Quartierslösung : Kreishaus – so fiel die Entscheidung

Arbeiten am entscheidenden Antrag (v. l.): Sven Baumann (Bürgerliste), Heinrich Voß (Grüne), Tobias Rückerl (FDP), Patrick Hallmann vom Rechtsamt, Rudolf Riep (SPD) und Kreisdezernent Friedrich-Wilhelm Stork.
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Arbeiten am entscheidenden Antrag (v. l.): Sven Baumann (Bürgerliste), Heinrich Voß (Grüne), Tobias Rückerl (FDP), Patrick Hallmann vom Rechtsamt, Rudolf Riep (SPD) und Kreisdezernent Friedrich-Wilhelm Stork.

Knappe Mehrheit im Kreistag votiert für Viktoriastraße. Irritationen zwischen Landrat und Bürgermeister.

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27. Juni 2015, 07:00 Uhr

Torsten Wendt wollte ein neues Kreishaus auf Alsen. Doch eine knappe 23:19-Mehrheit im Kreistag sah es am Donnerstagabend anders als der Landrat: Das Kreishaus bleibt in der Viktoriastraße. Wie es aussehen wird, ist noch offen.

Drei Varianten hatte die Verwaltung vorbereitet: die Quartierslösung mit Neubauten sowie Sanierung von Bahnhofshotel und Bollhardtschem Gebäude (Variante 1a) oder ohne die Sanierung (1b) oder den kompletten Neubau auf Alsen. Die Schätzungen für die Kosten schwankten grob zwischen 30 Millionen Euro für die Innenstadt-Lösungen und 50 Millionen für Alsen. Klar für den Wechsel ins Gewerbegebiet waren Piraten, Freie Wähler und CDU. Sie betonten die Entwicklungsmöglichkeiten. Aber nicht die gesamte CDU. Die Itzehoer Ingrid Reichhelm und Ralph Busch sowie Timo Nickels aus Vaale stimmten für die Quartierslösung. Das reichte gemeinsam mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP, Bürgerliste und WIST.

Diverse Anträge lagen auf dem Tisch, im Zentrum aber stand der neueste, den FDP-Fraktionschef Willi Göttsche eingereicht hatte. Die Liberalen schwenkten damit um zur Quartierslösung – aber nur unter der Voraussetzung, dass keine Sanierung der alten Gebäude erfolgt. Diese sollen abgerissen werden, wenn in einem Jahr die Bindung durch den Bürgerentscheid abläuft. An ihrer Stelle soll ein Neubau entstehen, dessen Fassade zum Straßenbild passt.

Sitzungspause, mehrere Fraktionen und Verwaltung steckten die Köpfe zusammen und überarbeiteten den Antrag. Ergebnis: Über Abriss und Neubau wurde nicht abgestimmt, beide Punkte wanderten in die Begründung zum Beschluss und haben den Charakter einer Absichtserklärung. Landrat Wendt sprach gestern von „Variante 1aa“, nachdem die Verwaltung bisher immer von der Bindungsfrist des Bürgerentscheids ausgegangen war. Froh sei er aber gerade mit Blick auf die Mitarbeiter, dass es überhaupt zu einer Entscheidung gekommen sei. „Wir holen jetzt erst einmal tief Luft und dann setzen wir die komplette Projektplanung und -organisation auf die Schienen.“ Dazu gehört laut Beschluss, mit den Bauten an der Karl- und der Poststraße zu beginnen. Bis zur Entscheidung des Kreistags nach Ablauf der Bindungsfrist sei zudem Zeit, eine neue Gebäudeansicht zu präsentieren. „Ganz sicherlich“ werde sie mit der Öffentlichkeit diskutiert, einen neuen Architekten-Wettbewerb kann sich der Landrat nicht vorstellen.

Applaus gab es nach dem Beschluss im Zuschauerraum, auch Bürgermeister Andreas Koeppen war zufrieden: „Ich begrüße diese Entscheidung.“ Weniger gefallen hatten ihm zuvor die Ausführungen des Landrats. Sein Eindruck sei gewesen, die Kreisverwaltung solle der Heilsbringer für die Innenstadt sein, sagte Wendt. Eine Abwanderung hätte sich ausgewirkt, aber nicht so massiv, wie ohne belastbare Zahlen behauptet worden sei, so Wendt. Ihm fehle die Wertschätzung für den Kreis und seine Mitarbeiter, zudem bemängelte Wendt ein fehlendes Konzept für die Innenstadt.

Koeppen hätte gern im Kreistag gesprochen, durfte aber nicht. Gegenüber unserer Zeitung verwies er auf 17 einzelne Projekte für die Innenstadt. Nach dieser schnellen Hilfe gehe es jetzt an die Strategie, gestützt von Städtebauförderung und mit guten Aussichten, dass das Projekt Störauf dazu gehören werde. „Das alles kann man wissen.“

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