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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 02:53 Uhr

Neubaugebiet : Kompromiss am Kratt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ausschuss beschließt neue Zufahrt für Neubaugebiet von der Jahnstraße – Anwohner sind zufrieden.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 12:00 Uhr

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Uwe Schuster. Der Anwohner aus dem Kratt steht vor dem Historischen Rathaus, in dem der Stadtentwicklungsausschuss gerade eine Erschließungs- und Bebauungsvariante zum geplanten Neubaugebiet Eichtal/Kratt verabschiedet haben. „Das geht in die richtige Richtung. Wir können mit dem Kompromiss leben, wenn auch zähneknirschend“, sagt Schuster.

Seit Monaten hatten die Anwohner gegen die Erschließung des Baugebietes, das zunächst nur 40 Bauplätze haben sollte, über die Waldstraße Front gemacht. „Das hat sich gelohnt“, sagt Schuster. Denn die Verwaltung präsentierte in der Sitzung den Plan, das Baugebiet, in dem nun bis zu 100 Häuser entstehen könnten, über eine neue Baustraße zu erschließen, die von der Jahnstraße ins Kratt führen soll.

In vorangegangenen Sitzungen des Ausschusses und Diskussionen mit den Anwohnern waren verschiedene Varianten diskutiert worden. Eine Anbindung von Westen über das ehemalige Weese-Gelände und von Süden über die Große Paaschburg hat die Verwaltung aus ökonomischen und ökologischen Gründen verworfen. Und auch der vorher diskutierte Ausbau der Waldstraße dürfte damit vom Tisch sein, allenfalls ein Anschluss an die neue Straße, die nach dem Bau fertig gestellt wird, ist möglich. „Dagegen haben wir auch nichts, denn dann wird der Hauptverkehr nicht über die Waldstraße laufen“, sagt Schuster. Die Baustraße soll rechtzeitig vor den Arbeiten fertig sein.

In der Sitzung präsentierte der neue Stadtplaner Marc Springer die Pläne. „Die Anbindung über die Jahnstraße ist optimal und hat nur minimale ökologische Eingriffe zur Folge – dazu ist es wirtschaftlich die optimalste Lösung.“ Rund 312  000 Euro soll die Erschließung kosten.

Auch die Politiker begrüßten den Kompromiss. „Das ist der goldene Mittelweg. Eine zentrale Forderung der Anwohner ist erfüllt, denn sie werden jetzt nicht durch Baulärm von der Waldstraße gestört“, sagte der Ausschussvorsitzende Sönke Doll (SPD). Kirsten Lutz (DAF) sorgte sich um die Natur, schlug vor, in das Dammbauwerk der neuen Straße eine Brücke zu integrieren. Bodo Schmedtje, Leiter der Tiefbauabteilung, will nun prüfen, ob der Bach etwa durch ein Rohr unter der Straße geleitet werden kann. Noch sei alles vorläufig, die Bürger hätten noch genügend Gelegenheit, die Pläne zu beeinflussen, wenn erst das formelle Bebauungsplanverfahren eröffnet sei.

Die neue Straße wird auch über Privatgrundstücke führen. Mit den Eigentümern habe es erste positive Gespräche gegeben, so Bürgermeister Andreas Koeppen. 5,50 Meter soll die Straße breit werden, daneben wird ein 2,50 Meter breiter Randstreifen mit Gehweg entstehen. „Wir werden zu den Grundstücken einen Abstand von fünf Metern haben“, sagte Schmedtje. Auch der Bau einer Lärmschutzwand sei möglich.

Auf etwas Krach müssen sich die Anwohner aber dennoch einstellen. Ab dem 5. Oktober beginnen der Abriss der Lauben und die Räumung des ehemaligen Kleingartengeländes, auf dem später neue Häuser und Wohnungen entstehen sollen. Ende Oktober sollen die Arbeiten beendet seien, der Schutt wird über die Waldstraße abgefahren. Der Spökelweg, den viele Kinder als Schulweg nutzen, soll in der Zeit gesperrt werden. „Das finden wir natürlich nicht toll, aber wir können damit leben“, so Uwe Schuster. Ihm macht vor allem noch eines Sorgen: eine fehlende Notzufahrt zum Kratt. „Die wird geprüft“, sagte Bauamtsleiterin Bettina Bühse. Es gebe zwei Varianten, entweder Richtung Großer Paaschburg oder Richtung Oelixdorf. Feuerwehr, Polizei und das Amt für Bürgerdienste hätten die möglichen Wege schon besichtigt. Bühse: „Wir wissen, dass das ein generelles Bedürfnis ist und dass es bald umgesetzt werden muss und wird.“

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