Kraftwerk weicht Schleusenbau

Vier bis sechs Wochen lang wird das unterkellerte Gebäude abgerissen. Die Steine werden gebrochen und als Material für Wege und Baustoff-Lagerflächen genutzt.
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Vier bis sechs Wochen lang wird das unterkellerte Gebäude abgerissen. Die Steine werden gebrochen und als Material für Wege und Baustoff-Lagerflächen genutzt.

In den nächsten Wochen wird das Gebäude auf der Mittelinsel abgebrochen, dann rücken die Bagger an

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27. Januar 2015, 11:55 Uhr

Jetzt geht es deutlich sichtbar los mit den Arbeiten zum Bau der dritten Groß-Schleuse in Brunsbüttel. Abholzen der so genannten Mittelinsel zwischen Kleinen und Großen Schleusen, Kampfmittelräumung und Baustelleneinrichtung waren erste Vorboten. Nun wurde mit dem Abriss des Alten Kraftwerks begonnen. Bis zu sechs Wochen kann dies dauern. Danach ist der Weg frei für eine der größten Baustellen im Norden: Ab Frühsommer soll die neue Schleusenkammer durch die Mittelinsel gegraben werden. Ende 2020 wird die Inbetriebnahme des knapp 474 Millionen Euro teuren Vorhabens erwartet.

Das alte Kraftwerk wurde zwischen 1913 und 1914 errichtet– zu der Zeit, als auch die beiden Großen Schleusen entstanden. Es versorgte die gesamte Schleusenanlage mit elektrischer Energie. Erst im vorigen Jahr verlor das 48 Meter lange und 32 Meter breite Bauwerk seine Bedeutung. Denn dann wurde die komplette Elektrik auf den Neubau neben der Verwaltung des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) auf der Südseite umgeschaltet. Zuvor war ein Versorgungstunnel, der Mitteldüker, unter dem Kanal hindurch gebaut worden. Bereits 2006 musste der der so genannte Accumulatorenturm wegen Einsturzgefahr abgebrochen werden. Dass jetzt der Abbruch des großen Hauses so lange dauere sei der Statik des Gebäudes geschuldet, erklärt Thomas Fischer. „Die Firma muss sich Stück für Stück vorarbeiten“, so der Pressesprecher des WSA. Die beim Abriss anfallenden Ziegelsteine sollen zerkleinert und dann für die Baustellenwege und das Baustoff-Lager auf der Mittelinsel genutzt werden. Fischer weiß: „Der Boden ist hier zu weich für schweres Gerät.“

Er sagt, dass im zweiten Quartal diesen Jahres mit dem Ausheben der Baugrube für die fünfte Kammer begonnen werden soll. Das wäre dann rund drei Jahre, nachdem der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer öffentlichkeitswirksam zum Spaten gegriffen hatte – und 100 Jahre, nachdem die Anlage zuletzt erweitert wurde. Auch damals waren steigender Verkehr auf der künstlichen Wasserstraße zwischen Brunsbüttel und Kiel und zunehmend größere Schiffe ein Grund. Am steigenden Verkehrsaufkommen gibt es längst keinen Zweifel mehr. So fuhren im vergangenen Jahr 32  589 Schiffe durch den Kanal und transportierten 99,1 Millionen Tonnen Ladung – 4,6 Prozent mehr als in 2013.

Die neue Schleusenkammer wird 360 Meter lang, 14 Meter tief und 46 Meter breit sein. Der Bodenaushub soll mit Schuten zu einer Deponiefläche am Kanal gebracht werden, dem Dyhrssenmoor bei Ecklak. Es sind rund 1,9 Millionen Kubikmeter Erdreich. Die neue Schleuse kostet rund 412 Millionen Euro, weitere 61,8 Millionen werden für die drei Tore sowie zwei Hebepontons benötigt. Restliche Arbeiten nach der Inbetriebnahme sollen sich bis 2021 erstrecken.

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