Faustball : Knapp am Treppchen vorbei geschrammt

Kellinghusens Faustballerinnen verpassten den Sprung aufs Meisterschaftstreppchen denkbar knapp – Kristin Kitzmann, Madline Vogt, Levke Voß, Maja Biß, Kyra Wiggers, Sophie Vogt (hinten v. l.), Annika Rennenkamp, Laura Bebensee und Franziska Haack (vorn v.l.).
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Kellinghusens Faustballerinnen verpassten den Sprung aufs Meisterschaftstreppchen denkbar knapp – Kristin Kitzmann, Madline Vogt, Levke Voß, Maja Biß, Kyra Wiggers, Sophie Vogt (hinten v. l.), Annika Rennenkamp, Laura Bebensee und Franziska Haack (vorn v.l.).

Mädchen von Gastgeber VfL Kellinghusen bei den Deutschen Meisterschaften auf Rang vier

shz.de von
11. April 2018, 05:18 Uhr

„Wir Trainer sind sehr stolz auf unsere Mannschaft“, sagte Anika Bruhn nach Abschluss der Deutschen Meisterschaften. Gerade hatte das von ihr und Laura Schneider trainierte U16-Team des VfL Kellinghusen in eigener Halle den vierten Platz belegt. Und dieses Resultat war besser, als es sich viele aus dem Kellinghusener Lager vor dem Turnier überhaupt hatten vorstellen können. Angepeilt war der Einzug in die Hauptrunde, in der die Plätze eins bis sechs ausgespielt wurden.

Insgesamt beteiligten sich zehn Teams an dem Turnier. Es siegte der TV Jahn Schneverdingen. Die Gruppenspiele hatten die Kellinghusenerinnen mit Siegen gegen den ESV Schwerin und den TV Weisel und einem Unentschieden gegen den TSV Gärtringen schon recht positiv gestalten können. Die einzige Niederlage kassierten sie gegen den späteren Vizemeister, den Wardenburger SV.

Um als Dritter der Vorrundentabelle ins Halbfinale vorstoßen zu können, musste der SV Düdenbüttel in einem Qualifikationsspiel bezwungen werden. Und das gestalteten die Schützlinge von Anika Bruhn und Laura Schneider zur Freude des eigenen Anhangs überaus erfolgreich. Sie besiegten die Niedersachsinnen nach Sätzen mit 2:0 und spielten dabei wie entfesselt auf. Nach einem 11:1 und einem 11:5 war der nicht erwartete Einzug ins Halbfinale perfekt. Und dort wartete der Wardenburger TV, dem die Kellinghusenerinnen in der Vorrunde noch deutlich unterlegen waren. Im ersten Satz der Vorschlussrunde aber ein ganz anderes Bild. Die Gastgeber setzten den aus Niedersachsen kommenden Konkurrenten gewaltig unter Druck und beendeten den ersten Durchgang mit einem 11:7. Doch damit gaben sich die Wardenburgerinnen keineswegs geschlagen. Sie profitierten in erster Linie von ihrer starken Schlagfrau Anna Carstens, die großen Anteil am Gewinn des zweiten Satzes hatte. Nach dem Ausgleich musste der dritte Satz über den Einzug ins Finale entscheiden. Die ersten beiden Punkte holten sich die Kellinghusenerinnen und lagen auch nach dem zwischenzeitlichen 3:1 und 5:3 noch in Front. Doch langsam drehte sich das Spiel, und nach dem 7:10 aus Sicht der Störstädterinnen dachten viele an einen schnellen Satzgewinn von Wardenburg. Doch dann geschah das schier Unmögliche: Kellinghusen gleich nicht nur aus, sondern punktete sogar zum 11:10. Die Sensation, der Einzug ins Finale, lag in der Luft. Dass es nach dem Matchball anders kam, lag an Anna Carstens, die mit einem Preller gegen die Wandseite den Punktestand egalisierte, ehe ein zum Schluss unglücklich gegen die Leine gefausteter Ball durch eine Kellinghusenerin das 13:11 zugunsten von Wardenburg brachte. Enttäuschung auf der einen und Jubel auf der anderen Seite spielten sich danach nur wenige Meter voneinander entfernt ab.

