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Norddeutsche Rundschau

24. September 2017 | 09:01 Uhr

Verkehr : Kreisel mit Unfallgarantie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Immer wieder kommt es am Adler zu Zusammenstößen. 2015 krachte es neun Mal, in diesem Jahr bereits sechs Mal.

von
erstellt am 17.Mai.2016 | 17:13 Uhr

Es ist ein trauriger Rekord, den der Kreisel „Am Adler“ hält. Seit dem Jahr 2006 tauchte der Verkehrknotenpunkt sieben Mal als so genannte Unfallhäufungsstelle auf. Im gerade erst veröffentlichten Verkehrssicherheitsbericht für den Kreis Steinburg thront der Adler-Kreisel mit neun Unfällen in 2015 einmal mehr auf dem unrühmlichen ersten Platz in diesem Ranking.

Als Unfallhäufungsstelle definiert die Polizei Orte, an denen sich mindestens zwei Unfälle mit schwerem Personenschaden, drei desgleichen Typs oder sechs Unfälle verschiedenen Typs binnen eines Jahres ereignet haben. Am Adler krachte es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits sechs Mal (mit vier Leichtverletzten). Der Spitzenplatz unter den Unfallhäufungsstellen dürfte abermals gesichert sein.

Was aber macht diesen Kreisverkehr so gefährlich? Gleich mehrere ungünstige Faktoren treffen hier zusammen. Für das Verkehrsaufkommen ist der Bereich relativ eng. „Rund 25  000 Fahrzeuge fahren täglich durch einen der fünf Abzweige. Dazu kommen die Radfahrer und Fußgänger“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Raupach und benennt zugleich ein weiteres Gefahrenmerkmal. Denn ein Kreisverkehr mit fünf Ein- beziehungsweise Ausfahrten ist relativ selten. Im Kreis Steinburg gibt es nach seiner Kenntnis so etwas kein weiteres Mal. Erschwerend hinzu kommen die unterschiedlichen Winkel, in denen die Abzweige angeordnet sind, wie Bernd Voss von der Itzehoer Stadtverwaltung erklärt: „Es ist keine Symmetrie vorhanden. Das macht es schwierig die Übersicht zu behalten.“ Das gilt auch für den Schilderwald, der dort wuchert. Satte 45 Verkehrs-, Hinweis oder Straßenschilder stehen rund um den Kreisel und sollen den Verkehrsteilnehmern eigentlich helfen. In diesem Fall sorgen sie für zusätzliche Verwirrung. Daher verzichten die Verantwortlichen auch auf weitere Warnschilder. „Dann sind die Leute nur noch abgelenkter“, glaubt Michael Raupach. Autos, Radfahrer, Fußgänger – zu Stoßzeiten müssen die Verkehrsteilnehmer am Adler höchste Konzentration an den Tag legen, um sicher von A nach B zu kommen.

Der Spielraum für Maßnahmen zur Entschärfung der Situation an diesem Unfallschwerpunkt ist indes begrenzt. Eine Lichtzeichenanlage sei völlig ausgeschlossen. „Bei einem so hohen Fahrzeugaufkommen wäre eine Ampel überlastet und würde zu langen Staus führen“, so Raupach. Ein Ändern der Straßenführung, also einen Abzweig wegzunehmen, sei bautechnisch nahezu unmöglich. Was also steht noch im Maßnahmenkatalog? Im Sommer wird neben der Fahrbahndecke auch die Linierung erneuert. Ein so genannter Schutzstreifen soll innen gezogen werden, um dafür zu sorgen, dass die Autofahrer auch tatsächlich im Kreis und nicht mit erhöhtem Tempo nahezu geradeaus fahren. „Wir glauben, dass es zumindest psychologisch einen Effekt hat“, sagt Bernd Voss. Eine durchgezogene Linie würden viele nicht ohne weiteres überfahren, so die Überlegung. Zudem soll frische Farbe den Fahrradweg sichtbarer machen. „Wir peilen für diese Arbeiten die Sommerferien an, weil das Verkehrsaufkommen dann am geringsten ist“, sagt Voss. Um das Tempo bei der Zufahrt zu drosseln, wird in der Lindenstraße stadtauswärts das Parken am Straßenrand wieder erlaubt sein – quasi als ein künstliches Hindernis.

Inwieweit diese Veränderungen etwas bringen, wird sich in einem der nächsten Verkehrssicherheitsberichte ablesen lassen. Ein kniffliger Ort, insbesondere für Autofahrer, wird es wohl bleiben, aber vielleicht schafft es der Adler-Kreisel ja irgendwann einmal aus der Liste der Unfallhäufungsstellen.

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