Tagesklinik eröffnet : Körper und Seele – gemeinsam stark

Im Raum für Ergotherapie (von rechts): Chefarzt Professor Dr. Arno Deister, Staatssekretärin Anette Langner, Krankenhausdirektor Bernhard Ziegler und Zweckverbandsvorsteher Dr. Reinhold Wenzlaff.
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Im Raum für Ergotherapie (von rechts): Chefarzt Professor Dr. Arno Deister, Staatssekretärin Anette Langner, Krankenhausdirektor Bernhard Ziegler und Zweckverbandsvorsteher Dr. Reinhold Wenzlaff.

Klinikum Itzehoe eröffnet Psychosomatische Tagesklinik im Klosterforst. Ziel: Wohnort- und alltagsnahe Versorgung.

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25. Juli 2014, 12:00 Uhr

Schmerzen, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Verspannungen – die Leiden sind da. Aber einen organischen Befund gibt es nicht. „Viele körperliche Beschwerden können auch eine seelische Ursache haben“, sagt Professor Dr. Arno Deister, Chefarzt des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Klinikum Itzehoe. Für diese Patienten gibt es seit gestern die Psychosomatische Tagesklinik des Klinikums im zweiten Obergeschoss in der Beethovenstraße 2.

Fünf dieser Einrichtungen hatte das Land im Februar angeschoben, die Tagesklinik in Itzehoe ist als erste fertig. „Ganz großartig“ fand Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner die Umsetzung in „Rekordzeit“. Dr. Reinhold Wenzlaff als Vorsteher des Klinik-Zweckverbands nutzte das für eine Botschaft: „Sobald in Kiel etwas Geld sein sollte, sind wir immer ein geeigneter Ansprechpartner.“

Gut 50 Gäste hatten sich zur Feier angemeldet, viel mehr kamen. „Das zeigt, dass diese Einrichtung hier im Kreis notwendig ist“, sagte Anette Langner. Es sei wichtig, in der Psychosomatik neue Wege zu gehen. Die Erkrankungen und der Betreuungsbedarf nähmen zu, das sei auch eine große Herausforderung für die Gesellschaft: „Was läuft schief, dass immer mehr Menschen an ihrer Seele erkranken?“ Das Ziel sei eine gute, wohnort- und alltagsnahe sowie gestufte Versorgung.

In der Psychiatrie gebe es die zentralisierte Behandlung nicht mehr, sagte die Staatssekretärin. In der Psychosomatik dafür umso mehr, dieses Ungleichgewicht gelte es zu überwinden: „Psychosomatik muss noch mehr als bisher als Bestandteil der Grundversorgung in unserem Land etabliert werden.“ Grenzen der Versorgungsformen müssten schwinden – in Itzehoe sei mit dem seit 2003 praktizierten Regionalen Budget für Psychiatrie bewiesen worden, dass ein flexibles Behandlungsangebot die Notwendigkeit stationärer Versorgung verringere. „Da haben Sie wirklich Pionierarbeit geleistet“, sagte Langner zu Deister.

Der Chefarzt betonte, dass es in der Tagesklinik nicht nach Krankenhaus aussehe. Sie befinde sich „in einem ganz normalen Stadtteil in einem ganz normalen Bürogebäude“. Das Ausmaß der Behandlung und die Zeit dafür seien flexibel, von einem halben Tag pro Woche bis täglich, auch Sonnabend sei möglich. So reichen die 15 Plätze für insgesamt gut 30 Patienten. Das neue Angebot heißt „Steps“: „Stationäre Therapie ersetzende Psychosomatik“. Aber auch „Steps“ für Stufen, denn jeder bekomme abgestuft das, was er brauche, und könne dabei in seinem sozialen Umfeld bleiben. Es würden Instrumente des Verhaltens gelernt und erprobt, die im Alltag helfen, so Deister: „Das ist das Prinzip einer Tagesklinik.“

Behandelt wird dort vor allem nach einem verhaltenstherapeutischen Konzept mit systemischen Aspekten. Zum Team des Psychologisch-psychotherapeutischen Leiters Dr. Thomas Wolf und der Ärztlichen Leiterin Katja Bussolini gehören Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, Ergo-, Bewegungs- und Musiktherapeuten sowie Pflegekräfte. Hinzu kommen viele Partner, im Klinikum und darüber hinaus.

Psychische Erkrankungen seien eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, sagte Deister. Mindestens jeder dritte Mensch leide einmal im Leben daran, so Schätzungen. Psychosomatische Erkrankungen im engeren Sinn gebe es bei sieben bis zehn Prozent der Menschen. Sie könnten erfolgreich behandelt werden – je früher es geschehe, desto mehr Leid und Kosten gegenüber einem Langzeitverlauf könnten gespart werden. Über allem steht der Leitsatz der neuen Tagesklinik: „Körper und Seele – nur gemeinsam stark.“

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