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Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 21:34 Uhr

Glückstadt : Kultur in Praxis und Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Musik, Lesungen, Mitmachaktionen – ein abwechslungsreiches Programm begeisterte die zahlreichen Besucher an vielen Orten der Stadt

Wenn eine Arztpraxis zur Jazzbar und ein privates Wohnzimmer zum Konzertsaal wird – dann ist Kulturnacht in Glückstadt. Mit dem grünen Band am Handgelenk als Eintrittskarte zogen Kulturinteressierte Sonnabend durch Glückstadt und hatten die Qual der Wahl. Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Theater und vieles mehr erwartete sie. An den Eingängen zu den Veranstaltungsorten brannten Kerzen und luden zum Eintritt ein. Dankenswerterweise fanden die meisten Aufführungen mehrfach statt, so dass Besucher mit ausgeklügeltem Zeitmanagement ein Maximum an Glückstädter Kultur erleben konnten.

Wer die Arztpraxis am Burggraben betrat, den erwartete statt ärztlichem Rat feiner Jazz von „The Remark-eble Walsinats“. Aus dem Wartezimmer war ein Konzertraum geworden. Der Flur wurde zur Bar umfunktioniert, in der Arzt Alexander Horak den zahlreichen Besuchern Rotwein anbot. Sänger Nicolo Kramer und Gitarrist Simon Stanislaw fesselten die Zuhörer mit Liedern aus dem „Great American Songbook“. Einfühlsam boten sie beispielsweise Lieder von Duke Ellington und George und Ira Gershwin dar.

Bis in den Flur drängten sich an diesem Abend auch die Besucher des Wohnzimmerkonzertes bei Almut Möller-Spiering. Zusammen mit Stefanie Knölke-Viebrock und Andreas Viebrock am Keybord sangen sie Lieder über das Leben und die Liebe. Eigentlich aus einem Vokalensemble kommend traten sie an diesem Abend erstmals in dieser Kombination und auch erstmals im Wohnzimmer auf. Hingebungsvoll spielten sie Lieder von Jacques Brel, Michael Jackson bis zu John Denver.

Ein humorvoller Blick wurde hingegen im alten Kino auf die Liebe geworfen. Dort trat das Improvisationstheater Duo Lamäng auf und spielte mit Hilfe des Publikums eine Liebesgeschichte in Glückstadt. So fragten Wiebke Wimmer und Achim Kußmann die Zuschauer beispielsweise, welche Eigenschaften die Hauptpersonen haben sollten und wo sie sich begegnen. So traf Kosmetik-Vertreterin Luise auf den Farbenverkäufer Ingo C., der ihr ein Flammen-Tattoo auf ihren Rollator lackieren sollte.

In den Ateliers am Rhin erwarteten Besucher Bilder, Musik und Feuer. Lore Schröder und Wiebke Möller luden in ihre Ateliers ein. Für atmosphärische Musik sorgten Olaf Plotz und Lars Haeb. Ungewöhnlichen Instrumenten entlockte Plotz die unterschiedlichsten Klänge und Rhythmen und riss so die Besucher mit.

Zwei der Stars der diesjährigen Kulturnacht waren Jonas und Wiebke, die im Ladengeschäft von Wiebkes Eltern, dem Bootsausrüster am Hafen, vor so viel Publikum spielten wie noch nie. „Vor sieben Jahren haben Jonas und Wiebke angefangen, gemeinsam Musik zu machen, und sie werden immer besser“, freute sich Wiebkes Vater Günter Klingbeil. Auch Wiebke war begeistert: „So viele Gäste hatten wir beim ersten Konzert der Kulturnacht noch nicht.“ Mit aktuellen Popsongs und eigenen Liedern sorgten sie für Stimmung. Die kraftvolle Stimme von Wiebke schien den Laden fast zu sprengen. Daher wurden die Fenster geöffnet – und auf der Straße klatschten die Zuhörer begeistert Beifall.

Bei der Kulturnacht konnte man schnell von einer Stimmung in die nächste fallen: Fröhliche Konzerte, nachdenklich stimmende Ausstellungen, Lesungen von spannend bis ernst und Aktionen waren für einen langen und abwechslungsreichen Abend im Angebot. Der Bücherturm der Soroptimistinnen wurde in diesem Jahr fast als Festung aufgebaut und stellte zum Stadtjubiläum passend die Zahl 400. Interessiert bewunderten die Besucher die historischen Instrumente in der Stadtkirche oder lauschten der musikalischen Weltreise des Vokalensembles im Gemeindehaus. Sarkastisch und mit viel schwarzem Humor präsentierte die Leiterin der Stadtbücherei, Kristina Preiß, musikalische Mini-Krimis. Vom erschossenen Weihnachtsmann über den zur Seite geschafften Ehegatten war so ziemlich alles an kabarettistischen Mordgelüsten dabei, was die Literatur zu bieten hat. Das Publikum war hingerissen von der vielfältig begabten Bibliothekarin.

Musik von Bepob bis Jazz präsentierte das Rüdiger Fock Trio, gerade frisch gegründet und voller Elan. Und frischen selbst komponierten Fusionjazz gab es vom Bikini Jackson Ensemble. Auch nicht zu verachten waren die literarischen Angebote des Abends. Schon um 19 Uhr lasen die Kinder der AG Buch des Detlefsengymnasiums aus ihrem Buch „Wanted“. Das hatte schon kurz nach dem Erscheinen im Juli so große Nachfrage, dass mittlerweile nur noch ein kleiner Restbestand zu haben ist. Die Besucher der Kulturnacht konnten bei zwei Lesungen noch einmal einen Einblick in das Buch bekommen.

In ihrem Atelier Namenlos las Malerin und Autorin Heidrun Schaller freche Altweibertexte. Wer zwischen all den Veranstaltungen mal Ruhe und Muße tanken wollte, der war im Atelier im Regenbogenhaus genau richtig. Zwischen den Werken von Michael Kautzig las dieser mystische Texte mit viel Platz für eigene Gedanken. Begleitet wurde er dabei von Thomas Greinke, der mit Monocord, Trommeln und Klangschalen die Texte mystisch untermalte. Für Kinder gab es wieder die Kinderkulturnacht in der Familienbildungsstätte. Dort wurden T-Shirts bemalt, Wunsch-Zweige gestaltet und außerdem ein Ausflug zum Bücherturm gemacht. Zum Abschluss der Kulturnacht trafen sich Künstler und Publikum dann wieder zum Entspannen im Molenkieker.

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