zur Navigation springen

Glückstadt : Kritik an Planung für 400-Jahr-Feier

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Tourismus-Chefin Sandra Kirbis hat sich in einem Brief an die Politik gewendet

Sandra Kirbis ist Glückstadts Tourismus-Chefin. Überrascht ist sie über die Planungen zur 400-Jahr-Feier der Stadt Glückstadt im kommenden Jahr. In einem Brief hat sie sich deshalb an die Politiker im Wirtschaftsausschuss gewandt. Aus ihrer Sicht gibt es einige Punkte zu überdenken. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt sie, worum es ihr geht.

Aus dem Brief klingt heraus, dass Sie mit einigen Punkten gar nicht zufrieden sind.

Grundsätzlich befürworte ich, dass Politik und Stadtverwaltung für das Jubiläumsjahr 150 000 Euro zur Verfügung stellen. Die Entscheidung zur Verwendung der Mittel kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Das Budget zur Vermarktung des Jubiläums und der Stadt ist deutlich zu gering. Und ohne die geplanten Veranstaltungen bewerten zu wollen, finden die Veranstaltungen, die es seit vielen Jahren in der Stadt gibt, meiner Meinung nach zu wenig Berücksichtigung. Das gilt auch für das 50. Jubiläum der Matjeswochen. Hier wurde die Hälfte des beantragten Zuschusses gestrichen, welches für uns unverständlich ist.

Warum ist das so?

Viele sehen die Matjeswochen nur als großes Volksfest. Es wird vergessen, dass es eine Geschichte dazu gibt. Seit jeher hatten der Hafen und Handel eine wichtige Bedeutung. Bereits 1670 fuhren von Glückstadt die ersten Schiffe zum Walfang aus. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Glückstädter Heringsfischerei gegründet, die erst 1976 eingestellt wurde. Beides waren ganz wichtige Perioden, die die Stadt prägten und die noch heute bestehende Matjestradition begründeten.

Warum ist das Fest so wichtig?

Der Glückstädter Matjes ist unser Alleinstellungsmerkmal. Durch die Matjeswochen hat diese Delikatesse und damit die Stadt bundesweit Bekanntheit erhalten. Anders als bei vielen anderen Volksfesten stehen an diesen vier Tagen der Hering, der Hafen und das maritime Ambiente im Vordergrund.

Was wollten Sie 2017 anders machen als bisher. Warum wollten Sie das Programm erweitern?

Zu den 50. Matjeswochen soll natürlich gefeiert werden. Dazu gehört die Erweiterung des Musikprogramms auf beiden Bühnen, des Kinderprogramms, und der Aktionen auf der Meile. Auf der anderen Seite sollten alte Traditionen wiederbelebt werden und die Eröffnung wie früher auf einem Kutter im Hafen stattfinden. Dies würde nach sich ziehen, dass die Bühne und Technik angepasst und auch der Sicherheitsdienst verstärkt werden müssten.

Bisher finanzieren Sie die Matjeswochen ausschließlich aus eigenen Mitteln. Warum brauchen Sie jetzt Mittel der Stadt?

Bislang finanzieren wir die Matjeswochen komplett über Sponsoren- und Standgelder sowohl von Gewerbetreibenden als auch Privatpersonen. Bei ständig steigenden Neben- und Personalkosten stoßen wir jetzt bereits an unsere Grenzen. Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Stadt eindeutig zu ihrer Traditionsveranstaltung bekennt und uns, insbesondere im Rahmen der 400-Jahr-Feier, entsprechend berücksichtigt.

Das Programm der 400-Jahr-Feier überzeugt nicht wirklich. Es fehlen die Höhepunkte – bis auf die Matjeswochen – um Menschen nach Glückstadt zu locken. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Die Glückstadt Destination Management GmbH hat die Verantwortung für die touristische Organisation und Vermarktung der Stadt. Aus unserer Funktion heraus ist es daher wichtig, dass Glückstadt durch die Feier in 2017 nach außen noch bekannter wird. Wir müssen solche Veranstaltungen nutzen, um Aufmerksamkeit auf Glückstadt zu lenken. Dafür müssen Prioritäten gesetzt und mit einzelnen schlagkräftigen Highlights geworben werden. Beispielsweise über die Internetseite und ein Programmheft sollte die Aufmerksamkeit dann auf die kleinen Veranstaltungsperlen und die Vielfalt des kulturellen Lebens gelenkt werden.

In dem Schreiben an die Politiker wird deutlich: Sie sagen, die ehrenamtlich Engagierten finden kaum oder gar keine Beachtung. Zum Beispiel: Der Kulturmärz kommt in der Planung gar nicht vor.

Der Kulturmärz ist die Veranstaltung, die seit etwa 30 Jahren an die Gründung der Stadt erinnert und seit jeher überhaupt nur dank des Engagements größtenteils Ehrenamtlicher Bestand hat. Soweit ich weiß, wurde der Kulturmärz bislang überhaupt noch nicht berücksichtigt. Auch der Jazz-Verein wird keine Zuschüsse bekommen. Gleiches gilt für die Organisatoren des Gaffeltreffens, die nur einen Zuschuss von 500 Euro bekommen sollen – eine sehr schöne Veranstaltung, die vieles verkörpert, wofür die Stadt steht und dazu ein tolles Bild bietet. Das ist Werbung für Glückstadt.

Für mich ist es unverständlich, dass Akteuren, die seit vielen Jahren in Glückstadt ehrenamtlich aktiv sind, so eine Abfuhr erteilt wird. Zumal gerade von diesen Akteuren zusätzliche Mittel weniger als Ersatz sondern vielmehr zur Erweiterung des Angebots genutzt würden, um ihrer Veranstaltung im Jubiläumsjahr etwas ganz Besonderes zu verleihen

Welchen Schluss ziehen Sie daraus und was würden Sie sich wünschen?

Bereits vorhandenes Engagement wird zu wenig berücksichtigt. Die bisherigen Planungen sind kaum nachhaltig. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt den genannten Akteuren, die sich bereits seit vielen Jahren für das Leben in Glückstadt einsetzen, dazu zählen auch weitere wie beispielsweise das Detlefsen-Museum oder der Förderverein für Musik, deutlich das Vertrauen aussprechen und den Rücken stärken.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 27.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen