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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 10:54 Uhr

Bankenschliessung : Kunden lassen Dampf ab

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf der Informationsveranstaltung der VR-Bank zum Aus der Filiale in Oldendorf stellen sich die Vorstandschefs den kritischen Fragen ihrer Kunden.

von
erstellt am 16.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Sie hatten Gegenwind erwartet – und er blies den Vorständen der Volksbank Raiffeisenbank (VR) Itzehoe schließlich eiskalt ins Gesicht. Montagabend versuchten Manfred Kowalewski und Stephan Schack ihren Kunden zu erklären, warum sie den Standort Oldendorf zum 15. April dieses Jahres schließen und sie mit der Filiale in Wilster vereinen.

Es wurde die erwartet emotionale Informationsveranstaltung, denn kampflos wollten die Oldendorfer Kunden das angekündigte Ende der Filiale nicht hinnehmen. Kowalewski und Schack skizzierten zunächst die aktuelle Lage, in der sich ihre Bank bewegt und die unter anderem zu der Entscheidung geführt hat. Der Druck des Marktes, die fortschreitende Digitalisierung, der demografische Wandel mit dem damit einhergehenden veränderten Kundenverhalten seien Faktoren, die es zu berücksichtigen gelte, erklärte Stephan Schack. „Vor diesem relativ düsteren Hintergrund müssen wir Entscheidungen treffen“, sagte er weiter. „Dennoch“, fügte Manfred Kowalewski hinzu, „bleibt die Kundennähe unser wichtigstes Element. Sie wird sich allerdings verändern.“ Die bisherige Filialleiterin Sarah Krey wird zukünftig am Standort in Wilster die Verantwortung tragen. „Wir wollen Sie weiterhin kompetent beraten. Entweder in Wilster oder auf Wunsch bei Ihnen zu Hause“, versicherte Schack. Zudem werde es Schulungen zum Thema Online-Banking vor Ort in Oldendorf geben.

Dass die Erklärungen der beiden Vorstände die Fragen ihrer Kunden kaum beantwortet hatten, wurde schnell deutlich. Zum Auftakt der Diskussionsrunde ergriff Oldendorfs Bürgermeister Henning Schultz-Collet das Wort und kritisierte die Art und Weise der Kommunikation. Die lasse von Seiten der VR-Bank doch sehr zu wünschen übrig, sagte der Verwaltungschef. Er hätte erwartet, dass der Bürgermeister vor einer so folgenreichen Entscheidung angehört werde. Das aber sei nicht geschehen. Zudem könne er nicht verstehen, warum die Kunden erst sechs Wochen vor der Schließung darüber informiert worden seien. „Ich bin empört und enttäuscht über die Kurzfristigkeit dieses Kahlschlags“, so Schultz-Collet. Sein Stellvertreter Matthias Denninger schlug in die gleiche Kerbe: „Ihren Umgang mit den Kunden finde ich unmöglich.“ Die Frage, warum es ausgerechnet Oldendorf treffe, beantwortete Stephan Schack mit dem hohen Sanierungsbedarf für das Filialgebäude. „Die Investitionen, die wir hätten tätigen müssen, um alle Auflagen zu erfüllen, wären einfach zu hoch“, so Schack.

Das gesamte Filialnetz stehe auf dem Prüfstand. „Die Bankenwelt hat sich in den vergangenen Monaten so schnell verändert, wie wir uns es nicht hätten vorstellen können. Denken Sie nur an die fallenden Zinsen“, sagte Schack. Erklärungen, die im Plenum auf wenig Verständnis stießen. „Was sparen Sie durch die Schließung ein? Wie sollen die älteren und nicht so mobilen Menschen zukünftig an Geld kommen? Warum sind Sie nicht offen für alternative Vorschläge? Und warum soll ich jetzt noch Kunde Ihrer Bank bleiben?“, lauteten die konkreten Fragen, die in der Folge an die beiden Vorstände gestellt wurden. Eine zufriedenstellende Antwort und eine nachvollziehbare Erklärung fehlte der Mehrheit der anwesenden Kunden. Matthias Denninger zog ein deutliches Fazit: „Aus meiner Sicht wurde die Frage, warum Oldendorf geschlossen wird, in keiner Weise beantwortet.“

Kowalewski und Schack zeigten Verständnis für den Unmut und die Enttäuschung ihrer Kunden und versicherten, die Meinungen des Abends dem Aufsichtsrat zu berichten. Stephan Schack erklärte dennoch. „Wir möchten Ihnen keine Hoffnung machen, dass die Filiale erhalten bleibt. Sie können uns glauben, dass uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist.“

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