zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 22:14 Uhr

Schnelle Hilfe : Kommunikation muss stimmen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Breit angelegte Übung der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein auf dem Hungrigen Wolf in Hohenlockstedt.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2014 | 16:52 Uhr

Blutverschmierte Körperteile, eine luftsaugende Wunde im Bereich des Oberkörpers, ein krampfender Säugling, ein amputiertes Bein sowie Frakturen und schwere Verletzungen – so realistisch die Szenarien auf dem ehemaligen Heeresfliegerstützpunkt Hungriger Wolf auf den ersten Blick auch wirkten, niemand befand sich tatsächlich in Gefahr. Denn dort fand lediglich eine große Übung der kreisübergreifenden Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) mit 15 Stationen statt. Rund 60 angehende Rettungsassistenzen aus drei Ausbildungsjahren sowie Notfallsanitäter, die im August an der Rettungsdienst-Akademie Heide ihre Ausbildung begonnen haben, bewiesen unter den kritischen Augen ihrer Trainer, zu denen neben Lehrrettungsassistenten auch Dozenten der Rettungsdienstakademie in Heide gehörten, was sie bisher erlernt haben.

„Ihr habt das wirklich klasse gemacht“, betonte Jan Meuter, Dozent an der Rettungsdienstakademie, nachdem eine Gruppe von Rettungsassistenten die ihnen gestellte Aufgabe gemeistert hatte. Bot sich den angehenden Rettungsassistenten doch ein Bild des Grauens, als sie an der alten Werkstatt auf dem Übungsgelände eintrafen. Vor der Werkstatthalle saß das „Unfallopfer“ Colin Wolf, der aus unerklärlichen Gründen mit seinem rechten Unterschenkel in eine Walze gekommen war und sich nun in einem Schockzustand befindet. „Können Sie mich hören?“, fragte Ron Glissmann als Teamführer der vierköpfigen Mannschaft, während seine Teamkollegen schon Infusionen, Ampullen, Sauerstoff und Verbandszeug griffbereit hielten.

„Im Kern geht es zunächst darum, schnellstmöglich die Blutung zu stoppen, dem Unfallopfer hochdosiert Sauerstoff zukommen zu lassen, eine Infusion und im weiteren Verlauf nach Rücksprache mit einem Arzt, ein Schmerzmittel zu verabreichen“, erklärte der Dozent und betonte, dass es bei der Flächenübung nicht um das fachliche Prüfen der Assistenten gehe. Vielmehr solle der Austausch untereinander gefördert werden.

„Wir nennen das ‚Modell der vollständigen Handlung‘.“ Ziel sei es, so Meuter weiter, die fachliche Kompetenz zu erweitern und die kognitiven Fähigkeiten zu stärken und festigen. Zufrieden zeigte er sich bei der anschließenden Manöverkritik. „Das war eine schöne Rückkopplung aus dem Unterricht - es zeigt, dass doch was hängen geblieben ist“. Dank der guten Kommunikation wusste jeder Rettungsassistent was zu tun sei. Als besonders lobenswert nannte Meuter die Arbeit des Teamführers. Dieser habe lediglich delegiert und sich bei der Erstversorgung zurückgehalten, um strukturiert zu bleiben. Das nötige Feedback erhielten die angehenden Rettungsassistenten am Ende eines jeden Szenarios von ihrem Trainer, so dass dieses bereits an den weiteren zu durchlaufenden Szenarien bereits umgesetzt werden konnte.

Lob erhielt auch das Team, dass sich an der Station von Dozentin Christina Murr eingefunden hatte. War doch auch dort schnelles Handeln gefragt – auch wenn das durch einen Fieberkrampf bewusstlose Baby nur durch eine Puppe dargestellt wurde. „Unser Baby-Simulator bietet den Auszubildenden die Möglichkeit, an einem interaktiven, technologisch hochqualifizierten Trainingsmodell den Umgang mit kleinen Patienten in Notfallsituationen zu üben“, unterstricht Teamleiter Christian Mandel und fügte hinzu, dass dieser unter anderem über realistische intravenöse und intraossäre (in die Knochemarkshöhle) Zugänge verfüge und anatomisch genaue Atemwege für eine Simulation aller notwendigen Atemwegs- und Patientenversorgungstechniken bei Kindern besitze.

Ganz besonders wichtig, so Mandel, sei den Trainern und Dozenten auch die intensive Kommunikation der Helfer untereinander. „Nur dadurch sprechen wir im Zweifelsfall die gleiche Sprache“, sagte Mandel und fügte hinzu, dass dadurch auch medizinischen Fehler reduziert werden könnten. Schließlich habe sich das Unternehmen RKiSH höchste Qualität zum Wohl des Patienten zum Ziel gesetzt. „Der Schlüssel dazu sind unsere Mitarbeiter, die in der Rettungsdienst-Akademie auf dem Gelände des Westküstenklinikums in Heide ausgebildet werden.“ Inzwischen gehören auch die Notfallsanitäter dazu, die bei der Übung in Hohenlockstedt erst einmal nur als „Mitläufer“ dabei waren.

>Infos: www.rkish.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen