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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 01:45 Uhr

Konzert mit einer Blues-Größe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Teilnehmer eines inklusiven Workshops des Kulturbahnhofs Viktoria spielen mit Abi Wallenstein

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 05:00 Uhr

„Wir sind der Zug, auf den Abi aufspringt“, sagte Workshop-Leiter Martin Röttger. Seine „Itzehoe Cajon Allstars“ gaben den Rhythmus vor, in den der Blues-Musiker mit seiner Gitarre einstieg. Ein außergewöhnlicher Gast trat in den Räumen der Brücke SH in der Bahnhofstraße auf: Abi Wallenstein (71), Blues-Größe aus Hamburg.

Zunächst lernten acht Teilnehmer im Alter zwischen 12 und 40 Jahren in Röttgers Workshop, auf einem Cajon zu spielen, dann gaben sie mit Abi Wallenstein ein Konzert. Ihre Cajons hatten sie zuvor mit Instrumentenbauerin Susanna Hallmann aus Timmendorfer Strand selbst hergestellt – Inklusion mit künstlerischem Ansatz, das ist der Kern des Projekts „Gelbe Musik und blaue Monde“, das im Kulturbahnhof Viktoria auf große Resonanz stieß (wir berichteten).

Mit dem Blues-Meister aus Hamburg spielten die acht Cajon-Musiker mehrere Titel, darunter drei Stücke in unterschiedlichen Rhythmen: „Hoochie Koochie Man“ (von Muddy Waters), „Someday Baby“ (Bob Dylan) und „Decoration Day“ (Drive-By Truckers). Und Abi Wallenstein erzählte Wissenswertes über den Blues im Allgemeinen: „Er ist um 1910 im Süden der USA entstanden, in seinen Songs wird viel über das Leben und seine Stimmungen erzählt.“ Das brachte anschließend das Konzert zum Ausdruck, der Lohn war großer Applaus von den knapp 70 Zuhörern in der geschlossenen Gesellschaft.

Auch Abi Wallenstein war begeistert: „Es ist ein kollektives Erlebnis, in einer Gemeinschaft trotz einer Behinderung Musikalität erzeugen zu können. Und nicht nur das: Sie alle lernen gemeinsam etwas dazu – vom Instrument, das sie spielen, bis hin zum Rhythmus, den sie damit machen. Dafür haben sie schon ein gutes Gefühl entwickelt.“

Die Organisatoren waren sehr erfreut: „Das war besser als gedacht“, resümierte Ingrid Ebinal. „Vor allem, weil Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung gleich gerne dabei sind“, ergänzte Thomas Engel, ihr Mitstreiter im Verein K9.

Das Konzert wurde mitgeschnitten und wird in zwei Folgen im Offenen Kanal ausgestrahlt. Das hatte es auch verdient, denn Workshop-Leiter Martin Röttger sah den Erfolg: „Sie haben ihre Scheu und Selbstzweifel schnell überwunden. Einige meinten, sie könnten das nicht. Dann haben sie schon nach zehn Minuten bemerkt, dass es doch geht.“

Auch die Cajon-Spieler waren sehr angetan, vor allem vom Musiker. „Es ist mir eine Ehre, mit Abi zu spielen“, sagte Lisa (15) aus Itzehoe. „Ich habe schon viel von ihm gehört, aber hier kann ich von ihm auch noch etwas lernen.“ Finn-Ole (14) aus Breitenburg-Nordoe meinte: „Das Trommeln bringt viel Spaß, und der Musiker ist sehr nett. Man kann gut mit ihm zusammen spielen.“

Kaum hatten die jungen Musiker das gesagt, mussten sie weiter: Schließlich brauchten sie noch ein Autogramm von Abi Wallenstein. Aber auch ihre eigenen Unterschriften waren gefragt: Die Beteiligten verewigten sich mit ihrer Unterschrift auf kleinen Postern mit Abi Wallensteins Konterfei.>

Mitschnitt des Konzerts im Offenen Kanal: jeweils Montag, 17. April und 15. Mai, 16 bis 17 Uhr.

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