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Flüchtlinge : Kümmerer in der Landesunterkunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Reimer Tiedemann ist der Mann vor Ort – er koordiniert die Abläufe in der ehemaligen Marine-Kaserne.

Er führt im Moment viele Gespräche wie dieses: Gemeinsam mit Glückstadts Bürgermeister Gerhard Blasberg und Polizeidirektor Kai Szimmuck spaziert Reimer Tiedemann über das Gelände der ehemaligen Marinekaserne und bespricht, wie es zukünftig laufen soll, wenn hier bis zu 2000 Menschen unterkommen sollen. Es geht um praktische Fragen und den Austausch von Erfahrungen: Wie benennt man einzelne Blöcke so, dass sich jeder zurechtfindet? Wo wird die Schule eingerichtet und wo die Kindertagesstätte? Wo können Busse mit Neuankommenden am besten parken, damit niemand im Regen auf die Registrierung warten muss?

Probleme erkennen und mit allen Beteiligten frühzeitig lösen – das versucht Tiedemann zu tun. Ruhig, gelassen und auf sachliche Art. Er ist der „Koordinator“ des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in der Glückstädter Kaserne. Wobei er die Bezeichnung selbst nicht so gerne hört. „Das klingt mir ein bisschen zu wichtig. ‚Kooperierer‘ wäre vielleicht passender“, sagt der 63-Jährige und lacht. „Im Ernst: Ich habe vor allem eine kommunikative Funktion. So verstehe ich meine Position hier.“ Die Einrichtung werde zwar vom Landesamt betrieben, aber die Polizei und das Rote Kreuz seien im Alltagsgeschäft für die Sicherheit und die Betreuung der Bewohner zuständig. „Und ich bin der Mann vor Ort für die Landesbehörde und vor allem Ansprechpartner bei Problemen.“ Und deshalb sucht Tiedemann in diesen Tagen den Kontakt zu allen Beteiligten rund um das „Großprojekt Landesunterkunft“.

Der „kurze Draht“ zur Polizei fällt ihm leicht, denn bis zu seinem Ruhestand vor drei Jahren war der Kremperheider selbst Polizist – zuletzt zuständig für den Bereich Umwelt in Itzehoe. „Ich war aber früher auch mal in Glückstadt im Dienst und kenne die Kollegen und die Gegebenheiten vor Ort.“ Seine Tochter ist ebenfalls Polizistin in Itzehoe. Bei anderen Akteuren stellt Tiedemann sich vor und sucht das Gespräch – zum Beispiel bei der Presse. „Ich stehe aber auch dem einfachen Bürger als Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zur Verfügung.“ Ein Büro im Verwaltungstrakt im Torhaus der Kaserne hat Tiedemann bisher noch nicht. „Sobald ich dort erreichbar bin, werde ich meine Kontaktdaten aber öffentlich bekannt machen.“

Noch hat er Zeit zur Vorbereitung, bevor es richtig los geht in Glückstadt, und kann diese nutzen, um von den Erfahrungen in anderen Einrichtungen zu lernen. „Ich bin bereits mehrfach im Camp Prinovis in Itzehoe und beim Roten Kreuz in der Liliencron-Kaserne in Kellinghusen gewesen“, sagt Tiedemann. Es sei ein Vorteil, dass der Vorlauf in Glückstadt länger sei als in den Einrichtungen dort. Aktuell rechnet Tiedemann damit, dass die ersten Flüchtlinge Ende November oder Anfang Dezember in „seiner“ Landesunterkunft ankommen werden. Noch sind einige offene Fragen, zum Beispiel zur Organisation des Caterings, zu klären.

Zunächst bis Februar 2016 laufe sein Vertrag mit dem Land, erklärt Tiedemann. „Dann sehen wir weiter, ob meine Dienste noch gebraucht werden oder ob ich in den Ruhestand zurückkehre.“ Er sei glücklicherweise nicht auf den Posten beim Land angewiesen. „Ich bin sicher nicht wegen des Geldes dabei, sondern weil ich in der aktuellen Situation etwas tun will.“ Es sieht so aus, als wenn er dazu in den kommenden Monaten viel Gelegenheit bekommen wird.

 

 

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erstellt am 15.Nov.2015 | 08:43 Uhr

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