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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 19:52 Uhr

Prognose : Kreis schrumpft – aber langsamer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bevölkerungszahl im Kreis Steinburg geht nach der neuesten Prognose nur noch um 6,5 Prozent zurück. Nur Wilster knapp im Plus.

von
erstellt am 11.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Die Prognose vor drei Jahren war niederschmetternd – bis 2025 verliert der Kreis Steinburg (Einwohnerzahl: 132 000) insgesamt zehn Prozent seiner Einwohner. Also mehr als 10 000 Menschen. Die neuesten Zahlen sind zwar immer noch schlecht, aber nicht mehr ganz so dramatisch. Die Gutachter, die ihre Prognose jährlich aktualisieren, gehen jetzt von einem Rückgang von nur noch 6,5 Prozent aus. Diese Zahlen nannte Kreisdezernent Dr. Friedrich Stork bei einer Informationsveranstaltung für Kreispolitiker, die er über den neuesten Stand des Projektes „Demografischer Wandel des Kreises Steinburg“ informierte. Das Minus bis 2025 beträgt jetzt 9000 Einwohner. Die Gründe des Rückgangs bleiben aber die selben: Es gibt mehr Sterbefälle als Geburten, und auch ein Zuzug von außerhalb kann diesen Prozess nicht aufhalten. Doch so einfach will sich der Kreis damit nicht abfinden. Deshalb wurde vor drei Jahren das Projekt mit verschiedenen Teilgruppen ins Leben gerufen. Ziel: Den Kreis attraktiv halten und machen – für Einwohner und Zuzugswillige.

Auch nach den neusten Zahlen ist Steinburg mit diesem Bevölkerungsrückgang immer noch unter den Top drei im Land. Nur Dithmarschen und Plön erwarten einen ähnlich hohen Rückgang. Die ländlichen Region im Westen und Norden des Kreisgebiets verlieren dabei überdurchschnittlich viele Einwohner, im Amt Kellinghusen sieht es etwas besser aus. „Relativ positive Zahlen“ gibt es nur alten Amt Horst sowie im Amt Breitenburg und in Itzehoe. Und in Wilster. Die kleine Stadt wächst laut Prognose sogar leicht, wenn auch nur um drei Einwohner. Dies liegt laut Dr. Stork an einer Wilstermarsch-Eigenheit. Viele ältere Bürger aus der Wilstermarsch zögen in die Stadt, und dies sei für Wilstermarsch-Bürger nun einmal Wilster. Der Bevölkerungsrückgang trifft vor allem die Generation der Unter-20-Jährigen, während die Zahl der Über-65-Jährigen deutlich zunimmt. Die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Überalterung: Erhöhter Bedarf an ambulanter und stationärer Pflege, Fachkräfte-, Lehrlings- und Hausärztemangel, Gefährdung des Brandschutzes und der Nahversorgung sowie ein weiterer Wohnungsleerstand, besonders in den ländlichen Regionen.

Um gegenzusteuern und den Kreis für Gewerbetreibende, Unternehmen und Familien attraktiv zu halten beziehungsweise zu machen, wurden innerhalb des Projekts „Demografischer Wandel“ die sieben Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gebildet. Laut Stork gibt es erste Erfolge: Dazu zählte er die laufende Überwachung der hausärztlichen Versorgung, das neue Katastrophenschutzzentrum, das die Attraktivität für die ehrenamtlichen Helfer erhöht, die Beibehaltung des Bahnangebots für Glückstadt, ein überregionales Gewerbeflächenmanagement und ein neuer Internetauftritt des Kreises, der demnächst freigeschaltet wird. „Absolutes Highlight“ sei aber die Breitbandversorgung für fast den gesamten Kreis Steinburg.

Doch es gibt noch viel zu tun. Dazu zählt der Kreisdezernent vorrangig die Innerortsentwicklung, denn Leerstand im Zentrum sei weder für Einheimische noch Zuzugswillige hinnehmbar. „Dies muss unbedingt angegangen werden.“ Weiter nannte Stork die Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit („ganz wichtiges Thema“), die Einwerbung von EU-Fördermitteln und die regelmäßige Überprüfung von Schülerzahlen und Infrastruktur für Senioren, damit die Akteure bei Bedarf sofort gegensteuern könnten.

Nicht alle sahen den bisherigen Prozess allerdings positiv. Glückstadt Bürgermeister Gerhard Blasberg, selbst Mitglied in der Projektgruppe Bildung, kritisierte, dass seine „hochkarätig“ besetzte Gruppe, die einmal jährlich getagt habe, nur über Zahlen geredet habe und bei konkreten Dingen wie bei Schulschließungen wenig erreicht habe. „Die Gruppe war nicht mit der notwendigen Intensität dabei.“

Stork ließ diese Kritik für die Gruppe Bildung gelten („ Sie hat sich bei der Inklusion festgefahren“), nicht aber bei den anderen Projektgruppen. Aber: „Wir kommen immer wieder an unsere Grenzen. Der Kreis kann vieles nicht beeinflussen, sondern nur an die Akteure und Gemeinden appellieren.“

 

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