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Denkmals-Tag : Kulturstätte mit dunkler Vergangenheit

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ruhestätte aus der Bronzezeit, von den Nazis verehrt: Das Itzehoer Germanengrab steht im Mittelpunkt beim Tag des Denkmals. Darüber hinaus können viele weitere Denkmäler im Kreisgebiet am 8. September besichtigt werden.

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erstellt am 31.Aug.2013 | 12:15 Uhr

„Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ – Unter diesem Motto steht der Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, 8. September. „Zu den ‚unbequemen Denkmalen‘ zählen viele Bauten, die heute im Allgemeinen aufgrund der politischen und sozialen Umstände ihrer Entstehungs- oder Nutzungszeit – in unterschiedlichem Ausmaß – ein gewisses Unbehagen oder sehr negative Gefühle auslösen“, informiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf ihrer Homepage. Im Kreis Steinburg trifft das auf den bronzezeitlichen Grabhügel am Itzehoer Juliengardeweg zu, der bis heute unter dem Namen „Germanengrab“ bekannt ist.

In der NS-Zeit erhielt er diesen Namen. Er wurde fälschlicherweise als alte Stätte des Ahnenkults deklariert und mit der „germanischen Herrenrasse“ in Verbindung gebracht. Die Stärke des deutschen Volkes sollte so zum Ausdruck kommen. „Dieses Denkmal ist sehr komplex und schwierig zu verstehen“, sagt Dr. Ulf Ickerodt vom Archäologischen Landesamt. In die Ideologie der Nazis habe es wunderbar gepasst als Bestätigung der rassischen Einheit und der Theorie der Auslese der Stärksten (Sozialdarwinismus). Es sei eines von vielen religiösen Symbolen, das die Nazis für ihre Zwecke missbraucht hätten.

1875 wurde der bronzezeitliche Grabhügel von Archäologen entdeckt. Günther Haseloff grub ihn 1937 im Auftrag des Kieler Museums vaterländischer Alterthümer aus und fand zwölf Gräber. Er interpretierte sie als Ahnenkultplatz. Nach Ende der Ausgrabungen wurden die unteren drei Gräber wiederhergestellt und von einem Kuppelbau aus Kalksandstein überdeckt. Das Außengelände wurde zu einem Aufmarschplatz umgestaltet und die umliegende Bebauung entsprechend angepasst. „Die Welt der Lebenden sollte mit der Welt der Ahnen in Beziehung gesetzt werden“, erklärt Dr. Ickerodt, dem dieses Phänomen auch von anderen archäologischen Ausgrabungsorten bekannt ist.

„Eigentlich haben wir hier zwei Denkmäler“, sagt Lothar Wittorf von der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft des Kreises Steinburg. Das eine sind die bronzezeitlichen Gräber, die 1968 unter Denkmalschutz gestellt wurden. Das andere ist der Kuppelbau, der den Ort zur Kultstätte machte und den das Denkmalamt erst 2007 in sein Buch aufnahm.

Am Tag des Offenen Denkmals werden beide Aspekte entsprechend gewürdigt: Ingo Lafrentz von der archäologischen Arbeitsgemeinschaft bietet ein Führung im Germanengrab an um 11.30 Uhr. Über die Einordnung des Denkmals in das Konzept der politischen Religiosität referiert Dr. Ulf Ickerodt um 10.30 Uhr, 13.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr. „Wir wollen aufklären und alles dafür tun, dass der Ort nicht wieder zu einer neonazistischen Kultstätte wird“, so Dr. Ickerodt.

Auch in Glückstadt ist viel los, Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, gibt es eine Stadtführung mit Uwe Giltzau. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor der Stadtkirche am Markt, Dauer anderthalb Stunden, Kosten: 4,50 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zwei Euro.

Weitere wichtige Denkmäler sind an diesem Tag ebenfalls geöffnet: Die Stadtkirche kann zwischen 14 und 16 Uhr individuell oder bei einem geführten Rundgang (12 Uhr) besichtigt werden. Zu einem Besuch lädt auch das Detlefsen-Museum ein, wo Stadt- und Regionalgeschichte gezeigt werden. An diesem Tag ist der Eintritt frei.

Das Palais für aktuelle Kunst lädt auch zum Besuch ein. Als schwimmendes Denkmal beteiligt sich der Zollkreuzer Rigmor am Tag des offenen Denkmals. Er kann von 14 bis 17 Uhr im Außenhafen besichtigt werden. Zusätzlich startet das älteste, noch fahrtüchtige Segelschiff Deutschlands um 10.30 Uhr zu einer dreistündigen Elbefahrt. Eine Anmeldung beim Verein ist erforderlich.

Vereinsmitglieder vom Provianthaus-Verein Glückstadt laden um 15 Uhr zu einer Führung ein unter dem Motto „Die Bedeutung des Provianthauses für Glückstadt und Zukunftsperspektiven“.

Das Stellwerkmuseum in der Christian-IV.-Straße ist von 14 bis 17 Uhr geöffnet, ebenso wie das gegenüber liegende Museumsgleis 305 mit seinen historischen Eisenbahnfahrzeugen am Güterbahnhof.

Neben den genannten Denkmälern präsentieren sich mehrere Ausstellungen, darunter die Fotoausstellung „Inselgang“ im Atelier Artequarium. Die Sonderausstellung „Zwiebelfische“ im Detlefsen-Museum wurde extra zum Tag des offenen Denkmals um eine Woche verlängert.

>Das vollständige Glückstädter Programm kann im Internet unter www.glueckstadt-tourismus.de nachgelesen werden. Weitere Informationen und alle genauen Termine sind auch bei der Tourist-Information Glückstadt, Große Nübelstraße 31, erhältlich.


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Folgende Denkmäler im Kreis Steinburg öffnen ihre Türen am Sonntag, 8. September:

>Künstlerhaus Hablik, Itzehoe, Talstraße 14. Halbstündlich Führungen durch das erstmals öffentlich zugängliche, restaurierte Esszimmer durch das Landesamt für Denkmalpflege und die Wenzel-Hablik-Stiftung, Sonnabend 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.

>St. Laurentii-Kirche, Itzehoe, Kirchenstraße 8. Führungen zwischen 12 und 17 Uhr durch den Verein Freundeskreis St. Laurentii, Infostand, musikalische Darbietung, Malwettbewerb für Kinder, Abschlussgrillen im Klostergarten. Geöffnet von 10 bis 20 Uhr.
>Alte Kate, Oelixdorf, Oberstraße 38. Führungen nach Bedarf durch Mitglieder des Vereins „Alte Kate Oelixdorf“, Kaffee und Kuchen, 11 bis 17 Uhr.

>Neues Rathaus, Wilster, Rathausstraße 4. Stündlich Führungen durch den Förderverein Historische Rathäuser in Wilster, 10 bis 14 Uhr.

>Bauernhof Rehder, Neuendorf b. Elmshorn, Moorhusen 11. Führungen nach Bedarf durch die Interessengemeinschaft Bauernhaus und die Untere Denkmalschutzbehörde, 12 bis 16 Uhr.

>St. Peter-Kirche, Krempe, Am Kirchhof 1. Führungen stündlich durch Bernd Proetel, 10 bis 14 Uhr.

> Informationen auf www.steinburg.de unter Kultur/Denkmalpflege oder www. tag-des-offenen-denkmals.de.

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