Stadtjubiläum : Konkurrenten werden zu Freunden

Vor dem großen Pentz-Bild im Rathaus: Nachfahre Kerstan von Pentz und Ruth Möller, die die Sanierung des Bildes möglich gemacht hatte.
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Vor dem großen Pentz-Bild im Rathaus: Nachfahre Kerstan von Pentz und Ruth Möller, die die Sanierung des Bildes möglich gemacht hatte.

Festakt zum 400-jährigen Bestehen der Stadt Glückstadt mit Grußworten aus Hamburg und Dänemark.

shz.de von
23. März 2017, 04:49 Uhr

„Hamburg hat Glückstadt das Ansinnen verziehen“, scherzte Ole von Beust gestern beim Festakt zum 400-jährigen Bestehen im Rathaus. Denn als König Christian IV. Glückstadt am 22. März 1617 gründete, war sein Ziel: mächtiger zu werden als Hamburg. Die Geschichte zeigte, es kam anders.

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister war Ehrengast des Festaktes. Von Konkurrenz war keine Rede mehr, stattdessen betonte er: „Wir leben jetzt in einer Metropolregion. Wir suchen gemeinsam den wirtschaftlichen Nutzen.“ Es gebe große Potenziale, „auch in Glückstadt“. Er selbst sei bei den Matjeswochen in Glückstadt gewesen. „Das geht noch besser“, sagte Ole von Beust. Die Stadt müsse sich noch besser vermarkten, sie besser bewerben. Denn in Hamburg stiegen die Mietpreise, Glückstadt könnte Wohnraum schaffen. Anerkennendes Gemurmel erntete er für seine Forderung, die Bahnanbindung zwischen Glückstadt und Hamburg zu verbessern. Applaus gab es für die Worte, dass ein Anschluss an den Hamburger Verkehrsverbund notwendig sei.

Zu der hervorragenden Musik, gespielt von Kathrin Spillner und Alexander Annegarn von der Glückstädter Musikschule, sagte der Hamburger: „Ein Hauch von Elbphilharmonie.“ Zudem gratulierte er zum runden Geburtstag und wünschte „Glück für die nächsten 400 Jahre“.

Die Gäste, die die Rede verfolgten, waren unter anderem Sponsoren des Stadtjubiläums, kamen aus der heimischen Wirtschaft, von Vereinen und Verbänden. Dabei waren auch Umland-Bürgermeister, Landrat Torsten Wendt und Kreispräsident Peter Labendowicz. Aus Kiel war Kulturstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer dabei. Gekommen waren auch Kerstan und Joachim von Pentz. Ihr Vorfahre war der erste Gouverneur von Glückstadt und Schwiegersohn von Christian IV..

Weiterer Gastredner war William Boe, Gesandter der dänischen Botschaft in Berlin. Die Festrede hielt Christian Boldt, Leiter des Detlefsen-Museums. Zudem sprach Poetry-Slammerin Mona Harry darüber, warum der Norden so schön ist. Durch das Programm führte Bürgermeisterin Manja Biel nach einer typisch norddeutschen Begrüßung: „Moin, moin!“

William Boe erklärte in seiner Festrede: „Glückstadt hat für uns Dänen eine ganz besondere Bedeutung. Sie wurde von einem dänischen König gegründet.“ Und habe die Göttin Fortuna im Stadtwappen. „Sie gehören zu den glücklichsten Menschen“, sagt er über die Glückstädter. „Wir Dänen schneiden aber auch ganz gut ab.“


Nachbarschaft ist ein Erfolgsmodell


Auch er ging auf das Ziel der Stadtgründung an der Elbe ein. Sei sie damals von Rivalität geprägt gewesen, heute sei es anders. „Heute sehen wir auf die Zusammenarbeit, wir lernen aus der Vergangenheit.“ William Boe hob hervor, dass Dänemark und Deutschland nie weit auseinander lagen. „Es gibt viele praktische Berührungspunkte. Das politische und kulturelle Interesse am Nachbarn ist gestiegen. Es ist ein Erfolgsmodell.“ Zudem hob er die Werte Europas hervor. „Die Mehrheit fühlt sich als Bürger Europas.“

Mona Harry begeisterte mit ihrem Statement zum Norden. „Das Wetter ist anders als im Süden“, sagte sie und fragte: „Aber warum zieht es mich immer wieder hierher?“ Und das trotz der langweiligen Landschaft, „selbst die Kühe sind schwarz-weiß“. Die Städte im Süden seien schöner als im Norden: „Sie sind nur falsch aufgestellt.“

Die Festrede von Christian Boldt bezeichnete er selbst als Ritt durch die Geschichte. Untermalt wurde sein Vortrag durch Bilder der Stadtgeschichte. Boldt sprach von der Gründung nach Idealstadtentwürfen der Antike und der italienischen Renaissance. Entworfen auf dem Reißbrett „und mitten in die von Sturmfluten geplagten Wildnisse gesetzt“. Die Gründung Glückstadts spielte dabei eine entscheidende Rolle auch zur Kontrolle der wichtigen Handelsmetropole Hamburg. Eigentlich wollte der König die von seinem Großvater ausgebaute Festung Krempe so nach vorne bringen, dass sie ihm als Stützpunkt dienen konnte. Doch der Anschluss an das Wasser fehlte, deshalb entstand Glückstadt an der Elbe. Christian IV. gehörte damals zu den reichsten Fürsten Europas.

1616, nachdem die „Wildnisse“ beiderseits der Rhinmündung eingedeicht waren, soll Christian selber den Grundriss für Stadt und Festung abgesteckt haben. Im selben Jahr wurde mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen. 1629 bis 1631 ließ der dänische König die Glücksburg für sich bauen. Das Schloss überdauerte ihren Bauherrn nur 60 Jahre. „Denn es war auf weichem Grund direkt am Hafen gebaut und wurde deshalb 1708 wieder abgerissen.“


Neue Bürger durch Religionsfreiheit


Christian Boldt sprach auch über die Religionsfreiheit, mit der der König neue Bürger in die Stadt holte. Von 1619 an zogen Kaufleute, Ärzte, Münzmeister, Naturwissenschaftler und andere Gelehrte in die Stadt. Daran erinnere heute noch der jüdische Friedhof.

Im Dezember 1643 fiel überraschend der schwedische Heerführer Torstenson ohne Kriegserklärung in das dänische Reich ein. Bis Mitte Januar 1644 war ganz Jütland erobert. Die Verteidigung in den Marschen organisierte Reichsgraf Christian von Pentz, Amtmann von Steinburg und Kommandant in Glückstadt.

„Nach dem Ende der Festung Glückstadt Anfang des 19. Jahrhunderts ging es militärisch gesehen ruhiger zu. Es bestimmten jetzt die großen bauchigen Grönlandfahrer-Schiffe und die Boote der Kleinschiffer die Hafenkulisse“, schilderte Boldt.

1845 bekam Glückstadt Anschluss an das Eisenbahnnetz. Und 1928 erlangte die Druckerei J. J. Augustin internationale Bedeutung durch den Druck von Büchern. Christian Boldt warb bei den Gästen dafür, die Druckerei mit ihrem noch vorhandenem Inventar von damals zu retten.

Nach dem Festakt trugen sich die Gäste ins Gästebuch ein und trafen sich zum Essen und Austausch im Ratskeller.

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