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Barrieren abbauen : Kümmerer für alltägliche Dinge

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Neue Aufgabe für Jens Grimm. Amt Wilstermarsch richtet Beratungsstelle für Integrationsangelegenheiten ein.

Sie steht in den Startlöchern: die neue Beratungsstelle für Integrationsangelegenheiten im Amt Wilstermarsch. Jens Grimm, Leiter des Wilsteraner Jugendzentrums und bislang einer von zwei Streetworkern im Amtsbereich, wird dort ab 20. November jeden Donnerstag (Zimmer 27 der Amtsverwaltung) Asylbewerbern und Migranten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Er wird als Kümmerer für Alltagsangelegenheiten fungieren“, kündigt Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck im Pressegespräch an. Grund ist die zunehmende Zahl an Asylbewerbern auch in Wilster und der Wilstermarsch. Ebenso können sich aber auch Migranten an Jens Grimm wenden, um alltäglich Dinge mit ihm zu besprechen.

Vor sechs Jahren hatte Jens Grimm im Amt als Streetworker im Bereich offene Jugendarbeit begonnen – in einer viertel Stelle zur Unterstützung des hauptamtlichen Streetworkers, der schon ausgeschieden ist. „Damals gab es einen großen Bedarf“, so Thorsten Franck, mittlerweile „laufen die Jugendveranstaltungen hier friedlich ab“. Weder Polizei noch Amt oder Streetworker sähen derzeit noch die Notwendigkeit. Dagegen zeichnet sich an anderer Stelle eine neue Herausforderung ab. Die Zahl der Asylbewerber nimmt zu, viele von ihnen sind der deutschen Sprache noch nicht mächtig – und das erschwert die Arbeit insbesondere im Sozialamt. Der „Kümmerer für alltägliche Dinge“ wird das Personal im Sozialamt dahingehend entlasten, dass er Asylbewerber quasi an die Hand nimmt, ihnen beispielsweise vermittelt, wo es günstige Haushaltswaren gibt, wo der Zahnarzt ist oder wo sie Sport treiben können. Kurz, der ausgebildete Sozialpädagoge sorgt mit regelmäßiger Sprechstunde dafür, dass sich die Menschen vor Ort schneller und besser zurecht finden. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Migranten.

„Es ist für alle Beteiligten ein Versuchsballon“, unterstreicht Thorsten Franck. „Wir starten einfach mal mit dem Beratungsangebot für die neuen Mitbürger donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr.“ Thorsten Franck und Jens Grimm hoffen, dass Bekannte und Nachbarn über das Angebot lesen und die Information weitergeben werden. All jene, die neu hinzu kommen, werden von den Amts-Mitarbeitern darauf hingewiesen. Das Procedere läuft stets in gleicher Weise ab. Die Asylbewerber werden von Neumünster aus dem Kreis zugewiesen, der wiederum die Neuzugänge auf die Ämter verteilt. In Wilster und der Wilstermarsch gelangen die Asylbewerber zunächst ins Sozialamt, dann ins Einwohnermeldeamt und zur Amtskasse, künftig danach auch zu Jens Grimm in die Beratungsstelle für Integrationsangelegenheiten.

In den vergangenen beiden Jahren seien je 15 bis 16 Personen angekommen, dieses Jahr wurden allein schon 32 Menschen zugewiesen. Insgesamt befänden sich 46 Asyl suchende Personen im Bereich Amt und Stadt. Das Amt hatte bereits vor Jahren in Wewelsfleth ein Gebäude für Aus- und Übersiedler angeschafft, in dem Wohnungen für die erste Aufnahme eingerichtet sind. „Viele ziehen dann nach Wilster um“, wodurch in Wewelsfleth wieder Wohnungen frei werden. Da es sowohl in Wilster als auch in St. Margarethen und Wewelsfleth Mehrfamiliengebäude gebe, böten sich im Amtsbereich auch genügend Unterbringungsmöglichkeiten. Franck: „Wir sind gut davor, was Wohnraum angeht.“ Die Aufnahmeeinrichtung in Wewelsfleth habe sich längst bewährt. Abgeschlossene, individuelle Wohneinheiten, die Einzelpersonen ebenso wie Familien gewisse Privatsphäre ermöglichen. Auch der Kontakt zu den Einwohnern sei gut. „Die Bevölkerung ist überhaupt sehr hilfsbereit“, betont Amtsvorsteher Helmut Sievers. „In Wewelsfleth gibt es ganz viele, die sich kümmern.“ Er hofft ebenso wie Thorsten Franck, dass sich verstärkt im gesamten Amtsbereich Einwohner melden, die sich ehrenamtlich der Betreuung von Asylbewerbern widmen möchten. Wer Interesse hat, kann sich im Sozialamt bei Susanne Rathjens, 04823/948229, oder bei Jens Grimm melden. Vom Amt aus werde dann der Kontakt hergestellt. Aktuell sind Syrer, Eritreer und Afghanen unter den Asylbewerbern, aber auch Inder, Armenier, Iraner und Aserbaidschaner. Die Sprache ist die höchste Hürde, nur einige sprechen Englisch. Die Kommunikation erfolgt oft durch Zeichensprache oder per Übersetzung via Internet. Damit sieht Jens Grimm wenig Probleme, „es gibt auch ein Wörterbuch ohne Wörter“ – eben mit Bildern. Ordnungsamtsleiter Thorsten Franck zeigt sich froh darüber, „dass ich in der neuen Funktion auf einen langjährigen bewährten und engagierten Mitarbeiter zu zurück greifen kann“. Ein wichtiges Aufgabengebiet, denn die Zahl der Asylbewerber werde weiter zunehmen.




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erstellt am 15.Nov.2014 | 16:30 Uhr

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