Denkmalschutz : Knifflige Aufgabe für Spezialisten

Baubesprechung (von links): Ester Patyk, Holger Lüdemann, Rolf Wazel und Jörn Dieck.
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Baubesprechung (von links): Ester Patyk, Holger Lüdemann, Rolf Wazel und Jörn Dieck.

Neubau der Treppe am Glückstädter Rathaus schreitet voran / Bauarbeiten werden voraussichtlich noch bis Anfang August dauern

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18. Juli 2014, 05:00 Uhr

Die historischen Sandsteine sind gründlich nummeriert, damit keiner verwechselt wird. Wie andere Elemente werden sie wieder in die neue Rathaustreppe eingearbeitet. Neu ist die frisch gelegte Betonsohle, die zukünftig die Treppe tragen wird, weil der Boden so weich ist. „Die Betonplatte haben wir mit einer wasserdichten Kante verarbeitet“, erklärt Jörn Dieck, Geschäftsführer des gleichnamigen Baugeschäftes. „So kann kein Wasser mehr hineinlaufen, auch nicht von der Seite.“

Jörn Dieck ist Fachmann. Der Maurermeister aus Kollmar baut nicht nur neue Häuser, sondern hat sich mit seinem Unternehmen besonders auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert und bereits an vielen historischen Gebäuden gearbeitet. Für die Maurerarbeiten an der ehemaligen Bäckerei am Glückstädter Hafen wurde die Firma mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet.

Auch die Arbeiten an der Rathaustreppe werden denkmalgerecht ausgeführt. Jedes Detail ist mit zuständigen Denkmalamt abgestimmt. „Wir bauen die Treppe so, wie sie war“, erklärt Dieck. Dazu werden auch die alten Sandsteinelemente verwendet, die zuvor von einer Hamburger Spezialfirma restauriert werden. „Anspruchsvoll“ ist die Arbeit für den Kollmaraner und seine Mitarbeiter. „So ein Projekt ist auch bei uns nicht alltäglich und gerade das macht uns Spaß.“

„Wir wollen so viel von der originalen Substanz erhalten wie möglich“, erklärt Ester Patyck, die im Bauamt für die Baubegleitung zuständig ist. Vieles werde wieder aufgearbeitet.

Bauamtsleiter Dr. Lüder Busch erklärt: „Die Treppe ist in einem besonderen, historischen Format aufgebaut.“ Die Steine sind nicht alle gleich und kleiner als herkömmliche. Die, die ersetzt werden müssen, werden von einer dänischen Firma geliefert, die sich auf diese Formate spezialisiert hat. Auch die spezielle braune Farbe spielt eine Rolle. „Sie sind mit dem Denkmalamt abgestimmt“, erklärt Dr. Busch. „Ebenso die Fugenfarbe. Sie passt zum restlichen Bestand.“

Projektleiter Rolf Wazel von der Firma pmp Architekten aus Hamburg erklärt, dass die Farbe bewusst gräulich gewählt wurde. Sie entspricht der Farbe, die in der ursprünglichen Treppe verarbeitet wurde und zur Fassade passt. „Wir wollen ein ruhiges Erscheinungsbild.“ Dass der Ton jetzt noch abweicht, wird sich ändern. „Spätestens im Herbst kommt die gewünschte Patina.“

Auch für Wazel ist der Bau der Treppe „knifflig.“ Die alte Treppe konnte in Teilen nicht abgemessen werden, weil sie verputzt war. Mit dem, was jetzt steht, ist er sehr zufrieden. „Es hat geklappt.“ Die Treppe zu bauen sei nur auf den ersten Blick eine leichte Aufgabe. „Es gab unzählige Hindernisse, angefangen bei der Gründung.“ Weiter ging es damit, die richtigen Proportionen zu finden. Das sieht auch Bauamtsleiter Lüder Busch so: „Es ist wirklich eine Frickelarbeit.“

Insgesamt werden die Baumaßnahmen voraussichtlich bis Anfang August dauern. Nach Abschluss der Maurerarbeiten in wenigen Tagen werden die Sandsteinelemente von der Fachfirma Nüthen eingebaut. „Kommende Woche beginnen wir unter anderem mit der Verlegung der Stufen. Wir werden etwa zwei Wochen zu tun haben“, sagt Mike Andre von der Hamburger Firma Nüthen. Abschließend wird dann die jetzige provisorische Tür zum Restaurant „Ratskeller“ zugemauert.

Wenn alles fertig ist, werden im Rathaus wieder die Sitzungen der Stadtvertreter stattfinden. Im Moment wird übergangsweise bei den Stadtwerken getagt. Der Grund: Durch den Neubau der Treppe fehlt der vorgeschriebene zweite Rettungsweg. Für die Mitarbeiter, die im Rathaus tätig sind, reicht gesetzlich eine Fluchtmöglichkeit, weil sie sich im Notfall auch aus dem Fenster retten können.

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