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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 07:12 Uhr

Fundbüro : Kontaktbörse für verlorene Dinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Fundbüro ist erste Anlaufstelle für Pechvögel. Liste auf der Homepage soll helfen, dass Besitzer und Fundstück wieder zusammenfinden

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Abgegeben wird alles, was man verlieren kann – von der Brille über die Armbanduhr und das Handy bis hin zu Hemd und Hose. Momentan steht sogar eine Kleinkaliber-Pistole auf der Liste der abzuholenden Gegenstände. Aber holen die Finder ihre Sachen auch wieder ab? Wissen sie überhaupt, dass etwas, was sie verloren haben, hier angekommen ist? Um das zu gewährleisten, hat das Fundbüro in Glückstadt den Sprung in die Informationsgesellschaft vollzogen. Dies macht es leichter, dass Gegenstand und Besitzer wieder zueinander finden. Auf der eigenen Homepage (www.glueckstadt.de) sind die Dinge unter den Stichworten „Bürgerservice“ und „Fundsachen“ auf einer „Veröffentlichungsliste“ aufgeführt, die abgegeben wurden.

Eingebunden in das Bürgerbüro, sind drei Mitarbeiterinnen ständig ansprechbar. „Da wir bürgerfreundlich sind, nehmen wir fast alles an, die Wertgrenze liegt aber bei zehn Euro“, sagt die Verwaltungsfachangestellte der Stadt, Bianka Schütt. Abgeholt werden können die Gegenstände zu den Öffnungszeiten. „Wir sind bis 16 Uhr auch telefonisch erreichbar.“ Wenn jemand etwas abgibt, wird eine Fundanzeige aufgenommen, mit Unterschrift bestätigt und mit einem Fundanhänger versehen. Damit der Verbleib überwacht wird. Per Fax geht eine Mitteilung zum Abgleich an die Polizei. „Das ist schon ein gigantischer Aufwand für manche Dinge von geringem Materialwert“, findet sie. Trotzdem sei der nötig, denn oftmals hingen ganz wichtige Dinge daran wie zum Beispiel bei Haustür- oder Autoschlüsseln oder Brieftaschen.

Obwohl sich das Einzugsgebiet der Fundsachen rein auf das Stadtgebiet bezieht, kommen auch immer mal wieder Besucher aus Kollmar, das eigentlich zum Amt Horst/Herzhorn gehört und somit ein eigenes Fundbüro hat. „Da wir sie nicht wieder wegschicken wollen, nehmen wir die Stücke dennoch an.“

Wenn sie alles zusammen zählen, sind es über 150 Teile im Jahr, die das Glückstädter Fundbüro erreichen. Gefunden werden in der Zeit der Hauptsaison in den Sommermonaten hauptsächlich Wertgegenstände wie Portemonnaies, Ausweise, Papiere oder Handys. Schmuck bewahren die Mitarbeiter gesondert in einem Panzerschrank auf.

Auch viele Fahrräder werden abgegeben. Die müssen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sechs Monate lang in Verwahrung bleiben. Dafür gibt es extra eine Garage im Untergeschoss der Verwaltung. „Die Fahrräder sind meist nicht in gutem Zustand viele sind reparaturbedürftig“, sagt der Standesbeamte Heiko Nitsch. „Früher habe ich die nicht abgeholten Räder auch versteigert, aber das lohnt sich heute nicht mehr, der Aufwand ist zu groß“, sagt er. Denn bei Regen kam keiner.

Dann wurden sie einige Male auch über ein Computerprogramm im Internet versteigert. Das ist aber ebenso aufwändig, wenn ein Foto und eine detaillierte Beschreibung erstellt werden müssen. „Die erzielten Erlöse standen oft in keinem Verhältnis dazu.“ Ein Interessent ersteigerte ein Fahrrad für fünf Euro. „Er kam aber aus Zwickau und musste das gute Stück selber abholen, weil wir es wegen des Kostenaufwandes für Verpackung und Versicherung nicht selber verschicken können“, so Heiko Nitsch.

Wenn Fahrräder keinen Gewinn versprechen, dann werden sie „gemeinnützig verwertet“ und beispielsweise an Einrichtungen wie den Eulenhof oder die „Toys Company“ weiter gegeben, wo Ein-Euro-Kräfte sie reparieren oder aus mehreren defekten wieder ein funktionstüchtiges neues Fahrrad machen.

Es handelt sich aber meist weniger um Kuriositäten. „Wir sind froh, dass wir die Pistolen und Macheten los sind“, sagt Heiko Nitsch. Die gab es tatsächlich, die Stadtmitarbeiter haben sie aber zur Vernichtung an die Polizei abgegeben. Zuletzt war ein Koreaner in der Stadt, der seine Brieftasche mit Ausweis, Papieren, Geldkarten und Bargeld in einer Bäckerei hat liegen lassen. Die Inhaberin hat sie abgegeben, und der Mann hat seine Gegenstände zwei Tage später wieder zurück bekommen. „Ich habe selten so einen glücklichen Menschen gesehen“, so Bianka Schütt.

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