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Kulturmärz in Glückstadt : Konzert und Lesung: jüdische Frauenschicksale

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Esther Bejarano überlebte das Vernichtungslager Auschwitz nur, weil sie Mitglied des Mädchenorchesters wurde. Im Rahmen des Kulturmärzes erzählt sie aus ihrem Leben.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2009 | 10:37 Uhr

Glückstadt | Soroptimist International Club Glückstadt hat jüdische Künstlerinnen für den Kulturmärz eingeladen. Esther Bejarano und Steffi Wittenberg werden am 8. März um 18 Uhr in der Katholischen Kirche aus ihrem Leben berichten. Anschließend wird Esther Bejarano mit ihrer Gruppe "Coincidence" ein Konzert geben. Zum Repertoire gehören Lieder von Hanns Eisler, jiddische und hebräische Kompositionen, Lieder aus dem Antifaschismus und Antikriegslieder.

Bereits am 4. März um 20 Uhr wird Viola Roggenkamp im Palais für aktuelle Kunst aus ihrem Buch "Tu mir eine Liebe" lesen.
Musik als Lebensretter
Esther Bejarano kam mit 18 Jahren nach Auschwitz. Ihre Eltern und eine Schwester waren zu dem Zeitpunkt bereits ermordet. Esther Bejarano überlebte das Vernichtungslager nur, weil sie Mitglied des Mädchenorchesters wurde. Das Orchester musste am Tor Marschmusik spielen, wenn die Arbeitskolonnen aus- und einmarschierten. Und sonntags gab es Konzerte für die SS-Mannschaften. Von Auschwitz kam sie im Herbst 1943 nach Ravensbrück, als die Front näher kam, wurde sie auf den Todesmarsch geschickt. Ihr gelang die Flucht. Sie wanderte quer durch Deutschland und bestieg in Marseille ein Schiff nach Israel. 1960 kehrte sie zurück nach Deutschland. Seitdem lebt sie in Hamburg. Immer noch macht sie Musik, denn die Musik war und ist ihr Lebensretter.

Esther Bejarano ist eine streitbare Frau, die für ihre Überzeugungen eintritt und die nach ihrer Meinung gefragt wird. Die 84-Jährige war in den vergangenen Wochen in den "Tagesthemen" und in "Titel, Thesen, Temperamente" zu sehen. Sie ist eine der wenigen Überlebenden der Lager, die noch am Leben sind und von ihren Erfahrungen berichten.
Nach der Reichspogromnacht begann eine Zeit der Angst und der Verbote
Steffi Wittenberg ist zwei Jahre jünger als Esther Bejarano. Die beiden lernten sich auf einer Friedensveranstaltung kennen. Auch Steffi Wittenberg stammt aus einer jüdischen Familie. Sie konnte überleben, weil sie nach Uruguay entkam. Der Vater und der Bruder nahmen schon 1938 ein Schiff, Steffi und ihre Mutter sollten einige Wochen später nachkommen, doch dann wurden ihre Visa für ungültig erklärt. Nach der Reichspogromnacht begann eine Zeit der Angst und der Verbote für Steffi Wittenberg: kein Kino, kein Theater, kein Schwimmbad.

Im Dezember 1939 bekamen sie die rettenden Papiere. In Uruguay besuchte Steffi Wittenberg die Schule und arbeitete als Fremdsprachensekretärin für andere deutsche Emigranten, während ihre Mutter Kekse backte und der Vater Schokolade von Tür zu Tür verkaufte. Nach dem Krieg ging Steffi Wittenberg erst nach Amerika und kam 1951 zurück nach Hamburg. Sie engagiert sich gegen Neofaschismus und Diskriminierung.

Viola Roggenkamp ist eine bekannte Journalistin und Romanautorin. Sie ist nach dem Krieg geboren, hat die Verfolgung also nicht am eigenen Leib erleben müssen, und dennoch durchzieht auch ihr Leben und ihre Arbeit die Tragödie des Holocaust. Die Kinder jüdischer Eltern erleben das, was mit ihren Eltern geschehen ist, besonders ihr Schweigen, als traumatische Erfahrung. Wie sich das auswirkt, zeigt Viola Roggenkamp in ihrem Buch "Tu mir eine Liebe". In 26 Interviews hat sie die Nachkommen deutscher Juden befragt, darunter den Schauspieler Ilja Richter und auch Joram Bejarano, den Sohn von Esther Bejarano. Die Gespräche lieferten den Stoff für den Roman "Familienleben", in dem es um eine deutsch-jüdische Familie im Hamburg der 60er Jahre geht. Der Roman, in dem Viola Roggenkamp auch eigene Erinnerungen verwebt, wurde ein Bestseller.

Eintritt für die Lesung acht Euro, ermäßigt fünf Euro. Für das Konzert zwölf Euro, ermäßigt fünf Euro. Kartenvorkauf: Bücherstube am Fleth.

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