Dreikönigstreffen : Kreis-FDP will sich selbst helfen

Rundumschlag vom FDP-Kreischef Willi Göttsche (hinten, von links) mit den Gästen Oliver Kumbartzky (FDP-Landtagsabgeordneter), Tobias Rückerl, Stefan Gorontzy (beide FDP-Kreistagsfraktion) sowie (vorn, v.li.) Helmut Rohwedder (Kreishandwerksmeister), Heinz Köhnke (Itzehoes Bürgervorsteher), Heiner Rickers (CDU-Landtagsabgeordneter), Gerhard Blasberg (Bürgermeister Glückstadt).
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Rundumschlag vom FDP-Kreischef Willi Göttsche (hinten, von links) mit den Gästen Oliver Kumbartzky (FDP-Landtagsabgeordneter), Tobias Rückerl, Stefan Gorontzy (beide FDP-Kreistagsfraktion) sowie (vorn, v.li.) Helmut Rohwedder (Kreishandwerksmeister), Heinz Köhnke (Itzehoes Bürgervorsteher), Heiner Rickers (CDU-Landtagsabgeordneter), Gerhard Blasberg (Bürgermeister Glückstadt).

Markige Worte und Kampfansage an Pegida und AfD – so zeigte sich die Steinburger FDP beim traditionellen Dreikönigstreffen.

shz.de von
08. Januar 2015, 04:57 Uhr

Hatte es in den vergangenen Jahren teils große Veranstaltungen in großen Sälen gegeben, so war bei den Liberalen nun ein wenig Bescheidenheit eingekehrt. So stellte der FDP-Kreis- und -Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Willi Göttsche aus Hennstedt, in der Gaststätte Zur Erholung in Heiligenstedten fest: „Wir wollen heute ein etwas kleineres Dreikönigstreffen machen, ohne laute schräge Musik und ohne Prominenz.“

Die dennoch erschienenen 65 Gäste rangen ihm aber Respekt ab. „Wer hätte das gedacht: Der Raum ist voll.“ Und auch einige örtliche Prominenz war erschienen – unter ihnen Vertreter anderer Parteien, Bürgermeister sowie Kreis- und Landtagsabgeordnete.

Für Göttsche war klar: „Lieber in kleinem Rahmen als zu groß feiern. Denn heute in der FDP zu sein – es gab auch schon bessere Zeiten.“ Dennoch: Entgegen der bescheidenen Wahlergebnisse der vergangenen Jahre konnte er einen stabilen Mitgliederbestand vermelden. „Und das Durchschnittsalter ist recht jniedrig.“

In teils drastischen Worten kommentierte der Kreisvorsitzende den derzeitigen Umgang mit seiner Partei: Der Zeitgeist sei nicht liberal, selbst „die kleinsten Kläffer machen sich auf, um auf die Liberalen zu pinkeln. Aber Vorsicht: Totgesagte leben länger – auch wir“.

Er selbst, 41 Jahre Mitglied in der Partei, hätte sich die Entwicklung nach der verlorenen Bundestagswahl nicht vorstellen können. So stellte er die Frage, ob es noch einer liberalen Partei bedürfe.

Die Situation in der Welt werde immer prekärer: „Mord, Totschlag, Unterdrückung, Krankheit, Hunger und Durst sowie Flucht aus der Heimat. Krieg, wohin man schaut.“ Hundertausende Tote und Millionen Vertriebene in Syrien. Unzählige Flüchtlinge aus Afrika. Leid, Elend, Ebola – „während wir hier bei uns in Frieden und Wohlstand leben“. Die Menschen schauten weg, die Politik tue so, als gehe sie dies alles nichts an – und AfD und Pegida erstarken. Die letzteren Gruppierungen würde Göttsche „am liebsten zum Teufel jagen“. Statt der FDP gebe es inzwischen nämlich Menschen, die sich als ihre Nachfolger aufführten.

Mindestlohn, Umweltstandards, artgerechte Tierhaltung, Bildung – alles Themen, über die geredet werden müsse. Nicht verhandelbar seien Würde und Hilfsbereitschaft. „Volksverhetzer gehören geoutet, und wenn es im Kreis Bürgermeister geben sollte, die die Aufnahme von Hilfsbedürftigen in ihren Gemeinden verhindern, dann lassen wir das nicht durchgehen“, stellte der Liberale klar.

Dies alles zeige, dass die Liberalen weiterhin gebraucht würden, denn „sie erheben mutig ihre Stimme gegen Zustände, die sie nicht hinnehmen können“. Mitmachen würden viele Menschen, wenn nicht nur geredet, sondern auch politisch gehandelt werde, ist Göttsche überzeugt. Und der Kreisvorsitzende kündigte an: „Jeder von uns handelt nach seinen Grundsätzen und macht damit weiter.“

Da sich die FDP die Situation weitgehend selbst zu verdanken hätte, müsste sie sich nun auch selbst helfen. Auf diese Weise, so ist Göttsche zuversichtlich, würden die Liberalen auch in Zukunft wieder eine Rolle spielen können.

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