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Abfallkonzept : Kommt jetzt der Sperrmüll auf Abruf ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Ausschreibung für ein neues Entsorgungskonzept im Kreis Steinburg in Arbeit. Neuregelungen könnte es auch für enge Straßen geben: Fällt hier die Tonne weg ?

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erstellt am 05.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Während sich die Steinburger auch in den nächsten Jahren über unverändert niedrige Abfallgebühren freuen können, müssen sie sich bei der Art der Müllabfuhr wohl auf einige Veränderungen einstellen. Derzeit wird im Kreishaus die neue Ausschreibung von Entsorgungsdienstleistungen vorbereitet. Größte Veränderung: Künftig könnte es keine vier festen Sperrmülltermine mehr im Jahr geben, sondern nur noch Sperrmüllabfuhr auf Abruf. Aber auch an vielen Details wird gefeilt. Die Eckpunkte der Ausschreibung stellte jüngst Dr. Christoph Tiebel als Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Atus den Mitgliedern des Umweltausschusses des Kreistages vor.

Im Prinzip, so wurde in seinen Ausführungen deutlich, ist die Steinburger Müllabfuhr gut aufgestellt – mitunter allerdings auch zum Leidwesen der Müllwerker. So sind im Kreisgebiet zahlreiche Haushalte auf abgelegenen Grundstücken oder in Stichstraßen nicht mit den regulären Müllfahrzeugen, sondern nur mit Pritschenwagen zu erreichen. Hier müssen Mitarbeiter dann schwere Tonnen und Säcke per Hand auf die Fahrzeuge wuchten. Nach Einschätzung von Tiebel auch aus Gründen des Arbeitsschutzes ein unhaltbarer Zustand. Wörtlich sagte er: „Die gängige Praxis ist nicht zulässig.“ Sein Vorschlag: Die betroffenen Straßen müssten genau definiert werden. Und dann sollte dort nur noch Sackabfuhr zugelassen werden.

Im Extremfall müssten sogar die Papiertonnen abgeschafft werden. Papier und Kartons müssten dann säuberlich gebündelt an den Straßenrand gestellt werden. Alternativ könnte ein spezieller Fuhrpark angeschafft werden, was aber zu teuer sei.

Laut Kreisverwaltung geht es hier keineswegs nur um wenige Einzelfälle. Betroffen seien kreisweit rund 470 Grundstücke mit insgesamt 370 Papiertonnen sowie 50 bis 60 schwarzen Tonnen und etwa 40 Bioabfallbehältern.

Zweiter Knackpunkt ist die Sperrmüllabfuhr. Sie läuft derzeit als Straßensammlung viermal im Jahr. Tiebel hat hier eine ganze Fülle von Nachteilen aufgelistet: Immer wieder werden unerlaubt Restmüll, Elektrogeräte, Bauabfälle und gewerbliche Abfälle dazugestellt. An Sperrmülltagen seien zudem vor allem Metalldiebe unterwegs. Und Sperrmüllsammler sorgten fast rund um die Uhr für Belästigungen, Ruhestörung und erhebliche Abgase. Schließlich komme es auch regelmäßig zu Verschmutzungen vor allem in innerstädtischen Bereichen, für die dann die Kommune haften müsse. Einziger Vorteil: Die Abfuhr ist etwas kostengünstiger.

Tiebel schlägt daher Sperrmüll auf Abruf vor. Zweimal im Jahr könnten Haushalte dann per Telefon oder online ihren genauen Bedarf anmelden. Bei Elektro-Großgeräten funktioniere das bereits reibungslos. Da die Zahl der Sperrmülltermine deutlich verringert würde und auch die Touren optimal organisiert werden könnten, gebe es zur Straßensammlung am Ende keinen großen Kostenunterschied.

