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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 18:07 Uhr

Kontrastreich und wohlklingend

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Jahresauftakt-Konzert der Freunde des theater itzehoe bot wieder einmal einen künstlerischen Leckerbissen. „Die Singphoniker“, fünf A-cappella-Sänger und ihr Pianist, konnten die überbordenden Beifallsbekundungen ihres Publikums nur durch eine 100-prozentig wirksame letzte Zugabe dämpfen, ein mirakulös müdemachendes „La-Le-Lu“, das „Gute-Nacht-Lied“ von Heino Gaze, das Heinz Rühmann so anrührend singen konnte. Aber auch diese Zugabe arrangierte das Sangesquintett wie ein Kunstwerk, ein exakt intonierter Ensembleklang mit blitzsauber einrastenden Harmonien. Getragen von den beiden tiefen Stimmen (Christian Schmidt, Bass, und Michael Mantaj, Bariton) entwickelten die beiden Tenöre (Daniel Schreiber und Henning Jensen) eine Tonsprache voller Klarheit und Wohlklang. Der Countertenor David Erler fügte sich als Neubesetzung nahtlos in die Stücke ein, bei denen er nach vier Tagen Proben schon mitmachen konnte.

„The secret of Love“ nannte das Sextett sein Programm, in denen es überraschende Kontraste zusammenstellte, so zum Beispiel „I want to hold your hand“ von den Beatles mit Franz Schuberts „Ständchen„ sowie mit Eichendorff/Mendelssohns „Abendständchen“. Auch am Beispiel von Simon und Garfunkel („Cecilia“) sowie Micheal Jackson („I’ll be there“) zeigte das Ensemble, welch musikalisches Potential in der Popmusik des ausgehenden 20. Jahrhunderts steckt.

Besonders witzig: die bitterbösen Lieder Georg Kreislers, die die Geheimnisse der Liebe schwarzhumorig klären.

Einen besonderen Schwerpunkt des Programms, der vom Publikum allerdings mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, bildete die zeitgenössische Komposition „Chatroom“, in der der Komponist Enjott Schneider den Wortmüll des Internets als eine sich steigerende Kakophonie abbildet. Dadurch will er den Abkürzungsschwachsinn („bab“ = Bussi auf Bauch) als Ausdruck ungewollter Selbstentblößung entlarven. Welche Kunst: Was man nicht verstehen kann, präsentiert das Sextett verständlich! Fazit: Großartig!

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erstellt am 20.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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