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Hochspannungstrasse : Kreis auf Kriegsfuß mit Tennet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vorwurf aus Heide: Netzbetreiber hält sich nicht an Absprachen, die beim Bürgerdialog vereinbart wurden.

Auf den Netzbetreiber Tennet ist Christian Rüsen nicht gut zu sprechen. Der Geschäftsbereichsleiter des Kreises Dithmarschen ärgert sich vor allem darüber, dass sich der Konzern aus Bayreuth nicht an Absprachen hält. Nicht alle beim Bürgerdialog erarbeiteten Änderungswünsche des Trassenverlaufs der 380 kV-Leitung wurden berücksichtigt. Aus Zeitgründen, wie es bei Tennet heißt.

Geplant war alles ganz anders. Um die dringend benötigte Westküstenleitung möglichst schnell zu realisieren, haben sich Kreis und Tennet auf einen bundesweit einmaligen Bürgerdialog verständigt. In zahlreichen Veranstaltungen mit den Menschen vor Ort und der Kommunalverwaltung sollten Wünsche berücksichtigt und so versucht werden, Probleme aus dem Weg zu räumen. Ziel ist, die Belastung der Bevölkerung zu minimieren, Konflikte und damit Klagen zu vermeiden. Nur so kann die rund 150 Kilometer lange Westküstenleitung, die von Niebüll bis von Brunsbüttel und dann weiter in den Süden Deutschlands führt, wo der Strom von der Küste benötigt wird, ohne Zeitverzögerung realisiert werden. Bis Ende 2017 soll die Stromtrasse in allen Abschnitten im Bau sein.

Damit dieser Zeitrahmen eingehalten werden kann, haben der Kreis und das Land mit Tennet bereits 2011 eine Vereinbarung zur Beschleunigung des Netzausbaus und 2013 eine Realisierungsvereinbarung getroffen. Der Bau der Trasse wird als eines der zentralen Infrastrukturprojekte in Schleswig-Holstein gesehen und ist Teil des Netzausbaukonzepts.

„Im Großen und Ganzen hat das geklappt“, sagte Rüsen im Wirtschafts- und Planungsausschuss des Kreises, an dem zahlreiche Bürger teilnahmen, um sich über den Sachstand zu informieren. Ein Großteil der Konflikte konnte ausgeräumt oder minimiert werden. Auch Arten- und Naturschutz wurde berücksichtigt. Sogar die Naturschutzverbände im Land haben angekündigt, auf eine Klage zu verzichten, nachdem Land und Tennet Zugeständnisse gemacht haben.

Ob es in Dithmarschen aber so reibungslos wie geplant weiterläuft, bezweifelt Rüsen. Zwar hat Tennet eingeräumt, dass die Vorschläge aus Fedderingen später noch in die Planungen aufgenommen werden können. Allerdings nur, wenn dies möglich ist. Aus Sicht des Kreises ist dies ein unglücklicher Weg.

Die Westküstentrasse wird dringend benötigt. Denn der enorme Zuwachs an regenerativen Energien sowie der gestiegene internationale Energiehandel macht den Netzen mehr zu schaffen. Die begrenzten Transportkapazitäten führen immer häufiger zu Ereignissen, die regulierende Eingriffe in das Netz nötig machen, um die Systemstabilität und damit die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Allein 2012 musste Tennet knapp 1000 Systemeingriffe vornehmen – dass sind durchschnittlich zwei bis drei Eingriffe pro Tag. Zehn Jahre zuvor sind nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers im ganzen Jahr keine drei Eingriffe notwendig gewesen.

Noch sind die Abläufe zwar im Zeitplan. Sollten die Pläne im Nachhinein aber tatsächlich noch angepasst werden, würde sich das ganze Projekt verzögern. Rüsen: „Offen ist zudem, ob es zu Klagen kommt.“ Er sieht in dem Verhalten ein Tennet einen Vertrauensbruch und damit für die Menschen vor Ort ein falsches Signal. „Tennet hat sein Verspechen nicht eingehalten“, beklagte auch Ausschussvorsitzender Thorsten Hübner (UWD). „Das Vorgehen von Tennet in Fedderingen finde ich skandalös“, ergänzte Peter Mohrfeldt (Die Grünen).

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