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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 11:19 Uhr

Kernkraftwerk Brokdorf : Kritik an Atomaufsicht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Initative Brokdorf-akut moniert die späte Meldung über oxidoerte Brennstäbe im Meiler an der Elbe.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 17:00 Uhr

Für die Initiative Brokdorf-akut ist das überraschende Auftauchen stark oxidierter Brennstäbe ein Beleg für ein kollektives Versagen auf gleich drei Ebenen. Sprecher Karsten Hinrichsen nimmt dabei insbesondere die Atomaufsichtsbehörde des Landes unter Beschuss: „Die ist ihren Kontrollpflichten nicht nachgekommen.“


Termin für Anfahren am 3. März ist „sehr sportlich“


Sowohl Betreiber Preußen Elektra als auch Robert Habeck als zuständiger Landesminister hatten vorgestern mitgeteilt, dass bei dem derzeit wegen Revision abgeschalteten Kernkraftwerk Brokdorf Brennstäbe gefunden worden seien, die zum Teil weit über die zulässigen Grenzwerte hinaus oxidiert seien. Der Umweltminister forderte daraufhin genaue Ursachenforschung und die Sicherheit, dass sich das Problem nicht bei weiteren Brennstäben wiederholt. Ursprünglich sollte der Meiler übermorgen wieder ans Netz gehen. Preußen Elektra kündigt das Wiederanfahren nun für den 3. März an. Einen Termin, den Habeck bereits als „sehr sportlich“ bezeichnete.

Nach Einschätzung der Atomkraftgegner hätte das Problem schon wenige Tage nach dem Runterfahren des Kraftwerks am 4. Februar auffallen müssen. Eine Eilmeldung an die Atomaufsichtsbehörde war dann aber erst am 19. Februar erfolgt. Hinrichsen: „Dem Betreiber hätte eine auffällige Färbung des Kühlwassers auffallen müssen.“ Schon dann sei eine Eilmeldung an die Atomaufsicht eigentlich Pflicht gewesen.

Überhaupt müsse die Zusammensetzung des Kühlmittels regelmäßig auf Fremdstoffe hin untersucht werden. „Trotz dramatischer Zunahme der von den Hüllrohren stammenden Partikel hat Preußen Elektra den Reaktor nicht gestoppt.“ Nach Darstellung der Atomaufsicht allerdings wäre der Meiler heruntergefahren worden, wenn veränderte Werte im Kühlwasser aufgefallen wären.

Karsten Hinrichsen rügt dennoch vor allem, dass die Atomaufsicht mit keinem Wort auf eine verspätete Meldung aus Brokdorf eingegangen sei. „Wir können uns auf die Kontrollorgane nicht mehr verlassen“, befindet der Sprecher und meldet zudem Zweifel an der Arbeit der Gutachter an, die zu erwartende Oxidschichten „nicht korrekt ermittelt oder nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen haben“.

Von Umweltminister Habeck erwartet die Initiative nun eine lückenlose Aufklärung. Vorher dürfe das Kraftwerk auf keinen Fall wieder ans Netz gehen. „Wenn überhaupt“, fügt Hinrichsen hinzu. Brokdorf-akut fordert zudem, an der Ursachenklärung und -beseitigung als „Berater und Ideengeber beteiligt zu werden“. Vorsorglich behält sich die Initiative je nach Ausgang des weiteren Verfahrens auch schon mal „entsprechende Schritte“ vor. Was damit gemeint ist, erklärt Karsten Hinrichsen. Für den Fall, dass es in Brokdorf zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein sollte, erwartet er nämlich von Minister Habeck zumindest ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Sollte das unterbleiben, wären unter Umständen juristische Schritte die Folge.

Für den aus Nortorf kommenden Landtagsabgeordneten der Grünen, Bernd Voß, ist ohnehin klar: „Dieser Schaden macht erneut deutlich, wie riskant auch der restliche Betrieb des noch verbliebenen Atomkraftwerks in Brokdorf ist. Der Befund hat eine Relevanz für Kernschmelzen.“ Solange die Ursachen nicht restlos aufgeklärt und behoben seien, verbiete sich jeder weitere Betrieb.

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