Debatte : Kreishaus: Die Woche der Entscheidung

Sie stehen vor einer spannenden Woche: Landrat Torsten Wendt (l.) und Kreispräsident Peter Labendowicz beim Kreishaus-Workshop.
Sie stehen vor einer spannenden Woche: Landrat Torsten Wendt (l.) und Kreispräsident Peter Labendowicz beim Kreishaus-Workshop.

Der Kreishaus-Beschluss soll fallen – diverse Gruppen nehmen noch einmal Stellung.

von
22. Juni 2015, 05:00 Uhr

In dieser Woche gilt es: Kreishaus auf Alsen oder weiter in der Viktoriastraße? Heute um 16.30 Uhr tagt der Kreis-Bauausschuss im Kreistagssaal, am Donnerstag soll der Kreistag entscheiden. Die Anspannung ist groß – diverse Initiativen und auch Parteien nahmen über das Wochenende Stellung.

Zum Beispiel die Bürgerinitiative, die den erfolgreichen Bürgerentscheid für den Erhalt der Fassaden in der Viktoriastraße angestrengt hatte. Für sie ist der Fall klar: Variante 1a mit Neubauten sowie Sanierung des Bollhardt’schen Gebäudes und des Bahnhofshotels. Das sei die günstigste Lösung und entspreche dem Willen der Bürger. „Sofern es notwendig wird“, schließt die Initiative einen weiteren Bürgerentscheid nicht aus.

Als „Idealfall“ sieht auch die Wirtschaftsinitiative Steinburg+ 2030 die Variante 1a. Bereits im Mai schickte sie ein Schreiben – unterzeichnet auch von vielen Innenstadt-Akteuren – an die Kreistagsfraktionen und den Landrat. Das neue Kreishaus, so heißt es in dem Appell für die Quartierslösung, sei eine „wunderbare Chance“ und könne ein Richtung weisender Meilenstein sein, der neue Impulse setze: „All das kann Itzehoes weitere Definition von Innovation werden.“ Die Innenstadt müsse gestärkt werden, um Aspekte wie Lebensqualität, Identität und Professionalität sichtbar zu machen.

Die Politik ist gespalten. Von der Grünen-Kreistagsfraktion kam ein klares Bekenntnis zur Quartierslösung: Das sei am wirtschaftlichsten und ein „wichtiges Signal zur Zukunftsfähigkeit der Kreisstadt“.

Ganz anders sehen es die Piraten. Angesichts der demographischen Entwicklung werde die Kreisgebietsreform kommen müssen, sagt Siegfried Hansen. Steinburg werde dann entweder aufgeteilt oder vergrößert, Itzehoe könne nur Kreisstadt bleiben, wenn der Verwaltungsstandort erweiterbar sei: „Das geht nur auf Alsen.“ Für die Innenstadt-Flächen werde sich ein Investor finden.

Irritiert zeigen sich die Piraten ebenso wie der FDP-Kreistagsabgeordnete Tobias Rückerl von dem Appell von Bürgermeister Andreas Koeppen und Stadtmanagerin Lydia Keune-Sekula für ein Kreishaus in der Innenstadt (wir berichteten). Jahrelang sei von der Stadt nichts zu hören gewesen, auch nicht beim Bürgerentscheid. „Jetzt wird massiv Druck gemacht, als ob das Wohl und Wehe der Stadt Itzehoe am Standort des Kreishauses hängt“, so Hansen. Seine Fraktionskollegin Ilona Adamski betont wie Rückerl: Die Stadt solle ein zukunftsgerichtetes Konzept für die Innenstadt erarbeiten. Und, so Hansen, es dürfe nicht alles bei der Politik abgeladen werden: „Unternehmer kommt von unternehmen.“

Um die Menschen mit eingeschränkter Mobilität geht es der Agenda-21-Gruppe für ein senioren- und behindertengerechtes Itzehoe. Alsen liege zu weit außerhalb, sagt Kirstin Hansen. Die Variante 1a in der Viktoriastraße sei ein „Schlag ins Gesicht“. Die Variante 1b – Neubauten, ohne Bahnhofshotel und Bollhardt’sches Gebäude einzubeziehen – sei noch der beste Kompromiss. Am liebsten aber hätte die Gruppe im Moment keine Entscheidung, sondern einen Neubau mit nachgebauter Fassade, wenn die Bindungsfrist des Bürgerentscheids im Sommer 2016 abgelaufen ist. Dafür aber, betont Hansen, müssten die Bürger gefragt werden, ob sie damit einverstanden seien.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen