Landwirtschaft : Kohltage können kommen

Richten zum zweiten Mal nach 2011 den Anschnitt aus: Susanne und Jan Vollmert aus Brunsbüttel.
Richten zum zweiten Mal nach 2011 den Anschnitt aus: Susanne und Jan Vollmert aus Brunsbüttel.

Die Trockenheit ist bislang kein Problem: Landwirt Jan Vollmert aus Brunsbüttel erwartet eine ordentliche Kohlernte im September.

shz.de von
22. Juli 2018, 12:00 Uhr

Zuckerrüben, Ackerbohnen, Getreide – und natürlich Kohl. Insgesamt 65 Hektar Land bewirtschaften Susanne und Jan Vollmert im Brunsbütteler Ortsteil Westerbelmhusen. Der Kohl hat für sie in diesem Jahr wieder eine besondere Bedeutung. Am 18. September findet der Auftakt der 32. Dithmarscher Kohltage auf ihrem Hof statt – zum zweiten Mal nach 2011. In den folgenden Tagen müssen dann bis zu 360 000 Kohlköpfe geerntet werden.

Herr Vollmert, vielen Landwirten hat die lang anhaltende Trockenheit in den zurückliegenden Wochen und Monaten auf den Feldern zu schaffen gemacht. Ihnen nicht?
Jan Vollmert: Hier in der Marsch hatten wir nicht so die großen Probleme mit der Trockenheit. Das Getreide auf unseren Feldern steht. Aber natürlich werden auch wir Abstriche bei den Erträgen machen müssen.


Wie steht es um den Kohl?
Jan Vollmert: Die Dithmarscher Kohltage sind nicht in Gefahr. Im Mai haben wir gepflanzt. Die Setzlinge sind sehr gut angewachsen. Wir haben nur ein paar Ausfälle zu beklagen. Damit kann ich allerdings leben.


Der Wassermangel hat den Setzlingen also nicht zugesetzt?
Jan Vollmert: Nein. Mir ist es auch lieber, wenn der Kohl zunächst verhalten Wasser bekommt, damit er tiefer wurzelt. Ein ordentliches Wurzelsystem ist wichtig, um später einen ordentlichen Kopf zu bilden.


Erwarten Sie in diesem Jahr eine gute Ernte?
Jan Vollmert: So wie es momentan aussieht, hoffe ich zumindest auf eine durchschnittliche Ernte. Im vergangenen Jahr war die Ernte sehr gut. Unsere Kisten und Läger waren voll – obwohl wir durch das Regenwetter gar nicht alle Köpfe vom Feld bekommen haben.


Aber der Preis war nicht gut…
Jan Vollmert: Stimmt. Wir haben unser Einkommen aber durch Abschlüsse ein wenig sichern können. Sonst wäre es haarig geworden. Am Anfang der Saison gab es 3  Cent pro Kilogramm Kohl, mittlerweile liegt der Preis bei etwa 6 Cent. Wir müssten zwischen 18 und 20 Cent haben, um kostendeckend zu wirtschaften.

Und woran liegt das?
Jan Vollmert: Wir hatten in ganz Europa eine gute Ernte. Die hohe Erntemenge und die niedrige Nachfrage haben sich auf den Preis ausgewirkt. Damit war so nicht zu rechnen.


Frau Vollmert, am 18. September werden auf Ihrem Hof die 32. Dithmarscher Kohltage eröffnet. Warum haben Sie sich nach 2011 erneut dazu entschieden?
Susanne Vollmert: Wir sind oft gefragt worden, ob wir das Fest noch einmal ausrichten möchten. Es ist schwer, einen Kohlanbau-Betrieb zu finden, weil das sehr viel Arbeit macht. Da ich es auf dem Hof immer ganz ordentlich mag, ist das aber auch eine gute Gelegenheit aufzuräumen und auszumisten. Also haben wir zugesagt.

Wo bleiben Sie denn mit den ganzen Kisten und den Maschinen?
Jan Vollmert: Das größte Problem sind natürlich die Kohlkisten. Gott sei Dank habe ich einen Nachbarn gefunden, der den Kohlanbau eingestellt hat und uns seine große Halle zur Verfügung stellt.


Welche Bedeutung haben die Kohltage für Sie überhaupt?
Jan Vollmert: Die sind Werbung für unsere Region. Dithmarschen ist vom Tourismus geprägt – und der Kohl gehört zu Dithmarschen wie mittlerweile auch die Windkraft.


Alleine lässt sich das Fest nicht bewerkstelligen. Bekommen Sie Unterstützung?
Susanne Vollmert: Unsere Kinder helfen mit. Und unsere Nachbarn haben sich auch angeboten. Wir brauchen nur Bescheid zu sagen.

Jan Vollmert: Auch von der Stadt Brunsbüttel werden wir kräftig unterstützt. Die Feuerwehr hat angeboten, den Hof schier zu machen – und im Rahmen einer kleinen Übung abzuspritzen.


Wie viele Besucher erwarten Sie zum Kohlanschnitt?
Jan Vollmert: 4000 plus… Es ist natürlich schade, dass es die Fährverbindung nach Cuxhaven nicht mehr gibt. Das würde sicher noch mehr Gäste bringen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter mitspielt. 2011 hatten große Probleme mit den Parkplätzen. Diesmal habe ich vorgesorgt und zwei Flächen neben dem Hof mit Gras angesät.


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