In der Politik wird das Thema allerdings noch kontrovers diskutiert. Während es bei der eingeschränkten Müllabfuhr in zu engen Straßen keine einzige Wortmeldung gab, gingen beim Sperrmüll die Meinungen auseinander. Der Hohenasper Kreistagsabgeordnete Dr. Ralf Dudde (CDU) plädierte für eine Beibehaltung des jetzigen Systems. Schließlich habe man sich „an unsere polnischen Mit-Europäer auch schon gewöhnt“. Sein Kellinghusener KollegePeter Löbel pflichtete bei: „Bei uns funktioniert das ganz gut.“

Manfred Schmiade (SPD) hingegen könnte sich „schweren Herzens“ mit einer Umstellung anfreunden. Nur so könne man Verschmutzungen und Diebstähle vermeiden. Auch gehe die extreme Verkehrsbelastungen manchmal „durch die ganze Nacht“. SPD-Abgeordneter Niels Jurgons regte eine nach Städten und Dörfern unterschiedlich geregelte Sperrmüllabfuhr an. Der Glückstädter Pirat Dr. Siegfried Hansen schlug vor, einfach beide Varianten auszuschreiben und dann zu entscheiden.

Die Verwaltung hielt sich mit einer Empfehlung erst einmal zurück. Der Abteilungsleiter für die Abfallwirtschaft, Dieter Pape, wies allerdings daraufhin, dass allein die Stadt Itzehoe jährlich 15000 Euro für die nachträgliche Beseitigung von unzulässigem Sperrmüll aufbringen müsse. Zumindest eine Verringerung der Zahl der Sperrmülltermine mache aus seiner Sicht aber Sinn. Schließlich sei das Aufkommen sperriger Abfälle in den vergangenen Jahren um rund 25 Prozent zurückgegangen – auch weil viele Haushalte die Anliefermöglichkeiten in den Wertstoffhöfen nutzten.

Spannend wird am Ende auch die Frage, mit welchem Fuhrpark die Müllwerker künftig anrücken sollen. Aus wirtschaftlichen Gründen wird der Einsatz von so genannten Seitenladern empfohlen. Haushalte müssten ihre Tonnen dann an Abfuhrtagen an einer zuvor festgelegten Straßenseite deponieren. Die Müllabfuhr könnte dann durch nur noch einen Mitarbeiter auf den Fahrzeugen abgewickelt werden – was die Personalkosten deutlich senken würden. Außerdem: Pro Fahrzeug könnten rund 35 000 Euro eingespart werden. Das Problem: Weil es im Kreis sowohl Sack- als auch Tonnenabfuhr gibt, müsste der Fahrer alle paar Meter aussteigen.

Vor diesem Hintergrund rechnet Dieter Pape nicht damit, dass Entsorgungsbetriebe sich mit Seitenladern an der Ausschreibung beteiligen. Schließlich müssten im Jahr kreisweit rund 900 000 Müllsäcke in die Fahrzeuge bugsiert werden.

Keine Chancen hat wohl auch eine von Dr. Jürgen Ruge (Grüne) angeregte Festlegung auf Hybridfahrzeuge. Der Abgeordnete befürchtet, dass es vor allem im Glückstädter Raum zu erheblichen Belastungen durch den Fahrzeugverkehr komme, weil sowohl Papier- als auch Restmüll hier angeliefert werden. Nach Einschätzung des Gutachters seien Hybridfahrzeuge aber extrem teuer und wegen ihrer geringen Nutzlast im ländlichen Raum nicht zu empfehlen. Und Elektrofahrzeuge gebe es bislang erst im Probebetrieb.

Die Ausschreibung der Entsorgungsleistungen sollen jetzt auf den Weg gebracht werden. Mit Ergebnissen rechnet die Verwaltung Mitte 2014. Dann muss endgültig die Politik entscheiden. In vielen weiteren Bereichen dürfte es aber kaum Veränderungen geben – auch nicht bei der Abfuhr von Tannenbäumen. Das will man im wesentlichen auch künftig ehrenamtlichen Organisationen wie den Jugendfeuerwehren oder den Wertstoffhöfen überlassen.


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