Pflanzaktion : Krokusse gegen das Insektensterben in Münsterdorf

Auch die Jüngsten halfen: (v.l.) Luca (3) aus Dägeling, Leah (3) und Till (4) aus Münsterdorrf.
Auch die Jüngsten halfen: (v.l.) Luca (3) aus Dägeling, Leah (3) und Till (4) aus Münsterdorrf.

Neben der Münsterdorfer Kirche haben freiwillige Helfer 6000 Zwiebeln in die Erde gebracht.

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04. Oktober 2018, 15:53 Uhr

Dem Insektensterben will die evangelische Kirchengemeinde entgegen wirken. Pastor Ralf Greßmann rief auf zum Krokuspflanzen. Kleine und große Helfer kamen mit Spaten und Grabeforken zur St.-Anschar-Kirche und setzten in knapp zwei Stunden 6000 Zwiebeln in die große Rasenfläche neben dem Gotteshaus. In jedes gegrabene Loch immer drei bis vier Krokusse, damit sie kleine blühende Sträuße ergeben.

Im Frühjahr war die Anregung zu einer blühenden Wiese aus der Gemeindeversammlung gekommen. Pastor Greßmann griff die Idee auf, las Maja Lundes dramatisches Buch über die Geschichte der Bienen und fasste den Entschluss, früh blühende Pflanzen zu wählen, die gezielt Hummeln und Bienen als erstes Nahrungsangebot nützen. Er setzte sich mit der Münsterdorfer Imkerin Marina Falk in Verbindung und folgte ihrem Rat, Krokusse zu pflanzen. „Es ist eine tolle verbindende Aktion“, sagte er nun angesichts der vielen Helfer. Sie wurden mit einem leckeren Grillpicknick belohnt und dem Bewusstsein, einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung geleistet zu haben.

Marina Falk beteiligte sich ebenfalls an der Aktion. Die Imkerin macht auf die schwierige Situation für die Insekten aufmerksam. Fehlende Wiesenblumen, radikal geschorene Knicks und große Flächen mit Monokulturen schränkten das Nahrungsangebot ein. „Im vorigen Jahr mussten wir die Bienen im Sommer zufüttern, damit sie nicht verhungern. Die Tiere hatten arge Not“, berichtet sie. „Wenn die Hummelkönigin, die als einzige den Winter überlebt, aus ihrem Bau kommt, muss sie fressen“, wies die Imkerin auf die überlebenswichtige Funktion von Frühblühern hin. Die Hummeln seien die ersten Bestäuberinsekten im Jahreslauf. „Der Krokus gibt viel Nektar.“ Besonders verbreitungsfreudig sei der Elfenkrokus, der bläulich blüht. Über verschiedene Krokusarten könne man sich im Handel oder Internet informieren. Zu den von Hummeln und Bienen begehrten Frühblühern gehörten auch Schneeglöckchen und Märzbecher. Wichtig sei, den Rasen erst dann zu mähen, wenn die Blätter der Frühblüher gelb sind, um die für die Zwiebelbildung wichtige Photosynthese nicht zu unterbrechen.

Pastor Ralf Greßmann und Marina Falk hoffen nun, dass das Münsterdorfer Beispiel Schule macht.

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