Kronprinzenkoog ist sonnenstark

Diese drei machen sich  stark für erneuerbare Energien: Thomas Masekowitz (von links), Kathrin Marscheider und Ingo Börner. Foto: Emde
Diese drei machen sich stark für erneuerbare Energien: Thomas Masekowitz (von links), Kathrin Marscheider und Ingo Börner. Foto: Emde

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03. Januar 2011, 07:02 Uhr

Kronprinzenkoog | Was haben erneuerbare Energien und Fußball gemeinsam? Nichts? Irrtum! In beiden Disziplinen werden Sieger ermittelt, es dreht sich alles um eine runde Sache und macht bei Sonne mehr Spaß. Die dürfte bei der Solarmeisterschaft in Kronprinzenkoog vom 24. bis 26. Juni auch scheinen. Die Vorbereitungen dafür laufen in der Gemeinde derzeit auf Hochtouren.

Doch dass die Solarmeisterschaften überhaupt dort ausgerichtet werden, ist dem Engagement des Bürgermeisters Thomas Masekowitz zu verdanken. "Wir haben uns ellenlang damit beschäftigt, wie wir die Solarmeisterschaften hierher nach Dithmarschen bekommen können. Wir müssen etwas bieten, was es vorher noch nicht gab, damit Kronprinzenkoog den Zuschlag für die Ausrichtung bekommt", erzählt er seine ersten Gedanken. Gemeinsam mit Ingo Börner, dem Geschäftsführer von Cleanmotive, feilte er an den Ideen. Schließlich musste Andreas Witt überzeugt werden, der gemeinsam mit Guido Bröer der Fachzeitschrift Solarthemen herausgibt und die Meisterschaften ausrichtet.

"Wir wollen die Solarmeisterschaft als feste Institution einrichten, also brauchen wir eine Regentin", sagt Masekowitz. Ähnlich wie die Kohltage, so sein Ziel, soll auch die Solarmeisterschaft ein fester Programmpunkt im Jahr für Dithmarschen und das Land Schleswig-Holstein sein. Wichtig war dabei, dass diese Regentin nicht per Casting gekürt wird, sondern über Fachkenntnisse verfügt, aus der Region kommt und selbst etwas mit erneuerbaren Energien verbindet: Fündig wurden sie bei Kathrin Marscheider. Die 26-jährige Friedrichskögerin ist fasziniert von der Stromerzeugung aus der Sonne und freut sich auf ihre Amtspflichten.

Doch mit der bloßen Wahl einer Regentin als Aushängeschild ist es nicht getan. Das Programm muss überzeugen und informativ sein. Immerhin nehmen an den Solarmeisterschaften 1610 Kommunen deutschlandweit teil, und Kronprinzenkoog mischt neben zwei anderen Gemeinden aus Schleswig-Holstein ganz vorn mit. Der Sieger der Solarmeisterschaft wird mittels Photovoltaikfläche gemessen an der Einwohnerzahl der Gemeinde errechnet. "Kronprinzenkoog hat mit sechs Hektar Photovoltaik-Fläche und 864 Einwohnern den dritten Platz von 1610 Kommunen bundesweit erreicht", berichtet Thomas Masekowitz stolz. Und die Fläche, auf der durch Sonne Energie, sprichwörtlich weißer Strom, gewonnen wird, soll sich für die Gemeinde an der Westküste noch vergrößern. Wie? Durch ein Solarcarport - eine mit Solarzellen überdachte Fläche, unter der parkende Autos, Roller oder Fahrräder aufgeladen werden können. "Die Carports sind ein Massenthema. So kann zum Beispiel auch ein ZOB überdacht werden mit Photovoltaik zur Einspeisung und zum Laden von E-Fahrzeugen", sagt Ingo Börner. Derzeit ist Börner als Geschäftsführer von Cleanmobil im Gespräch mit mehreren Gemeinden und Orten in der Bundesrepublik. So weiß er von einem Pilotprojekt von List auf Sylt, dass die E-Bikes gut angenommen werden und die meisten Besucher positiv begeistert und für das Thema interessiert werden. "Aber wir kommen mit unserer Unternehmensgruppe aus Dithmarschen und wollen auch hier Gutes tun. Der Markt ist reif dafür", betont Börner.

Thomas Masekowitz: "Schritt eins ist, die Energie zu erzeugen mittels Wind, Sonne oder Biogasanlagen - das machen wir. Schritt zwei ist, die Energie selbst zu vermarkten, und dabei sind wir gerade. Wir wollen unsere Energie hauptsächlich Touristen zur Verfügung stellen." Dabei spielt der Aspekt der Verbreitung eine Rolle. So könne das Thema ins Bewusstsein der Menschen gelangen, denn wer die neue Technik ausprobiere, diene gleichzeitig als Multiplikator, so die Vorstellung.

So ist das Konzept des "E-Tages" auch außerhalb der Solarmeisterschaften erklärtes Ziel und denkbar. "Touristen könnten beispielsweise hier mit einem

E-Bike starten, nach Friedrichskoog, Marne oder St. Michaelisdonn fahren, und während sie dort etwas besichtigen, lädt das E-Bike an einer der Stationen für die Weiterfahrt", erklärt Masekowitz die touristische Vision, die nicht nur einzelne Gemeinden miteinander vernetzen, sondern auch generell zur Beliebtheit des Kreises als touristischer Naherholungsort beitragen könnte.

Baubeginn für das Solarcarport soll mit einsetzendem Tauwetter sein, denn schließlich spielt das Solarcarport auch beim geplanten Programm der Solarmeisterschaft eine große Rolle. "Die Biogasanlagen, Solarflächen und unsere Windenergie-Anlagen sollen besichtigt werden. Die Strecken zwischen den Anlagen sollen mit E-Fahrzeugen gemeistert werden, die bis dahin von unserem Solarcarport mit Ladesäulen verfügbar sind", sagt Masekowitz. Ingo Börner ergänzt: "Das soll verdeutlichen, dass jeder zuhause auch mit seinem Carport Strom produzieren und selbst nutzen kann."

Das ganze Konzept erfolge unter Einbeziehung von Gemeinde und Kommunen - ohne die gehe es nicht. Das zeigt auch das Beispiel des Solarcarports in Kronprinzenkoog. Auf kirchlichem Gelände umringt von Schule, Kindergarten, Friedhof und dem evangelischen Gemeindehaus soll ein neuer Dorfmittelpunkt entstehen. "Glücklicherweise stehen die Bewohner von Kronprinzenkoog hinter dem, was wir hier tun, sonst würde das nicht funktionieren. Jetzt müssen wir innovativ tätig werden und nicht nur erzeugen, sondern auch sauber vermarkten", sagt der Bürgermeister.

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