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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 13:50 Uhr

A20 : Küstenautobahn statt Nadelöhr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie soll das Land vor dem Verkehrsinfarkt retten – doch der Bau der A20 ist umstritten. Staatssekretär Enak Ferlemann hingegen sieht die Zukunft der Küstenautobahn so gut wie gesichert. Er rechnet schon 2017 mit Baubeginn des Tunnels.

Schleswig-Holstein steht kurz vor dem Verkehrsinfarkt. Jedenfalls wenn es nach Meinung der Volksinitiative „A20 – Sofort“ geht. „Diese Verkehrsferne ist das Todesurteil für unsere Wirtschaft“, so Vorsitzender Rainer Bruns. Doch damit soll bald Schluss sein. „Wir sind es leid, dass immer nur dagegen geredet wird. Wir wollen lieber etwas dafür tun.“ Mehr als 6000 Unterschriften von schleswig-holsteinischen Bürgern hat der Trägerverein deshalb schon gesammelt – in nur vier Monaten.

In einer Info-Veranstaltung der Initiative am Itzehoer Fraunhofer-Institut ließ Staatssekretär Enak Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium die Besucher einmal hinter die Kulissen schauen. Der Ausbau der A20 samt Elbquerung als „wichtigstes Verkehrsprojekt Norddeutschlands“ sei dringend nötig, um die Region vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren.


Küstenautobahn sichert Seehandel


 

Der Grund: Ständig wachsender Verkehr bei immer schlechterer Infrastruktur. Bis zum Jahr 2025 werde der Güterverkehr laut Ferlemann um rund 70 Prozent zunehmen, beim Seeverkehr sehe es nicht anders aus. „Die Waren müssen aus dem Binnenland an die Küste gebracht werden und umgekehrt. Dafür brauchen wir Autobahnen.“ Um die Seehafenhinterlandanbindung zu garantieren, wäre die A20 eine ideale Lösung. „Wie an einer Perlenschnur liegen die gesamten deutschen Seehäfen an dieser Küstenautobahn.“ Verbessern würde sich dadurch nicht nur der Warenaustausch im eigenen Land, sondern auch die wirtschaftliche Anbindung an Skandinavien.


Ausweichmanöver für das Nadelöhr


 

Größter Knackpunkt sei das Nadelöhr Hamburg, durch das momentan der gesamte Verkehr fließe. Durch den anstehenden Ausbau der A7 entstünden künftig noch größere Engpässe. „Wenn die Drehscheibe Hamburg im Norden nicht mehr funktioniert, haben wir hier ein Riesenproblem.“ Die A20 könne hier als Ausweichautobahn fungieren und den Verkehrsfluss im Norden sicherstellen. Da die erste Baustelle am Dreieck Nordwest schon im kommenden März anstehe, sei die Lage dringlich. „Wir müssen jetzt möglichst schnell zu Rande kommen“, mahnte Ferlemann.

Als großen Schwachpunkt des A20-Projektes sah er die fehlende Einigkeit unter den beteiligten Bundesländern. Während sich 2008 im Zuge der Ahrensburger Liste Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf den Bau der A20 geeinigt hatten, wolle jetzt jedes Land seine eigenen Vorteile durchsetzen. Ferlemann: „Jeder spuckt dem anderen in den Kaffee. Es fehlen Prioritäten. Das ist für den Bund ein großes Problem“.


Positive Signale setzen


 

Trotzdem zeigte sich der Staatssekretär in puncto Bauvorhaben zuversichtlich. „Wenn alles optimal läuft, fangen wir 2017 mit dem Bau des Tunnels an.“ Um in Zukunft mehr positive Signale zu setzen, hoffe er auf den Spatenstich für den Bauabschnitt Bad Segeberg im kommenden Herbst. Einen Fortschritt hatte der Staatssekretär schon im Gepäck: Eine Grünbrücke, deren Bau im Zuge der A7-Sanierung jetzt beschlossen wurde, könne gleichzeitig als ökologische Ausgleichsmaßnahme der A20 dienen.

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erstellt am 29.Aug.2013 | 18:15 Uhr

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