Wilster : Kompostberge verschwinden

Die Feinsiebrolle sorgt für astreine Komposterde, die Baggerfahrer Stefan Reese für den Abtransport aufschichtet.  Fotos: Schwarck
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Die Feinsiebrolle sorgt für astreine Komposterde, die Baggerfahrer Stefan Reese für den Abtransport aufschichtet. Fotos: Schwarck

Auf der Anlage am Bahnhof durften keine Grünabfälle mehr abgeliefert werden. Betreiber Steinburg Sozial muss Gelände räumen.

shz.de von
08. August 2018, 05:09 Uhr

Die auf dem stadteigenen Bahnhofsgelände aufgeschütteten Berge von Grünabfall und Komposterde waren bislang die höchsten Erhebungen im Stadtgebiet. Schon in Kürze werden sie verschwunden sein. Der Betreiber der Anlage, die Steinburg Sozial GmbH als Rechtsnachfolgerin des Vereins Jugend und Beruf Wilster, kommt ihrer Verpflichtung nach, die in den Nutzungsverträgen mit der Stadt vereinbart worden war. „Wir müssen das Gelände räumen und dazu die Erde abfahren lassen“, betonte Bernd Hannemann, Vorsitzender von Steinburg-Sozial, der gestern zum Start der Räumaktion auch Bürgermeister Walter Schulz über den Sachstand informierte.

Über 25 Jahre lang war die Bioabfall-Kompostierung hinter dem alten Bahnhof von „Jugend und Beruf“ erfolgreich betrieben worden. Der Jahresumsatz lag bei zirka 1000 Tonnen Grünabfall. Angeliefert wurden die Grünabfälle von Privatleuten, aber auch von Gemeinden und Friedhofsverwaltungen in Wilster und der Wilstermarsch. Die sinnvolle Verwertung erbrachte große Mengen von Komposterde, die sowohl in privaten Gärten als auch in der Landwirtschaft ausgebracht wurde. Marcus Gruber als Betriebsstättenleiter von Steinburg-Sozial war begeistert von der ausgezeichneten Qualität der jetzt anfallenden Komposterde, nachdem sie durch die Feinsiebrolle von größeren Bestandteilen getrennt worden war. „Auch die Wilsteraner Bevölkerung kann sich hier bedienen“, waren sich Hannemann und Gruber einig. Sie können mit Schiebkarren oder Bollerwagen, in Eimern oder auch in Pkw-Anhängern ihren Bedarf an Komposterde decken. Baggerfahrer Stefan Reese von der Kompost- und Bauschutt-Aufbereitung (KBA) des Kreises Steinburg fügte hinzu: „Wir von der KBA sprechen beim Kompost von schwarzem Gold.“ Reese ist zurzeit am Bahnhof mit schwerem Gerät im Einsatz, um den Abtransport der feingesiebten Erde zu managen.

Die ganze Woche über werden täglich sechs 40-Tonnen-Tieflader die wertvolle Erde zur KBA nach Hohenlockstedt karren. Zirka 24 Kubikmeter machen eine Fuhre aus. Um die schweren Fahrzeuge nicht durch parkende Fahrzeuge am Straßenrand auf die Gehwege zu zwingen, hat die Stadt für diese Woche in der Bahnhofstraße beidseitig ein absolutes Halteverbot eingerichtet, das gestern auch von den meisten Autofahrern beachtet wurde. Am Mittag parkte allerdings ein Pkw mit Heider Kennzeichen in der Verbotszone.

Schon seit einigen Jahren konnte die BAK am Bahnhof nicht mehr mit aktuellen Grünabfall-Anfuhren genutzt werden. Das hatte der Kreis Steinburg untersagt, um mit der großflächigen Verteilung der braunen Tonne den Anschlusszwang an die KBA durchzusetzen. Auch die Abfallentsorgung aus Gemeinden und von Friedhöfen musste wegen hoher Auflagen aufgegeben werden. Mittlerweile gibt es auch seitens des Jobcenters keine Förderprogramme mehr, um das erforderliche Personal zu finden. Wie die Nachfolgenutzung auf dem freigeschaufelten Gelände aussehen wird, ist noch völlig offen. „Wir haben genug Ideen. Dafür werden aber noch Gespräche, unter anderem mit dem Job-Center, zu führen sein“, meinte Bernd Hannemann.

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