zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

18. November 2017 | 15:09 Uhr

Landleben : Know how aus einem alten Gemäuer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ingenieure arbeiten in historischem Bauernhaus in Kollmar: Alexander Milosavljevic und seine Mitarbeiter sind tätig für die Bahn.

Das Bauernhaus in „Bielenberg 37“ wurde bereits 1699 erbaut und auch die zugehörige Scheune ist schon über 200 Jahre alt. Seit 2013 wohnen und arbeiten hier Simone Fuhrmann und Alexander Milosavljevic´ mit dem Beratungsunternehmen „InterEngineer“. Das Ehepaar ist mit seinen zwei Kindern aus Köln an die Elbe gezogen.

„Wir wollten weg aus dem Rheinland und im Norden leben, wo es schön ist“, sagt Simone Fuhrmann zur Motivation für den Umzug. Ihr Mann ergänzt: „Kollmar hat diesen Charme mit der Elbe hinter unserem Haus, ein Stück heile Welt. Und hier können wir in einem Reetdach-Ensemble Wohnen und Arbeit verbinden.“

Der ehemalige Bauernhof zählt zur landschaftsprägenden Baukultur der Elbmarschen. Für viele ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude ist es schwer, eine Nachnutzung zu finden – einige verfallen oder werden abgerissen. „Damit geht dann auch eine Stück Kulturhistorie verloren, die unwiederbringlich ist“, bedauert Beate von Malottky die Entwicklung. Sie ist im Kreisbauamt zuständig für den Denkmalschutz. „Die Nachnutzung der historischen Baukultur durch ein modernes Dienstleistungsunternehmen ist ein gelungenes Beispiel für den Erhalt unseres Landschaftsbildes.“ Die Hofstelle in Bielenberg gehörte lange Zeit zur gegenüber liegenden Landwirtschaft der Familie Greve.

Alexander Milosavljevic´ betreibt seit 2006 die Firma „InterEngineer“, seit 2016 mit einem zusätzlichen technischen Büro in Salzgitter. Als der 49-jährige die Hofanlage kaufte, wurde die Scheune bereits als Großraumbüro für eine Werbeagentur genutzt. Insgesamt 15 Personen, vorwiegend Ingenieure und Techniker, arbeiten auf dem Gebiet der Sicherheitstechnik. „Wir produzieren nichts, sondern planen Sicherheit. Wir entwickeln europaweit Sicherheitssysteme für die Industrie oder beraten dabei. Deshalb sind wir auch nicht an einen Standort gebunden. Unser wichtigstes Gerät ist der Server.“ Im Englischen wird der Bereich Sicherheit in „Safety“ und „Security“ unterschieden. „Wir beschäftigen uns mit Safety, das heißt, technische Vorrichtungen sicherer zu machen. Es geht um funktionale Sicherheit.“

Das Hauptbetätigungsfeld der Firma sind Schienenfahrzeuge: Funktionieren die Bremsen? Gehen die Türen auf? Wie verhält sich die Tür beim Schließen, wenn sich eine Person dazwischen befindet? „In Deutschland gibt es für jedes technische Gerät Sicherheitsnormen. Die sind aber so allgemein, dass sie für Neukonstruktionen stets neu definiert werden müssen. Genau das ist unser Arbeitsfeld“, beschreibt Milosavljevic´die Kernkompetenz des Betriebes. Die Ingenieure bewerten Konstruktionen auf ihre sichere Funktionalität und erstellen Sicherheitsberichte, die eventuell zu Nachbesserungen führen. Besser ist es deshalb, bei der Entwicklung beteiligt zu werden. „Wir arbeiten für die Hersteller von Schienenfahrzeugen und deren Zulieferer, um eine Zulassung für das Produkt zu erhalten.“ Momentan sind die Mitarbeiter bei der Entwicklung eines Nahverkehrszuges mit Wasserstoffantrieb beteiligt, der 2018 in Niedersachsen in den Probebetrieb gehen soll.

Ein weiteres Betätigungsfeld ist der Brandschutz in Gebäuden oder Fahrzeugen, um für jeden Typ die allgemeine Norm zu spezifizieren. „Es beginnt immer mit einer Risikoanalyse und dem Sicherheitsbedarf. Daraus werden die Sicherheitsziele definiert und geprüft, wie diese umzusetzen sind. Entweder gibt es technische Lösungen oder es gibt Anweisungen für das Bedienungspersonal.“ In Zusammenarbeit mit dem TÜV Nord bietet die Firma dafür auch umfangreiche Schulungen an.

Alexander Milosavljeevic´ hat Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Fahrzeugtechnik studiert. In seiner Angestelltenzeit in Köln war er mit Sicherheitsfragen beschäftigt. So ergab es sich für ihn fast automatisch, dass er sich selbstständig machte. Inzwischen ist der Unternehmer mit seiner Familie „in Bielenberg gut angekommen“. Das Reetdach und die historische Bausubstanz möchte er unbedingt erhalten. Ein Problem ist aber noch die Gewinnung von Nachwuchskräften für sein Unternehmen. Deshalb will er sich regional mehr vernetzten. Dafür plant er aktuell eine Kooperation mit dem Handballverein Herzhorn.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen