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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Interview : Koeppen will die Wiederwahl

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Viel erledigt, noch viel zu tun: Verwaltungschef strebt eine zweite Amtszeit an. Wahltermin steht noch nicht fest.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2015 | 07:00 Uhr

13. April 2016. An diesem Tag endet für Dr. Andreas Koeppen die erste Amtszeit als Bürgermeister in Itzehoe. Wenn es nach ihm geht, folgt eine zweite: Der 54-jährige kandidiert bei der Wahl, deren Termin noch nicht fest steht. Die Begründung, einen Rück- und Ausblick liefert er im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Koeppen, warum treten Sie wieder an?
Koeppen: Um die Dinge fortzusetzen, die sehr erfolgreich laufen. Vieles in der Stadt hat sich sehr zum Besseren gewendet. Das ist ein guter Grund, noch einmal anzutreten und hoffentlich wiedergewählt zu werden, um die positiven Ansätze fortzuführen.

Mussten Sie lange überlegen?
Nein. Ich bin mittlerweile in Itzehoe fest verankert und stecke sehr tief in allen Themen. Es gibt noch viele Dinge, die ich gern weiter voranbringen möchte. Ich muss zugeben, dass der Alltag einen ziemlich fest im Griff    hat, und von daher hat mich die Erkenntnis, dass die Bürgermeister-Wahl demnächst schon wieder ansteht, selbst überrascht. Ich bin bald fünf Jahre im Amt, und es ist erstaunlich, wie rasend schnell die Zeit vergeht. Ich würde mich freuen, wenn es nach dem 14. April 2016 weitergeht.

Nicht jedes Thema in der Stadt macht Freude. Waren zum Beispiel Treibhaus und Bürgerentscheid Punkte, die Ihre Einstellung hätten ändern können?
Nein, eigentlich nicht. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir einen Veranstaltungsraum brauchen. Wir bekommen viele Anfragen – nach wie vor. Das Theater ist sehr gut, aber manche Dinge lassen sich dort nicht realisieren. Auf Alsen hätten wir einen multifunktionalen Raum geschaffen, und das in Verbindung mit einem Jugendzentrum. Es ist meine Überzeugung, dass das ein guter Gedanke war. Im Ergebnis standen nun einmal die Finanzen im Vordergrund. Jetzt muss man neue Ideen entwickeln für Alsen.

Das wären welche?
Die Kreisverwaltung könnte auf unserem oder auch auf dem privaten Gelände unterkommen. Ich wünsche mir aber, dass sie in der Stadtmitte bleibt. Sollte das nicht möglich sein, wäre Alsen eine Alternative. Letztendlich ist es eine Entscheidung des Kreises. Es ist auf jeden Fall besser, als wenn die Kreisverwaltung ganz aus der Stadt weg geht. Das darf nicht passieren. Doch bis dahin ist momentan alles, was wir mit Alsen machen könnten, auf Eis gelegt.

Welche Projekte würden Sie sich für eine zweite Amtszeit vornehmen?
Ein Schwerpunkt meiner Arbeit besteht darin, die Unternehmerstruktur in der Stadt weiter zu festigen. Ich glaube, da haben wir gute Arbeit geleistet in den letzten Jahren. Itzehoe konnte seinen Ruf stark verbessern, was auch dringend notwendig war. Auf die Unternehmen weiter zuzugehen, sie zu betreuen, ihnen Möglichkeiten der Umsiedlung oder Vergrößerung in der Stadt anzubieten, ist eine Daueraufgabe und enorm wichtig.

Am Herzen liegt mir auch die Bürgernähe. Ich bin sehr oft in der Innenstadt unterwegs und möchte die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, mich jederzeit anzusprechen. Aber auch bei offiziellen Anlässen freue ich mich über die vielen netten Begegnungen und Gespräche.

Überregional aber ist Itzehoe immer noch die Stadt der Insolvenzen von Prinovis und Prokon…
…mag sein. Was wir dagegen tun können, ist, stetig den Ruf der Stadt zu verbessern. Das wird durch keine einzelne Maßnahme ab morgen gelingen. Aber es beginnt sich herumzusprechen, dass wir viel besser geworden sind, dass wir auch in der Verwaltung eine unternehmensfreundliche Haltung haben. Über das Weiterexistieren der Prokon kann man sowohl den Ruf des Unternehmens als auch der Stadt aufpolieren. Prokon hat eine reelle Chance und wird zur Rufstärkung der Stadt beitragen. Der Fall Prinovis ist sicher dramatisch, wenn er denn auch absehbar war. Ich habe die sehr starke Hoffnung, dass sich etwas tun wird, was sich landesweit herumsprechen wird. Wenn das Projekt gelingt, das angedacht ist, wird etwas entstehen, was es so in ganz Schleswig-Holstein noch nicht gibt.

Was heißt das?
Zu dem Projekt ist mit den Investoren absolutes Stillschweigen vereinbart. Wir müssen alle ein bisschen Geduld haben. Wir stehen im Rathaus Gewehr bei Fuß.

Und dann gibt es neue Arbeitsplätze für Itzehoe…
Dann wird es auch neue Arbeitsplätze geben – und zwar in durchaus nennenswerter Anzahl.

Dann ist ja alles geregelt – oder haben Sie noch weitere Aufgaben?
Auf jeden Fall. Eine weitere Aufgabe besteht darin, neuen Wohnraum zu schaffen, um junge Familien nach Itzehoe zu holen. Es gilt jetzt, mit den Bürgern auszuloten, was möglich ist. Leider hatte die Stadt früher den Ruf, wirtschaftsabgeneigt und schwer zerstritten zu sein. Ich habe deswegen in meinem ersten Wahlkampf gesagt, dass ich eine neue Einigkeit möchte. Ich glaube, davon ist eine Menge eingetreten. Sicher wird man nie alle Menschen für alle Ideen begeistern können – das ist Utopie. Aber über Netzwerke für Sport, Bildung, Kultur oder Engagierte bei Störauf haben wir es geschafft, uns bei Themen in einem größeren personellen und strukturellen Maßstab einig zu sein, wo wir hin wollen. Dies fortzuführen, ist ganz wichtig für Itzehoe und wird sicher ein Schwerpunkt für eine zweite Amtszeit sein.

Wie sieht Ihre Bilanz aus in der Zusammenarbeit mit der Politik?
Das Verhältnis zur Politik ist gut. Und da meine ich nicht nur die Politiker der großen Koalition, sondern auch viele andere. Auch das war einmal anders in Itzehoe. Dass nicht alle immer meiner Auffassung sind, ist klar. Aber wir haben im Zusammenspiel viel erreicht. Allein die vielen großen Bebauungspläne im vergangenen Jahr – da ist es schon bemerkenswert, wie einvernehmlich wir zusammengearbeitet haben.

Was würden Sie in der Rückschau anders machen?
Gute Frage. Aber wenn man nach hinten guckt, hilft das nicht weiter. Natürlich muss man dazu lernen. Aber wichtig ist, dass wir das, was wir gemeinsam aufgebaut haben, nach vorne tragen und weiter an dem Projekt Itzehoe schrauben. Vor allem müssen wir aufhören, selbst schlecht über die Stadt zu reden. Das klappt schon ganz gut, aber noch nicht zu 100 Prozent. Der Ruf der Stadt kann sich auch dadurch verbessern, dass viele Botschafter werden für Itzehoe.

Wie planen Sie den Wahlkampf – und rechnen Sie mit einem Gegenkandidaten?
Ich habe mir darüber noch keine vertieften Gedanken gemacht. Ich hoffe mal, dass die meisten Menschen in der Stadt mich inzwischen kennen und mich beurteilen können, möglichst nicht aufgrund nur einer Situation. Wahlkampf ist wichtig, wenn man sich bekannt machen will. Ob ein Gegenkandidat kommt, kann man nicht wissen. Ich habe noch nichts gehört von irgendwelchen Aktivitäten, will es aber auch nicht ausschließen.

Im Fall einer Wiederwahl, wie sähe Itzehoe aus in sieben Jahren? Die Stör geöffnet?
Ich glaube, dass das Projekt Störauf geeignet dafür ist, der Stadt ein neues Bild zu geben. Das können wir aber nur schaffen, wenn wir uns einig sind in der Stadt, denn Itzehoe wird danach anders aussehen und anders sein. Wir haben eine eher funktionelle Innenstadt, es fehlen der Wohlfühlfaktor und das Ambiente. Ich möchte ein Stück mehr Lebensqualität in Itzehoe schaffen. Es wäre schön, wenn wir einen Bereich gestalten, an dem man sich nach Feierabend oder am Wochenende mit Freunden und der Familie trifft. Aber wir dürfen nicht naiv sein, es ist ein großes Projekt. Wir arbeiten im Verein Störauf daran, Finanzquellen aufzutun. Ich hoffe, dass dann eine große Mehrheit zustimmen kann.

Wie wollen Sie das messen – per Bürgerentscheid?
Die Möglichkeit will ich nicht völlig ausschließen. Vielleicht kann man sich auch des Mittels der repräsentativen Umfrage bedienen. Nur eine Zustimmung anzunehmen, weil man in der Stadt überall Zuspruch erhält, ist trügerisch.

Bürgermeister in Itzehoe – ist das Ihr Traumjob?
Es ist ein schöner Job.

Also kein Gedanke daran, sich in die Landespolitik zu verabschieden wie Kollegen vor Ihnen?
Darüber habe ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht. Ich bin von Natur aus ein bodenständiger Mensch und will erst einmal den Job hier gut machen. Es ist von mir nicht geplant, irgendwo hinzugehen – und ich würde auch keinem in Kiel hinterherlaufen.


Infos zur Wahl:

Frühestens acht Monate, spätestens einen Monat vor dem Freiwerden der Stelle wird gewählt. Der früheste mögliche Termin für den Urnengang ist der 16. August dieses Jahres. Da der Bürgermeister selbst antritt, kann er nicht Wahlleiter sein, dieser wird daher durch die Ratsversammlung bestimmt. Besonders in Frage komme dafür Holger Pump, Leiter des Amtes für Bürgerdienste, so die Verwaltungsvorlage für den Hauptausschuss. Die Ratsversammlung entscheidet auch über die Zusammensetzung des neunköpfigen Gemeindewahlausschusses – beides soll in der Sitzung am 5. März passieren. Der Ausschuss setzt die Termine für die Wahl und eine eventuelle Stichwahl fest. Ausgeschrieben wird die Stelle nicht. Die im Rat vertretenen Parteien und Wählergruppen können Kandidaten vorschlagen oder Bewerber schlagen sich selbst vor. Dafür brauchen sie mindestens 155 Unterstützer-Unterschriften – der Amtsinhaber allerdings nicht.

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