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Kulturhaus Wilster : Kulturhaus wird zum Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rege Diskussion über alternative Lebensentwürfe: Wie können die aktiven Alten und die Generation, die in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen wird, jenseits von Heimen ihr Alter selbstbestimmt gestalten?

Vernetzung ist das Ziel, eine Ideenbörse im Kulturhaus Wilster bildete den Anfang. Heiko Ibs, Robert Neuhaus und Tanja Nielsen stellten jetzt in der Einrichtung am Markt verschiedene alternative Lebenskonzepte vor und brachten die rund 30 Besucherinnen und Besucher in ein intensives Gespräch.

Wie können die aktiven Alten und die Generation, die in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen wird, jenseits von Heimen ihr Alter selbstbestimmt gestalten? Wie können sich Familien in größeren Gemeinschaften gegenseitig entlasten und auch emotional stärken? Wie lässt es sich schon als junger Mensch umweltbewusst, ressourcenschonend und weniger konsumorientiert leben?

Dies waren die Kernfragen, die das altersgemischte Publikum bewegten und teils sehr persönliche Bekenntnisse beförderten. Sie habe ihren Berufsehrgeiz hinter sich gelassen und konzentriere sich jetzt bewusst minimalistisch auf das Wesentliche im Leben, sagte Karin Lindau: „Ich wohne nun in einer sehr kleinen Wohnung in Wilster am Markt und sehe das Kulturhaus mittlerweile als mein eigentliches Wohnzimmer an.“ Ähnlich wie die 64-Jährige bekannten sich einige ältere Besucher zum Allein-Wohnen, aber Gemeinschaft-Leben, was sie gern auch noch intensivieren würden. Einige Familien, die sich an der Diskussion beteiligten, wünschen sich für ihre Kinder und das Leben fern von den Großeltern mehr Gemeinschaft auch im Alltag.

Auch der St. Margarethener Heiko Ibs, der nach einigen Berufsjahren im Ausland nun in Schlotfeld lebt und jeden Tag zu seinem Arbeitsplatz in Dithmarschen pendelt, findet die Vorteile gemeinschaftlichen Wohnens attraktiv: „Da gibt es ja neben WGs viele Varianten, wie Tür an Tür mit gemeinsamer Infrastruktur oder Ökodörfer.“ Er hat seine Arbeitswoche als Techniker auf vier Tage reduziert und erkundet derzeit in Urlaubswochen mit aktiver Mitarbeit Gemeinschaftsprojekte, wie das Ökodorf Sieben Linden in Sachsen-Anhalt. Kurzfristig denkt er über Car-Sharing und gemeinschaftlichen Gartenbau nach und hofft wie seine beiden Mitinitiatoren im Kulturhaus auf eine Magnetwirkung im Kreis Steinburg.

Der Dokumentarfilm „Tomorrow“ mit vielen Beispielen gemeinschafts- und umweltverträglicher Lebensformen hat dafür die Impulse freigesetzt und auch die drei Diskussionsleiter in Kontakt gebracht. Von der BUND-Ortsgruppe im November 2016 initiiert, brachte die Filmvorstellung viele Akteure zusammen. Danach entstand der Itzehoer Runde Tisch, Naturfreunde setzten sich für die Kleingärten im Eichtal ein und entwickelten dort eine neue Gemeinschaft. Robert Neuhaus stellte sich als Kontaktperson zu den Itzehoer Initiativen vor und möchte auch das Kulturhaus damit vernetzen. Interessierte können ihn direkt anschreiben: robert.heuhaus@friedensbaum.de

Der Architekt kam aus Berlin nach Itzehoe und lebt nun mit seiner geschiedenen Familie und weiteren Mitgliedern in einer WG im ehemaligen Landgerichtsgebäude in der Breitenburger Straße. „Das ist anstrengend, aber auch sehr schön“, sagt Neuhaus, der die Chancen gemeinschaftlicher und gruppendynamischer Prozesse auch gesellschaftlich stärker zur Wirkung bringen möchte. Tanja Nielsen engagiert sich besonders für die Permakultur und Solidarische Landwirtschaft (Solawi), bei denen es um die nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln und regionale Vermarktung bzw. private Käufergemeinschaften geht. Über gemeinschaftliches Wohnen hinaus möchte die leidenschaftliche Gärtnerin gern im Kreis eine Hofgemeinschaft initiieren. Gisela Wieneke von der BUND-Kreisgruppe freut sich über die große Resonanz, die der Film nach sich zieht: „Es ist toll, so viele nette Menschen kennen zu lernen. Man denkt über vieles neu nach!“

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