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Es gibt viel zu tun : Kompostierung auf Hochtouren

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

In diesen Wochen wird ein Drittel der Jahresmenge an Grünabfall bei der Bioabfall-Kompostierung am Bahnhof in Wilster angeliefert.

„Wenn das Laub fällt, ist das für uns der Startschuss für die Herbstsaison“, sagt der Leiter der Bioabfall-Kompostierung (BAK) auf dem Bahnhof Wilster, Marcus Gruber. In diesen Wochen wird etwa ein Drittel der Jahresmenge zwischen 3000 und 4000 Kubikmeter Grünabfall zur Kompostierung angeliefert, weiß er aus seiner mittlerweile 22-jährigen Erfahrung. Er ist ein Mann der ersten Stunde, gehört von Beginn an zur BAK.

Die Bioabfall-Kompostierung ist Teil eines Projekts, das von Dr. Helene Gall geführt wird. Sie ist seit 14 Jahren für den Verein „Jugend und Beruf“ tätig, in dem sich die Strukturen in jüngster Zeit deutlich verändert haben. Von „Jugend und Beruf“ wurde die BAK zunächst in die „Alt & Wert GmbH“ in Lägerdorf übergeführt. Mit dem Eintritt der Schuldnerberatung als weitere Gesellschafterin erfolgte die Umbenennung in „Steinburg Sozial“. Inzwischen ist die Diakonie Altholstein mit Sitz in Neumünster als geschäftsführende Gesellschafterin hauptverantwortlich.

In der Bioabfall-Kompostierung sind zurzeit 21 von 24 Plätzen einer Beschäftigungsmaßnahme besetzt, die seit dem 1. Juli durch das Jobcenter befördert wird. In der Maßnahme werden nicht nur Langzeitarbeitslose, sondern auch Suchtkranke und deren Angehörige sowie Menschen mit psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen beschäftigt. „Also Leute mit multiplen Vermittlungshemmnissen“, beschreibt Marcus Gruber. Die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt stehe deshalb auch nicht im Vordergrund. „Dass es hier Leute gibt, die sich gut entwickeln, macht einfach Freude“, stellt Dr. Helene Gall fest. Ein Beispiel ist Holger Jespersen aus Itzehoe, der aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen kaum noch leistungsfähig gewesen war. Seine Arbeit in der BAK, sein Einsatz an der frischen Luft und die Wertstellung seiner Tätigkeit haben ihm wieder Kraft gegeben. „Jetzt fahre ich täglich mit dem Fahrrad von Itzehoe nach Wilster und am Nachmittag wieder zurück.“ Jeden Tag wieder freue er sich auf seinen Job in der BAK. Dankbar ist Dr. Gall für die ehrenamtliche Mitarbeit von Mario Brauner und Glynn Downing. Brauner war einst selbst in einer Beschäftigungsmaßnahme und hat diese nach deren Auslaufen für sich persönlich durch die ehrenamtliche Mitarbeit verlängert. „Zuhause würde mir die Decke auf den Kopf fallen“, sagt er. Downing, gebürtiger Engländer, hat Eigeninitiative bewiesen und sich selbst um die ehrenamtliche Mitarbeit bei der Kompostierung bemüht.

Überhaupt loben Helene Gall und Marcus Gruber die Motivation der Teilnehmer. „Der Start war noch nie so gut wie in diesem Jahr. Es gibt so gut wie keine Krankmeldungen“, stellt Herlene Gall fest. Jeder arbeite nach seinen Möglichkeiten, solle versuchen, die Grenzen seiner eigenen Leistungsfähigkeit zu erkennen. So gibt es neben der schweren körperlichen Arbeit auf der Kompostierung auch den eigenen „Garten der Begegnung“, in dem Blumen und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut und geerntet sowie Gartengestaltung geübt und ein Biotop gepflegt wird. Im Kreativbereich werden Bienenhotels, Futterhäuser und Nistkästen gebaut, und in einer kleinen Fahrradwerkstatt werden Drahtesel fit für die Saison gemacht.

Trotz aller Freude über die laufende Maßnahme befindet sich die Bioabfall-Kompostierung in einer schwierigen Situation. „Unser Fuhrpark ist nicht der Neueste“, gibt Dr. Helene Gall zu bedenken. „Unser jüngstes Fahrzeug stammt aus dem Jahr 1980“, unterstreicht Marcus Gruber. Der Traktor für den Einsatz auf den Grünabfallbergen ist schon seit drei Jahren defekt, eine Reparatur ohne Spenden nicht möglich. Der Lkw, der täglich im Einsatz ist, wird immer reparaturanfälliger. Die einzige technische Unterstützung leistet ein Kleintraktor, der es aber allein nicht schaffen kann, die 6000 Quadratmeter große Gesamtfläche zu bearbeiten, die Grünabfälle umzuschichten und zu verarbeiten.

Dr. Helene Gall kündigt für die Zukunft weitere veränderte Strukturen an, um den Fortbestand der BAK zu sichern.Ein ganz neues Projekt wird das „Kaufhaus alt & wert“, das heute in der Feldschmiede 52 in Itzehoe eröffnet wird. Für den Verkauf werden 15 Teilnehmer einer weiteren Maßnahme des Jobcenters eingesetzt, vorbereitend auf die Arbeit im Einzelhandel.

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