So musikalisch ist die Marsch : Kultband für Motorradfahrer

Als Thorge Schöne (Mitte) eine Band für einen Motorrad-Gottesdienst empfehlen sollte, gründete er sie einfach selbst.
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Als Thorge Schöne (Mitte) eine Band für einen Motorrad-Gottesdienst empfehlen sollte, gründete er sie einfach selbst.

Gesucht wurde eine Band für einen Motorrad-Gottesdienst – die hat Thorge Schöne dann kurzerhand selbst gegründet.

shz.de von
16. Januar 2018, 05:03 Uhr

Jeden zweiten Dienstagabend wird es voll in dem Raum hinter einer Garage in Wilster. Denn wenn die Thorge-Schöne-Band vollzählig ist, sind es zehn Musiker, die auf der Bühne stehen und natürlich auch gemeinsam proben müssen. Zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass, Keyboard und sechsstimmiger Gesang – das eröffnet der Formation viele Möglichkeiten.

Entstanden ist die Band aus einer Verlegenheit vor ein paar Jahren. Da suchte Pastorin Telse Möller-Göttsche Musik für den jährlichen Motorradgottesdienst an Himmelfahrt und fragte Musiker Thorge Schöne, ob er denn nicht jemanden kenne. Zielgruppengerichtet sollte es ein wenig Rock für den jährlichen Motorradgottesdienst sein.

Da ihm so spontan niemand einfiel, er aber viele Musiker kannte, gründete er diese Band einfach selber. Er stellte sich eine eigene Formation zusammen, die nach mehreren Wechseln nun seit drei Jahren in der heutigen Besetzung zusammen ist.

Thorge Schöne (Lead-Gesang und Gitarre), Bernd Wieck und Oliver Beselin (Akustik- und Solo-Gitarre), Frank Hecklau (Bass Mundharmonika, Gesang), Phillip Sperber und Olaf Junge (Schlagzeug), Ulli Schlemminger und Steffi Leistner (Gesang) und Celina Missal (Gesang) covern Rockmusik, die sie selber gern hören, hauptsächlich Rock der 60er und 70er Jahre – von Bon Jovi über Queen, bis hin zu AC/DC. Und sie entwickeln ihren eigenen Stil daraus. „Wir kopieren aber nicht einfach, sondern interpretieren bestehende Stücke in unserem eigenen Stil neu“, sagt Sängerin Nina Schöne.

So machen sie Traditionals zu Rockversionen, schneidern aus dem plattdeutschen Lied „Äppel wult wi klaun“ eine Rocknummer zurecht und schneiden für den Eröffnungssong beim Motorradgottesdienst einige Gospelsongs zum „MoGo-Gospel“ („Motorradgottesdienst-Gospel“) zusammen. Als Vorbild dient ihnen auch ihre Lieblingsband „Bon Jovi“, von der sie schon einige Konzerte selbst besuchten.

Fortan spielte die Thorge-Schöne-Band jedes Jahr nicht nur auf dem Motorradgottesdienst in Wilster, sondern auch bei den größeren Pendants in Husum und Hamburg. Beeindruckt sind sie da selber von der Kulisse. „An Ostersonntag in Husum sind es bis zu 10 000 Leute, im Juni in Hamburg sogar 35 000 Besucher“, schildert Nina Schöne. „Da sind wir der Main Act und spielen zwei Stunden lang.“

Beim Jahrmarkt in Wilster im Juli sind sie mit einem Zwei-Stunden-Programm vertreten. Aufgetreten sind sie auch beim plattdeutschen Abend und zuletzt bei der „Lütt Wiehnacht“, dem Weihnachtsmarkt in Wilster. Das Repertoire reicht dafür locker aus, haben sie doch insgesamt etwa 50 Titel auf Lager.

Ihre Musik ist zielgruppenorientiert für Motorradfahrer gemacht, die überwiegend etwa 50 Jahre und älter sind. Da sich so viele in einer Band zusammengetan haben, können sie sich mit einer Stammbesetzung auch mal verkleinern und gegenseitig vertreten.

So arbeiten sie mit zwei Schlagzeugern, die je nach Bedarf einspringen, und können die Familie auf diese Weise besser unter einen Hut bekommen. Da einige im Schichtdienst arbeiten, können sie sich gegenseitig ersetzen. „So ist niemals ein Auftritt wie der andere“, hebt Nina Schöne die Vorteile hervor. Der besondere Reiz liegt für sie darin, „dass wir eine Mehrgenerationen-Band sind im Alter von Anfang 20 bis Mitte 60“, so die Sängerin. „Die Älteren profitieren von der Frische und den Ideen, die Jungen von der Erfahrung.“ So hat sich ein familiäres Flair entwickelt. „Wir sind sogar schon zusammen nach Dänemark in den Urlaub gefahren“, sagt Schöne. Alle zwei Wochen proben sie einen ganzen Abend in Wilster in der Garage, irgendwann wollen sie auch eine CD machen „Die ist in Planung“, sagt Thorge Schöne.

Als nächstes ist die Rockformation wieder an Ostersonntag in Husum beim Motorrad-Gottesdienst zu hören. „Bei uns kommt viel Ungewöhnliches zusammen und bildet eine funktionierende Band“, freut sich Nina Schöne.


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