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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 23:41 Uhr

Zeitgeschichte : Konsum im Kinderzimmer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landrat Torsten Wendt eröffnet neue Ausstellung im Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 12:57 Uhr

Der Liebling von Anita Chmielewski steht gleich am Eingang des Kreismuseums Prinzeßhof. Dort hat die Leiterin seit vielen Jahren einen Kaufmannsladen stehen. „Der ist das absolute Highlight bei unseren Besuchern – egal ob bei Großeltern oder Enkeln.“

Und die Nachfrage nach dem Spielgerät wird bei der neuen Ausstellung, die Sonntag, 11. Oktober, 11 Uhr, offiziell eröffnet wird, sicher noch zunehmen. Denn der Titel lautet: Konsum im Kinderzimmer – Spielzeugkaufläden in Ost- und Westdeutschland. Passend zum 25-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit präsentiert das Museum wieder Alltagsgeschichte aus über 70 Jahren. Rund 40 Kaufmannsläden wird Anita Chmielewski in zwei Räumen im Obergeschoss des Museums zeigen – um den Wandel vom Tante Emma Laden zum Supermarkt dokumentieren. Dabei bekommen Besucher eine Ausstellung mit Exponaten des Sammlers Jörg Bohn aus Nordrhein-Westfalen zu sehen, die bis vor kurzem in Thüringen gezeigt worden ist.

„Die Besucher können sehr gut nachvollziehen, wo die Unterschiede zwischen Ost und West lagen“, sagt Anita Chmielewski, die das auf zwei Worte zuspitzen kann: „Warenangebot und Design.“ Während die Kaufmannsläden aus der DDR eher schlicht daher kamen und vor allem Brot, Wurst und Mehl vorrätig gehabt hätten, liegen in den Regalen des Westläden schon früh aufwändig gestaltete Verpackungen von Markenartikeln. „Ich zeige etwa auch einen Kaufmannsladen, der aus der US-Besatzungszone stammt – aber kaum bespielt wurde“, sagt Chmielewski. Schon dort stehen Marken wie Birkel oder Maggi, der Laden hat einen geschwungen Tisch. „Oft sind die Moden der Zeit in den Läden wieder zu erkennen“, sagt die promovierte Volkskundlerin.

Doch ab und zu verwischen die Grenzen, denn nicht selten wurden die Holzkonstruktionen für die Läden in Ostdeutschland gefertigt – die Westartikel kamen dann erst im kapitalistischen Ausland in die Regale.

Auch ein auffälliges Bild, das Heidi Andresen im Obergeschoss an die Wand gemalt hat, illustriert die Unterschiede. Auf dem oberen Teil des Gemäldes kauft eine Familie im Westen ein, auf dem unteren geht eine Mutter mit ihren Kindern an fast leeren Fenstern vorbei. „Da galt im Osten ja oft der Spruch: Es gibt alles, nur nicht immer, nur nicht überall und schon gar nicht wenn es gerade gebraucht wird. Doch auch wenn es im Osten oft eine Mangelwirtschaft war, hat der Kaufmannsladen als Spielgerät die Jahrzehnte überdauert“, sagt Chmielewski. Sie muss es wissen, denn wenn sie die vielen Kaufmannsläden betrachte, dann werde auch in ihr das Kind wach.

>Landrat Torsten Wendt wird Sonntag, 11. Oktober, 11 Uhr, die Ausstellung eröffnen. Danach wird es eine Einführung von Anita Chmielewski geben, im Anschluss gibt es Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen. Weitere Infos auch unter www.wirtschaftswundermuseum.de oder www.kreismuseum-prinzesshof.de.

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