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Norddeutsche Rundschau

21. September 2017 | 17:57 Uhr

Plage : Krähen: Sie sind wieder da

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anwohner beschweren sich über Lärm / Stadt hat Vergrämungsaktion für ein Jahr ausgesetzt.

Kräh, kräh, kräh – es ist wieder da, das lautstarke Krähenkonzert. Dunkle Punkte hoch oben in den Liethbäumen zeigen: Die schwarzen Flieger aus der Familie der Rabenvögel sind scharenweise ins Stadtgebiet zurückgekehrt. „In diesem Jahr hat die Stadt uns wohl vergessen“, sagt Reimer Tetens.

Vergeblich warteten Bürger auf die Knallgeräusche der gewohnten Vergrämungsaktionen. Die Stille bemerkten auch die schlauen Saatkrähen. Als so genannte Kulturfolger kehrten sie blitzschnell zurück in den von Menschen gestalteten Lebensraum. Hoch oben in den Liethbäumen widmeten sich die geselligen Störenfriede gänzlich ungestört dem Nistbau. Sehr zum Ärger der Anwohner rund um das innerstädtische Grün. Bei ihnen steht das Stimmungsbarometer auf dunkelrot: „Das nenne ich Freiheitsberaubung für die Bürger, wir sind völlig entnervt von dem Lärm“, tut Reimer Tetens deren Meinung kund. Musik war dagegen die Ballerei der Vergrämungsaktionen. Jeweils bis zu Beginn der Brutzeit Ende März gaben die vom Bauhof installierten Maschinen früh morgens und abends laut. Mit Erfolg: Die Kolonie schrumpfte, ein Teil der gefiederten Nervensägen verzog sich aus dem Stadtgebiet in die offene Landschaft, wo sie hingehören. Von der Landwirtschaft wurden die auf Bodennahrung spezialisierten Allesfresser in früheren Zeiten sogar freudig begrüßt. Ganz anders im dicht besiedelten Stadtgebiet.

Geplagte Bürger nehmen die Verständigungsrufe der Vögel als Belästigung wahr. „Schlimm ist es besonders in Zeiten der Jungenaufzucht“, sagt Inge Giesecke. Die Anwohnerin der Hauptstraße 23 beobachtet das Verhalten des Krähen seit einiger Zeit. Noch vor zweieinhalb Wochen gab es nur ein Nest, jetzt seien es 20, Tendenz steigend. „Die kommen immer weiter zu mir rüber“, berichtet die alte Dame. Offenkundig hat sich das Brutgebiet auf die gesamte Länge des Liethsaums ausgeweitet. Das bestätigen als Leidtragende auch Bernd Lindemann, Döndü Can mit Sohn Burak Kadir Can sowie Solveig Delfs. „Schönes Wetter im Garten oder auf der Terrasse genießen geht gar nicht“, schimpft Lindemann. Wäsche könne nur mit „Verlusten“ unter freiem Himmel getrocknet werden, verweist Delfs auf Verschmutzungen durch den Kot der Vögel. Betroffen sei auch das Trampolin der Kinder. „Das ist ärgerlich weiß besprenkelt.“

Die Allesfresser scheuen sich außerdem nicht, auf den Hof des Can’schen Obst- und Gemüsegeschäfts auf Nahrungssuche zu gehen. „Obwohl wir alles peinlich sauber halten, kommen die Vögel und schaffen beim Stöbern ein erstaunliches Durcheinander“, sagt Döndü Can. Reimer Tetens wollte es genau wissen. Er kletterte die Stufen der Liethtreppe auf Höhe der Hauptstraße hinauf und spazierte mit dem Blick in die Höhe gerichtet bis zur nächsten großen Liethtreppe im Bereich Clausthal. „250 Nester habe ich gezählt.“ In der aktuellen Saison werden die Anlieger wohl mit dem Lärm und Schmutz leben müssen, mutmaßt er. Im kommenden Jahr müsse die Stadt aber wieder aktiv werden. Es könne nicht angehen, dass Vogelschutz vor Menschenschutz stehe, so Tetens.

Vergessen hat die Stadt die saisonale Vergrämungsaktion nicht – ausgesetzt aber schon. „Der Ausschuss für Hochwasser und Umweltschutz hat sich für eine Pause entschieden“, sagt Vorsitzender Volker Ballin (KeLi). Es sollte geprüft werden, wie sich die Krähenpopulation ohne Vergrämung entwickelt. Die Stadt habe außerdem Kontakt zu anderen betroffenen Kommunen aufgenommen. „Wir wollen in Erfahrung bringen, welche Wirkungen mit unterschiedlichen Maßnahmen erzielt werden.“ In diesem Zusammenhang sei überdies eine Begehung mit Vertretern der zuständigen Kreisbehörde geplant. Aus den gesammelten Erkenntnissen soll im nächsten Jahre eine möglichst noch wirksamere Vergrämung erfolgen.

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