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Glückstädter Kulturnacht : Künstlerische Hochburg

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Breit gefächertes Spektrum einen Abend lang geballt präsentiert: Von lockerer musikalischer Unterhaltung bis zu engagierter Kunst.

Musik, Lesung, Kunst – das machte die Glückstädter Kulturnacht am Sonnabend aus. „Die Kulturnacht bietet die einmalige Gelegenheit, an nur einem Abend eine große Bandbreite der Glückstädter Kulturszene zu erleben“, hieß es im Vorfeld vom Glückstadt Destination Management, das den Veranstaltungsreigen mit den Beteiligten auf die Beine gestellt hatte.

Ein wahres musikalisches Feuerwerk erlebten die Besucher in der Glückstädter Stadtkirche. Die junge Gruppe „Ethnogarden“ war einer der Höhepunkte der diesjährigen Kulturnacht. Vier junge Musikstudenten aus Krakau, die sich der traditionellen Klezmermusik verschrieben haben, spielten zu drei kurzen Konzerten in der Kirche auf und rissen das Publikum ein ums andere Mal zu Begeisterungsstürmen hin. Klezmer, die traditionelle jüdische Hochzeitsmusik, war wohl vielen Glückstädtern bis dahin kaum ein Begriff. Jetzt dürften viele davon hingerissen sein. Das bezeugten auch reichliche CD-Käufe im Anschluss an die Auftritte von Ethnogarden.

Die Gruppe formiert sich aus Urzula Miekina an der Geige, Maciej Kwarcinski (Flöte), Mateusz Dudek (Akkordeon) und Meteusz Kluza (Kontrabass). Allen vieren gemeinsam ist die Liebe zu ihrer Heimat und zur Klezmermusik, die sie vor rund zweieinhalb Jahren zusammenführte. Ethnogarden spielen ohne Notenvorlagen, so gibt es während ihrer Auftritte immer wieder die Möglichkeiten zu Improvisationen der einzelnen Akteure. In Glückstadt legte beispielsweise Maciej Kwarcinski immer wieder Soli auf seiner Querflöte hin, die das Publikum zu spontanem Zwischenapplaus hinrissen. Auch der erst 21-jährige Mateusz Dudek begeisterte. Diese Zwischenspiele, wie die Arrangements der Band vereinen traditionelle Elemente der Klezmermusik mit verschiedenen volkstümlichen Stilen – etwa aus dem Orient oder dem osteuropäischen Raum.

Und auch Jazz klingt bisweilen in den Stücken durch. So fanden die vier Musiker den Namen Ethnogarden für ihre Musik sehr passend. Ethno für die Tradition, die alte und volkstümliche Musik, Garden für das Gemisch aus verschiedenen Stilen, das ihnen letztlich eine besondere Note gibt.

Die Musiker vereinigen Ethnogarden in gemeinsamem Spiel zu einem großartigen Erlebnis. Die Stadtkirche wurde zum Festsaal, die Musiker feierten mit ihrem Publikum.

Als Ethnogarden ihre Karriere begannen, spielten sie als kleine Begleitband in einem Restaurant. Heute treten sie in ganz Polen und inzwischen auch im übrigen Europa auf. Vor rund einem Jahr spielten die vier jungen Leute ihre erste CD ein. Vor drei Monaten entdeckte sogar der neu gewählte polnische Präsident Andrzej Duda die junge Band und engagierte sie für eine private Feier – einer der Höhepunkte ihrer Karriere.

Doch auch in Glückstadt fühlten sich die Musiker sehr wohl und vor allem das begeisterte Publikum war für das Quartett eine große Freude. Jeder der Musiker hat nach dem Studium zwar auch eigene Pläne, doch Ethnogarden wollen die Vier unbedingt weiterverfolgen. Sie freuen sich schon, immer wieder neue Stücke zu arrangieren.

Daneben gab es noch viele weitere interessante Veranstaltungen. So spielten gleich gegenüber der Kirche im Gemeindehaus Hanssen und Petersen. Die beiden jungen Glückstädter Musiker hatten im Duett schon im vergangenen Jahr zur Kulturnacht viele Anhänger gefunden. Jetzt hatten sie ein Jahr Zeit, neue Songs zu schreiben und ihr Programm für diese Nacht auszuarbeiten. Herausgekommen sind vor allem deutschsprachige Songs mit viel Rhythmus und Pepp. Die Instrumente wechselten die beiden an nur einem Abend so häufig, dass die Zuschauer immer wieder überrascht wurden.

Im Palais für aktuelle Kunst gab es neben der aktuellen Ausstellung „Together Forever“ die passende musikalische Untermalung. Hier schilderte Peter Köttlitz die musikalischen Anfänge von Bob Dylan in den 60er Jahren in New York. Dazu gab es passende Songs des Musikers. Der Andrang war so groß, dass der Gastgeber und Vorsitzende des Vereins „PaK“, Vinent Schubarth, immer wieder neue Stühle hinzuholte. Schließlich war das gesamte Foyer noch mit Zuschauern gefüllt.

Das Artequarium, die kleine aber feine Galerie der Glückstädter Künstlerin Margarete Olschowka, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Geheimtipp der Kulturnacht entwickelt. Hier gibt es immer etwas Besonderes zu hören und zu sehen. So auch in diesem Jahr. Der Abend war mit „Wenn Bäume sich aufbäumen…“ übertitelt und bot neben einer Fotoausstellung auch Lyrik und Prosa sowie Musik. In der Fotoausstellung zeigten Olaf Plotz, Monika Hempel, Dietmar Wagener und Margarete Olschowka Bäume in verschiedenen Positionen und Ausprägungen. Dazu las Olaf Plotz aus seinem Buch „Wo Kobolde wachsen – Alte Bäume als Zeichen“.

Monika Hempel hatte ganz andere Bäume ins Visier genommen. Aus ihrer Zeit in Afrika hatte sie eine Baumgeschichte und Fotos aus der Serengeti zu der Veranstaltung beigesteuert. Die Musik kam ebenfalls von Olaf Plotz, der mit seinen Percussion-Instrumenten immer wieder neue Stimmungen in der gemütlichen Atmosphäre des „Artequarium“ schaffte.

Für Kinder gab es in diesem Jahr erstmals eine eigene „Kinder-Kulturnacht“ in der Familienbildungsstätte. Viele Eltern freuten sich, ihre Kinder in guter Obhut zu wissen, während sie von Veranstaltung zu Veranstaltung tingelten. Die Mitarbeiter der Familienbildungsstätte bereiteten währenddessen mit den Kindern Pizza zu, bastelten Windlichter, lasen vor oder machten einen Stadtrundgang, um zu sehen, was während der Kulturnacht für die Großen los war. Entspannung gab es zum Abschluss bei einer kurzen Yogaeinheit für Kinder.

Zusammen mit den vielen anderen Veranstaltungen, den Lesungen, Ausstellungen und Vorträgen bot die Kulturnacht auch in diesem Jahr wieder ein buntes Programm für alle, die es schafften, an nur einem Abend die Fülle der interessanten Programmpunkte zu genießen.

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