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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2017 | 15:03 Uhr

Brunsbüttel : Krähen kapern Kanalpromenade

vom

Auf der Brunsbütteler Schleuseninsel wurden 700 Bäume gefällt - die Vögel nisten nun am Yachthafen und in der Stadt. Doch hier will sie niemand haben. Fazit: "Alle abknallen."

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2010 | 07:12 Uhr

Brunsbüttel | Die erste Frühlingssonne scheint über Brunsbüttel. Straßencafés und Restaurants haben auf der Koogstraße und am Kanal ihre Möbel im Freien wieder aufgestellt. Dass dort kaum jemand sitzt, liegt nicht allein an den noch niedrigen Temperaturen. Aus hohen Baumwipfeln schallen die krächzenden Laute hunderter Krähen über den Gustav-Meyer-Platz und den Yachthafen. Die schwarzen Vögel haben bis vor kurzem noch auf der Insel zwischen der Alten und der Neuen Schleuse gelebt. Doch weil dort eine fünfte Schleusenkammer gebaut werden soll, mussten binnen einer Woche rund 700 Bäume weichen - und mit ihnen die Nester der Krähen.
Anwohner nahe der Schleuse sind genervt. Besonders abends, wenn die Vögel gegen 19 Uhr von ihren Beutezügen über die Felder zurück kommen, sei ihr lautes Krächzen unerträglich, sagt der Brunsbütteler Jens Rusch, der in der Schulstraße wohnt.
"Die machen ordentlich Dreck"
Lärm ist das eine Übel - Hinterlassenschaften sind das andere. "Die machen ordentlich Dreck", klagt ein Gastronom am Yachthafen. Seine rote Terrasse und die Plastikmöbel sind vom Vogelkot weiß gesprenkelt. Ohne den Schutz von Sonnenschirmen könnte hier niemand in Ruhe Platz nehmen. Allerdings sieht der Mann die Lage pragmatisch: "Hier ist die Stadt gefordert."
Die hat bereits reagiert. "Ich habe bei der Unteren Jagdbehörde des Kreises Dithmarschen einen Antrag gestellt, schonend in den Bestand eingreifen zu dürfen", sagt Bürgermeister Wilfried Hansen. Der passionierte Jäger wählt seine Worte mit Bedacht, während Spaziergänger am Kanal fordern: "Alle abknallen!"
"Sie sind schlau und bekommen schnell spitz, dass ihnen eh nichts passiert"
Alle Vögel werden sicher nicht ihr Leben lassen müssen. Hansen rechnet damit, dass in einer ersten Erlaubnis zehn bis 20 Tiere freigegeben werden. "Wir werden dann sehen, ob das etwas bringt. Wenn nicht, stellen wir neue Anträge." Die Tiere zu vergrämen, wie es der Naturschutz vorschreibt, hat Hansens Meinung nach wenig Sinn: "Die Tiere sind schlau und bekommen schnell spitz, dass ihnen eh nichts passiert." Hansen ist zuversichtlich, die Genehmigung zum Abschuss zu bekommen. Denn: "Der Yachthafen ist ein Aushängeschild für unseren Tourismus."
Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Brunsbüttel, kennt das Drama mit den Krähen. "Der Kot ist wie Schmierseife." Häufig waren die Wege der Schleuseninsel gefährlich glatt. "Viele Kollegen waren auch bei Sonnenschein mit Regenschirmen unterwegs." Und auch da haben Versuche des Verscheuchens nichts gebracht.

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