Im Spiel um Platz drei traf der VfL Kellinghusen dann auf den TSV Gärtringen, der im ersten Satz zunächst mit 0:2 und 1:3 hinten lag, ehe er aus einem 3:3 und 7:7 nach hart umkämpften Punkten ein 10:7 machte. Nachdem die Steinburgerinnen bis auf einen Punkt an die Baden-Württembergerinnen herangekommen waren, schien es so, als könnten sie den ersten Satz noch zu ihren Gunsten entscheiden. Doch der nächste Punkt wurde ihren Gegnerinnen gutgeschrieben. Noch spannender verlief der zweite Satz, in dem die Führung bis zum 12:12 oftmals wechselte. Zu einem Happyend aus Sicht von Kellinghusen kam es dennoch nicht, denn die beiden nächsten Punkte holten sich die Gärtringerinnen.

Auch wenn die Kellinghusener Mädchen bei der Siegerehrung miterleben mussten, wie anderen die Medaillen umgehängt wurden – ganz unzufrieden waren sie nicht. Ausdrücklich stellte Mannschaftsführerin Madline Vogt fest: „Unser Ziel war die Hauptrunde, und mit Platz vier haben wir mehr erreicht, als wir uns vorgenommen hatten.“

Mit Blick auf das, was sich in den Stunden zuvor in der Halle abgespielt hatte, sagte Anika Bruhn: „Die beiden Spiele im Viertel- und im Halbfinale waren die besten, die unsere Mädchen im Laufe der Saison abgeliefert haben.“ Andererseits fiel der Trainerin aber auch auf, dass ihre Aktiven im Spiel um die Bronzemedaille nicht in jeder Phase konzentriert waren – unter anderem wurde der letzte Ball im zweiten Satz unter statt über die Leine gespielt. „In unserem letzten Spiel merkte man, dass der Tag lang war und dass die Halbfinalniederlage Spuren hinterlassen hatte. Wenn man so dich vor dem Finale steht, dann will man auch gewinnen.“ Und wenn nicht, dann fördert das nicht das eigene Leistungsvermögen.

Und dennoch: Positiv bewertete Anika Bruhn, dass sich die Kellinghusenerinnen im Laufe des Turniers gesteigert hatten: „Das war nach der Vorrunde, in der wir gegen Wardenburg nicht so gut waren wie heute, nicht zu erwarten.“ Folgerichtig sprach die Trainerin dann auch von einer geschlossenen Mannschaftsleistung, die die Mädchen, darunter auch vier aus dem U14-Bereich, insgesamt abgeliefert hätten. Dazu beigetragen hätte nicht zuletzt die „super Stimmung in der Halle, die die Mädels beflügelt hat“.

Sehr zufrieden mit dem Ablauf der Meisterschaften und der Ausrichtung durch den VfL Kellinghusen war Sönke Spille. Der Beauftragte der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) für nationale Titelkämpfe sagte: „Die DFBL freut sich immer, wenn Kellinghusen Meisterschaften übernimmt. Man kann da hinfahren und weiß, dass alles in guten Händen liegt und funktioniert.“ Mehrmals habe der Verein das in der Vergangenheit bestätigt. Über den sportlichen Wert urteilte Spille so: „Ab dem Viertelfinale waren die meisten Spiele spannend, und die Mannschaften haben qualitativ guten Sport gezeigt.“ Dass Schneverdingen den Meistertitel holen würde, habe ihn nicht überrascht. Positiv bewertete der DFBL-Sprecher das Abschneiden des VfL Kellinghusen: „Die Mannschaft war sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale stark. Es fehlte aber ein Quäntchen Glück.“

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