Zirkus : Krone peilt 20 000-Besucher-Marke an

Tierische Flugkünste: Bunte Papageien zeigen unter der Regie von Alessio Fochesato ihre Flug-, Kletter- und Flatterkünste.
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Tierische Flugkünste: Bunte Papageien zeigen unter der Regie von Alessio Fochesato ihre Flug-, Kletter- und Flatterkünste.

Trotz Protesten von Tierschützern ist der Tournee-Auftakt des Zirkus Krone in Schleswig-Holstein auf den Malzmüllerwiesen erfolgreich

shz.de von
20. Juli 2015, 05:00 Uhr

„Die Stadt und die Besucher haben uns nicht vergessen.“ Dieses Fazit zog Krone-Sprecherin Susanne Matzenau gestern nach den ersten Tagen in Itzehoe. „Wir sind zuversichtlich, am Sonntagabend noch die 20  000er-Marke zu knacken.“ Die Zirkusfreunde ließen sich auch durch die Tierschutz-Aktivisten nicht davon abhalten, die Jubiläumsvorstellung „Evolution“ zum 110-jährigen Bestehen des Zirkus Krone zu besuchen. Viele würden sogar gereizt auf die Aktivisten reagieren, so Matzenaus Erfahrung. „Die Besucher wollen sich kein schlechtes Gewissen machen lassen, weil sie in den Zirkus gehen“, erklärt sie . Kritik an den Zuständen in Ställen und Käfigen sei auch nicht angebracht: Eine Pferde-Therapeutin habe die Pferde in Augenschein genommen und sprach ein Lob aus für die gute Haltung.

Das sahen Tierschützer anders. Auf dem Wochenmarktplatz standen Sonnabendnachmittag rund 60 Tierschützer, die mit einer Mahnwache auf das Leid der Zirkustiere und auf einen sorgsamen Umgang mit Wildtieren aufmerksam machen wollten. „Artgerecht ist nur die Freiheit“, „Tiere raus aus dem Zirkus“, „Zirkus fällt aus wegen Tierquälerei“ oder „Wildtiere sind nichts für den Zirkus“ war auf Plakaten zu lesen. „Wir wollen die Bürger wachrütteln“, sagte Katja Schöttler, die die Idee zu der Demonstration hatte. Sei ist davon überzeugt, dass eine artgerechte Haltung der Zirkus-Tiere nicht möglich sei. „Ich will den Zirkusleuten nicht absprechen, dass sie ihre Tiere lieben - doch mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass die Tiere kein artgerechtes Leben führen.“ Überzeugt habe sie sich davon selbst im Krone-Zoo. „Die Elefanten standen einfach so da auf ihrem Paddock, und den Seelöwen steht nur ein kleines Planschbecken zur Verfügung“, zeigte sich Schöttler empört. Schließlich wisse man doch, dass Seelöwen gerne bis zu 40 Meter tief tauchen. „Und das können sie in dem Becken da drüben ganz sicher nicht“. Für sie sei Geschichte vom sorgenfreien Zirkusleben nur noch eine Mär. „Ein Zirkus muss Leitlinien einhalten – so ist unter anderem vorgeschrieben, dass für drei Elefanten 250 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen muss“, sagt Petra Wernke vom Tierschutzverein Itzehoe und Kreis Steinburg. Einige Tierschützer bestiegen als Wildtiere verkleidet einen Käfig, um auf die angebliche „artgerechte Haltung“ aufmerksam zu machen, andere verteilten Flyer von Tierschutzorganisationen oder machten mit Plakaten auf das Recht der Freiheit, der Lebensräume oder der Unversehrtheit der Tiere aufmerksam. Ziel der Demonstranten solle ein sofortiges Verbot von Tieren im Zirkus sein. Bereits 2010 forderte die Bundestierärztekammer ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus auf Reisen, weil eine „artgerechte Haltung in einem reisenden Betrieb nicht möglich“ sei. Die Demonstranten wollen wiederkommen, wenn wieder ein Zirkus kommt.

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