass der Famila-Markt in Itzehoe über den September hinaus erhalten bleiben wird.
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Schließung im Spätsommer? Im Moment deutet wenig daraufhin, dass der Famila-Markt in Itzehoe über den September hinaus erhalten bleiben wird.

Knapp 3000 Unterschriften für Erhalt des Supermarktes vor dem Delftor. Das Unternehmen kündigt Mitarbeitern in Itzehoe.

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15. Mai 2018, 05:00 Uhr

„Wieder einmal geht in Wellenkamp ein Stück Wohnqualität verloren“, beklagt Michael Raupach. Die Pläne für die Schließung des Famila-Marktes vor dem Delftor (wir berichteten) seien für ihn eine „herbe Enttäuschung mit üblem Beigeschmack“, sagt der Itzehoer. Künftig werde Itzehoes größtem Stadtteil und den Nachbargemeinden der wichtigste Versorger fehlen. Wie viele andere Famila-Kunden will Raupach sich damit nicht abfinden und hat sich an einer Unterschriften-Sammlung für den Erhalt von Famila in Itzehoe beteiligt.

Auf eigene Initiative hätten Mitarbeiter die Protest-
Aktion gestartet, berichtet Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz. Knapp 3000 Unterschriften von Kunden für den Erhalt des Marktes seien in wenigen Tagen zusammengekommen. Übergeben wurden sie Bürgermeister Andreas Koeppen. „Das zeigt die Betroffenheit der Menschen“, sagt dieser. Famila habe einen „festen Platz“ in Itzehoes Einzelhandelslandschaft und einen „guten Ruf“. Die Schließungspläne seien daher bedauerlich, nicht zuletzt auch wegen des drohenden Verlustes von Arbeitsplätzen. „Den Unmut der Kunden kann ich gut verstehen“, so Koeppen.

Eingreifen kann der Verwaltungschef kaum – ebenso wenig wie die Politik. CDU und SPD hatten versucht zu vermitteln, bisher ohne Erfolg. Hintergrund für das drohende Aus des Marktes ist, dass sich Famila mit dem Grundstückseigentümer, der Hamburger Pergamon-Verwaltungsgesellschaft, nicht über die Höhe der künftigen Miete einigen konnte. „Zu den geforderten Rahmenbedingungen können wir den Standort am Delftor aus wirtschaftlichen Gründen nicht erhalten, obwohl wir es gerne möchten“, sagt Lahrtz. Deshalb sei der Mietvertrag von Famila zu Ende September gekündigt worden. Beide Seiten hatten bei Bekanntwerden der Kündigung Anfang April gegenüber unserer Zeitung Gesprächsbereitschaft signalisiert. Doch bis heute habe es keine weiteren Verhandlungen gegeben, sagt Lahrtz.

Eigentlich hatte das Unternehmen gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer den Neubau eines Marktes an gleicher Stelle geplant. Ob dieser nun an einem alternativen Standort entstehen könnte, werde geprüft, sagt Lahrtz. Die Stadt würde gern helfen, um Famila in Itzehoe zu halten, betont Koeppen. Ein eigenes, geeignetes Gelände könne man aber nicht anbieten, und auch aus privater Hand sei aktuell kein passendes Grundstück in Sicht. „Sollte sich irgendetwas ergeben, werden wir sofort vermittelnd aktiv“, so Koeppen.

Angesichts offenbar mangelnder Alternativen droht den mehr als 70 Mitarbeitern von Famila in Itzehoe der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Wie das Unternehmen bestätigt, bekamen alle Beschäftigen des Itzehoer Marktes inzwischen die Kündigung. „Trotzdem sind wir natürlich in Absprache mit dem Betriebsrat in jedem Einzelfall bemüht, die Kolleginnen und Kollegen an anderen Famila-Standorten oder innerhalb der Unternehmensgruppe weiter zu beschäftigen“, sagt Lahrtz. Allerdings sei dies häufig mit einem Wohnortwechsel verbunden. „Wir hoffen trotzdem, dass viele von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden.“

Michael Raupach will Famila so oder so treu bleiben. Er sieht für sich keine echten Alternativen zu dem „Vollversorger“ Famila. „Und in Elmshorn ist man als Wellenkamper schon in weniger als 20 Minuten.“

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