Kuh-Krankheit: Tierärzte und Landwirte ratlos

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04. März 2011, 12:33 Uhr

Buchholz | Inzwischen kann Hans-Hinrich Schmidt wieder lächeln. Vor einem Jahr war dem Landwirt aus Buchholz allerdings gar nicht zum Lachen. Seine Kühe waren krank, einige starben. Die Milchleistung sank um fast 1000 Liter, mehr als zehn Prozent. "Aber das Schlimmste war die Ungewissheit", erinnert sich Schmidt. "Das geht an die Substanz." Und bis heute ist die Kuhkrankheit kaum greifbar, über die Auslöser gibt es unterschiedliche Vermutungen. Ein zu hoher Sandanteil im Futter, die Verunreinigung durch Tierkadaver, die beim Mähen hineingeraten, spät aufgebrachte Gülle, extensive Weidewirtschaft - die Spekulationen sind vielfältig, ein gängiges Muster für betroffene Betriebe ist nicht erkennbar.

"Fest steht, dass bei erkrankten Tieren immer Clostridien nachgewiesen wurden", sagt Dr. Olaf Engelage, der als Hoftierarzt den Bestand von Schmidt betreut. "Aber ob die dahinter stecken, können wir nicht mit Gewissheit sagen." Unter den Landwirten grassiert bereits der Begriff Botulismus - eine Fleischvergiftung ausgelöst durch das Bakterium Clostridium botulinum. Engelage spricht korrekterweise von der "Faktorenkrankheit", denn der Zusammenhang mit Clostridien ist unklar. Der Tierarzt vermutet, dass rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Süderdithmarschen mehr oder weniger stark betroffen sind.

Symptome sind stumpfes Fell und eine deutliche Schwächung, aber dann hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Einige Tiere haben Eutererkrankungen oder offene Wunden, andere Entzündungen an den Sprunggelenken. "Betroffen ist eigentlich immer die ganze Herde, aber jede Kuh reagiert anders", sagt Engelage, der schätzt, dass die Todesfälle in einer Herde etwa bei zehn Prozent liegen.

Die Landwirtschaftskammer sieht in den Erkrankungen kein neues Problem. "Diese Krankheit, die immer mal wieder auftaucht, gibt es seit über 50 Jahren", so Dr. Werner Lüpping, Abteilungsleiter Tierhaltung und Tierzucht bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Der Fachmann bestätigt allerdings, dass die Ursachen ungeklärt seien. Nach wie vor gebe es einen wissenschaftlichen Streit darüber, was für eine Krankheit es ist.

Ähnlich sieht es auch Dr. Klaus Hartwig, Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Dithmarschen. "Clostridien sind mit Sicherheit ein Problem, aber kein neues." Zurzeit werde Ursachenforschung betrieben, bisher ohne konkrete Erkenntnisse. Aber der Kreisveterinär ist sicher: "Von den Tieren geht keine Gefahr für den Menschen aus. Die Milch ist nicht belastet."

Da Vergiftungen durch Botulismus als Ursache aus Afrika bekannt sind, wo unter anderem durch die Hitze große Probleme bei der Tierkadaverbeseitigung bestehen, gibt es dort einen Impfstoff. "Wer mit diesem südafrikanischen Impfstoff arbeiten möchte, erhält eine Ausnahmegenehmigung", sagt Hartwig. Allerdings gibt es auch Erfolge mit dem üblichen, zugelassenen 10-fach-Impfstoff. Aber auch strenge Weidehygiene, sorgfältige Futterauswahl und regelmäßige Klauenpflege sollten mit dem Impfprogramm einhergehen, sagt Engelage, "dann kann die Behandlung durchaus zum Erfolg führen".

So wie bei Hans Hinrich Schmidt. Der Landwirt aus Buchholz blickt inzwischen wieder optimistisch in die Zukunft. Seine Herde ist gesund seit Olaf Engelage die Tiere regelmäßig durchimpft. Alle drei bis vier Monate muss der Tierarzt vorbeischauen. "In Absprache mit dem Kreisveterinäramt und unserem Hoftierarzt haben wir die Situation gemeistert", sagt Schmidt froh und lächelt dabei.

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