Kreisverwaltung und Rathaus unter einem Dach

Sanierungsbedürftig: das Kreishaus in Heide.
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Sanierungsbedürftig: das Kreishaus in Heide.

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04. Juni 2014, 11:04 Uhr

Während in Itzehoe ein Bürgerentscheid über einen Kreishaus-Neubau stattfindet, geht man in Dithmarschen in Sachen Kreishaus jetzt ganz andere Wege. Hier wollen Kreis- und Stadtverwaltung zusammen ziehen. Der Kreis Dithmarschen und die Stadt Heide wollen damit organisatorisch und räumlich zusammen rücken. In einer gemeinsamen Hauptausschuss-Sitzung beschlossen die Kommunalpolitiker nach kurzer Diskussion einstimmig, ein „gemeinsames, modernes und bürgerorientiertes Dienstleistungszentrum“ zu errichten und die dafür notwendigen Grundlagen für eine Grundsatzentscheidung zu erarbeiten. Das letzte Wort haben jedoch die Ratsversammlung und der Kreistag.

Hintergrund ist, dass sowohl Kreis als auch Stadt dasselbe Problem haben: Die Gebäude sind extrem sanierungsbedürftig. Der Kreis tüftelt schon seit Jahren an einer Lösung. Sogar das Telekom-Gebäude wurde mal ins Spiel gebracht. Später aber wieder verworfen. Das Heider Rathaus wollte Bürgermeister Ulf Stecher zwar sanieren und begann bereits mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs. Doch als ihm klar wurde, dass dies ein Fass ohne Boden ist, mussten neue Ideen her. Längst steht für Stecher fest, dass eine Sanierung keine Option mehr ist. Zumal das Rathaus ein architektonischer Fehlgriff war. Dies noch zu sanieren, macht für den Bürgermeister keinen Sinn. Er ist sicher, dass das Rathaus der Abrissbirne zum Opfer fällt und damit ein Filetstück mitten in der Heider Innenstadt frei wird.

Umso mehr begeistert er sich für ein gemeinsames Gebäude mit dem Kreis, in das 500 bis 600 Mitarbeiter ziehen würden. Denn damit hätte Stecher zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er wäre endlich das Rathaus los, dass kaum Energiestandards besitzt und er hätte die optimale Lösung für den nach dem Umbau des Bahnhofs noch neu zu gestaltenden Vorplatz. Denn genau an dieser Stelle könnte das neue Dienstleistungszentrum entstehen – da das Rathaus auf jeden Fall ins Stadtzentrum gehört. Und dafür drückt Stecher auf die Tube. Möglichst bis Ende des Jahres will er eine Entscheidung herbeiführen. Denn sonst muss er einen Wettbewerb für den Standort ausschreiben. Und er hat noch ein schlagkräftiges Argument: „Die Zinsen bei der Investitionsbank sind mit einem Prozent so niedrig wie nie zuvor.“ Auch wenn Stecher davon träumt, vor dem Ende seiner Amtszeit 2018 noch umziehen zu können, sind Zeit- und Kostenrahmen noch völlig offen.

Die Idee hinter dem landesweit einmaligen Projekt ist, nicht nur ein gemeinsames Gebäude zu errichten, sondern auch organisatorische Abläufe zusammen zu legen. Angefangen von der Poststelle bis hin zum Gebäudemanagement. „Wir sind alle knapp bei Kasse und reden alle über Effizienz – deswegen müssen wir auch im Bereich Immobilien so denken“, sagte Landrat Dr. Jörn Klimant und ließ keinen Zweifel daran, dass er von der Idee begeistert ist. Über Alternativen will er zurzeit gar nicht erst nachdenken.

Klimant und Stecher, die nicht immer die besten Freunde sind, ziehen bei diesem Thema an einem Strang und sind gleichermaßen begeistert. Klimant griff dabei sogar ganz tief in die Argumentationskiste, um die Kommunalpolitiker auf seine Seite zu ziehen. Eine Region, die so ein Leuchtturmprojekt auf den Weg bringt, hat aus seiner Sicht eine ganze andere Position, wenn noch mal die Kreisfusion ins Spiel gebracht wird.

Nicht nur Kreis- und Stadtverwaltung sollen unter einem gemeinsamen Dach ein neues Zuhause finden. Auch die IHK, die Heider Entwicklungsagentur und andere Institutionen wollen die beiden Verwaltungs-Chefs mit ins Boot holen.

Die Stadtwerke Heide haben nach Aussage von Stecher schon erklärt, dass sie daran interessiert wären, ihr Kundencenter dort einzurichten, das sich zurzeit noch in einem wenig attraktiven Gebäude in der Süderstraße befindet. Und sogar das Amt Heider Umland könnte mit in das gemeinsame Dienstleistungszentrum ziehen, das sich Stecher als Null-Energie-Haus und als papierlose Behörde vorstellt. Auch Klimant sieht die gemeinsame Zukunft schon förmlich vor sich: „Das könnte heute der Startschuss für ein historisches Ereignis sein.“



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