Unterwegs mit dem Zoll : Koks-Alarm auf der Elbe

Sie haben das Kokain gefunden: (v.l.) Thomas Grasedieck, Thomas Billert, Ulf Rahardt und Uwe Rocker.
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Sie haben das Kokain gefunden: (v.l.) Thomas Grasedieck, Thomas Billert, Ulf Rahardt und Uwe Rocker.

Glückstadt: Nach dem Fund von 300 Kilogramm Kokain gestern eine weitere Suche auf der Elbe nach Drogen-Taschen.

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27. Juli 2018, 05:01 Uhr

Kapitän Walter Funke gibt Gas. Gerade hat er erfahren, dass an der Tonne 66 eine Tasche gefunden wurde. Ein Segler hat es gemeldet. Der Kapitän der „Glückstadt“ fährt und gibt Anweisungen, das Beiboot klar zu machen.

Es ist 13.10 Uhr: Die Mitarbeiter des Zolls sind leicht angespannt. Denn an Bord des Zollkreuzers sind Pressevertreter. Eigentlich sollte ihnen nur gezeigt werden, wo am Montag die 300 Kilogramm Kokain im Wert von 60 Millionen Euro gefunden wurden (wir berichteten). Und jetzt das: Live dabei sein, wie die Zollfahnder im tatsächlichen Einsatz arbeiten.

Doch Thomas Gartsch, der zu der Pressekonferenz eingeladen hatte, muss erst mit Vorgesetzten abklären, ob in solch einer Situation an Bord gefilmt und fotografiert werden darf. Denn der Fund von Montag war spektakulär. Unklar ist, ob noch mehr Taschen auf der Elbe schwimmen. Und die Besitzer der Kokain-Päckchen, die an der Tonne 66 in Beuteln gefunden wurden, sind noch nicht gefasst. „Wir ermitteln noch“, sagt Zollfahnder Andreas Franke.

An Bord sind auch die vier Männer, die am Montag die 300 Kilogramm Koks in 15 Sporttaschen gefunden haben: Thomas Grasedieck, Ulf Rahardt, Thomas Billert und Uwe Rocker. Um 7 Uhr am Montagmorgen hatten sie den ersten Beutel entdeckt, herausgefischt und eine Probe im Schnellverfahren analysiert. Nachdem klar war, es ist Kokain, wurde weitergesucht. Hilfe hatten sie die nächsten Stunden dann von den alarmierten Kollegen an Land, der Polizei und einem Hubschrauber der Bundespolizei.

„Das ist der größte Fund in den vergangenen zehn Jahren“, hatte Thomas Gartsch zuvor auf der Pressekonferenz in Glückstadt verkündet. „Das Kokain sollte vermutlich aus der Elbe herausgeholt werden.“ Er gab sich zuversichtlich, dass die Hintermänner ermittelt werden. Zumal in solchen Fällen auch international zusammengearbeitet wird.

Für die Pressevertreter war ein Tisch gedeckt mit Paketen, verpackt in Stanniolpapier. Die Päckchen zeigte er mit übergezogenen Handschuhen: „Kokain ist Gift.“ Nur war in den Paketen kein Kokain, denn das hatte die Staatsanwaltschaft Itzehoe bereits ins Labor geschickt.

Als Thomas Gartsch dann rund eineinhalb Stunden später damit konfrontiert wird, dass wahrscheinlich ein Beutel voller Kokain gefunden worden ist, ist die Situation eine andere. Inzwischen ist auch die Küstenwache an der Tonne 66 angekommen.

Thomas Grasedieck und Uwe Rocker machen das Schlauchboot klar, um die Tasche aufzugreifen, die im Wasser treibt. Es kommt eine leichte Enttäuschung auf, denn schon vom Zollboot aus ist zu sehen, dass es sich um eine andere Tasche handelt als die vom Montag. An Bord ist dann klar: Es ist eine Kühltasche mit zwei Flaschen Wasser. Trotzdem suchen die Zollbeamten wie vorher auch weiter das Wasser ab. Kapitän Funkte fährt langsam, so wie es bei Einsätzen üblich ist. Am Ufer steht – wie auch schon am Montag – ein Auto der Zollkollegen vom Land. Sie suchen das Ufer ab.

„Es ist gut, dass der Freizeitkapitän den Fund gemeldet hat“, sagt Walter Funke. Dann ist klar: Es wird nichts mehr gefunden, die Fahrt geht zurück in den Hafen Glückstadt.

Um 15 Uhr machen die Zollbeamten das Schiff am Steg fest. Draußen ist es heiß, es sind 35 Grad. Jetzt dreht sich das Gespräch nicht mehr um Drogen, sondern um eine kalte Cola.

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